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Klaus Grözinger, Grafikdesigner und Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, ist gestorben

26.07.2011

Er gehört zu den Gründungsvätern der HBK Braunschweig; mit ihm als Verantwortlichen für den Gestaltungsbereich gelang durch seinen überragenden Einsatz die Umwandlung der damaligen Werkkunstschule Braunschweig in die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

Universitätsprofessor Klaus Grözinger wurde am 18.2.1923 in Friemersheim am Niederrhein geboren. Nach einer Schriftlithografenlehre und Kriegsdienst schloss er im Jahre 1950 ein Studium der Gebrauchsgrafik an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart bei Ernst Schneidler und Walter Brudi ab. Bis 1953 arbeitete er als Grafiker im Atelier Bentele, Stuttgart; danach auch als freier Mitarbeiter beim Atelier S+H Lämmle, Stuttgart. Im Februar 1955 gründete er sein eigenes graphisches Atelier in Stuttgart.

Im November 1955 begann Klaus Grözinger in der Nachfolge von Hermann Eidenbenz als Leiter der Abteilung für Gebrauchsgrafik eine zunächst nebenberufliche Lehrtätigkeit an der Werkkunstschule Braunschweig, die im April 1956 zu einer hauptberuflichen Anstellung als Studienrat führte. Mit Gründung der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Braunschweig am 1. März 1963 wurden ihm Amt und Aufgaben eines Professors für Gebrauchsgrafik an dieser Hochschule übertragen.

Im April 1988 trat Professor Grözinger seinen „Ruhestand“ an, der zunächst darin bestand, weitere Studierendengenerationen auf deren dringenen Wunsch hin zum Diplom zu führen. Ab Mitte der 90er Jahre konzentrierte er sich auf die Aufarbeitung seines umfangreichen Werkes und seiner grafischen Sammmlung, blieb aber der Hochschule auch danach intensiv verbunden. Er führte weiterhin Auftragsarbeiten durch und war als Berater immer wieder gefragt. Der Tod ereilte ihn plötzlich und unerwartet am Ende eines schaffensreichen Arbeitstages am Computer.

Seinen Leistungen als Lehrer und Organisator auch internationaler Ausstellungen bereits zu Beginn der 60er Jahre war es zu verdanken, dass die neugegründete Staatliche Hochschule für Bildende Künste Braunschweig von Anfang an mit einer renommierten Gebrauchsgrafik-Abteilung starten konnte.

Von Beginn seiner Lehrtätigkeit an vermittelte Klaus Grözinger seinen Studierenden das Rüstzeug für eine erfolgreiche berufliche Karriere. Er prägte Generationen von Grafik-Designerinnen und -Designern, die auch international den ausgezeichneten Ruf der Braunschweiger Hochschule begründeten. So gründeten Absolventen in London, Kapstadt und Sao Paulo überaus erfolgreiche Designagenturen.

Mit der Diplomprüfungsordnung für Grafik- und Industrial Designer des Jahres 1976, der ersten an einer bundesdeutschen Kunsthochschule, schrieb Prof. Grözinger die Standards seines so erfolgreichen Ausbildungskonzepts fest. Jeder, der bei ihm studierte, durchlief zwar eine harte Schule, doch spätestes beim Eintritt in die berufliche Praxis wurde dankbar bewusst, wie richtig und nun hilfreich sein Ausbildungskonzept war.

Neben der Suche nach künstlerischen Ausdrucksformen hatte Klaus Grözinger immer die technische Realisierung im Blickfeld. Diese praxisnahe Ausbildung war ihm wichtig. Er pflegte Kontakte zur graphischen Industrie, warb für schulische Belange Papier und Farben ein, organisierte Praktikumsplätze in renommierten Designagenturen und arbeitete intensiv mit Druckereien und Schriftgießereien zusammen, um die Entwürfe seiner Studierenden auch als reale Produkte umzusetzen. Er schuf ein gut funktionierendes Netzwerk von der Plakatidee bis zur Anschlagsäule; sein Schwerpunkt über viele Jahre waren Plakatgestaltungen für die Braunschweiger Museen. Als „Plakatforscher“ untersuchte er Methoden der Entwicklung und Wirkungsanalyse von Plakaten; die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit veröffentlichte er in zahlreichen Beiträgen für Fachzeitschriften und in einer Monographie.

Weitere Entwicklungsschwerpunkte waren die Bereiche „Verkehrsleitsysteme“, „Visuelle Orientierungssysteme in komplexen Bauanlagen“ - gemeinsam mit der TU Braunschweig -, „Möglichkeiten und Grenzen des Computer Aided Design“ sowie die Bedeutung einer „Corporate Identity“ für den Erfolg wirtschaftlicher Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen. Hier verstand es Klaus Grözinger, mit kräftigen Impulsen den Braunschweiger Wirtschaftsraum nachhaltig zu befruchten.

Prof. Grözinger begründete in den 80er Jahren die gemeinsam mit der Braunschweiger Wirtschaft getragene Veranstaltungsreihe „Internationale Designer kommen zu Wort“, Höhepunkt seiner zahlreichen Veranstaltungsorganisationen an der HBK Braunschweig war der kurz nach der Grenzöffnung im Jahre 1990 durchgeführte Ost-West-Kongress „Grafik-Design: Zukunft in Wirtschaft und Kultur“ der unter der Schirmherrschaft des Bundeswirtschaftsministers erstmalig Designer aus den alten und neuen Bundesländern zusammenführte und den Aufbau der Design-Ausbildung insbesondere in Sachsen-Anhalt und Sachsen nachhaltig prägte.

Vielen wird er als ein unermüdlicher und dynamischer Zeitgenosse in Erinnerung bleiben, ein Grafiker und Plakatgestalter, der sich offen und wissbegierig auch den neuen Technologien stellte und noch im hohen Alter das Bedürfnis hatte, unbedingt jedes neue Layout-Programm zu erlernen. Er wollte nicht einfach nur klug daherreden, er wollte machen und wissen, worüber er klug redete.

Prof. Klaus Grözinger war die Leitfigur für viele Generationen von Design-Studenten in Braunschweig. Sein umfangreiches eigenes grafisches Werk sowie seine Sammlung der bei ihm entstandenen Studien- und Prüfungsarbeiten hat er dem Braunschweigischen Landesmuseum übereignet; die Veröffentlichungsrechte in digitaler Form übertrug er noch kurz vor seinem Tod an die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der damit für Lehr- und Forschungszwecke eine reichhaltige Quelle zur Verfügung steht.

Lehrende, Studierende und Mitarbeiter der HBK Braunschweig werden Prof. Klaus Grözinger ein ehrendes und dankbares Gedenken bewahren.


Gerhard Baller
Hauptberuflicher Vizepräsident der HBK Braunschweig


Die Familie wird von Prof. Klaus Grözinger auf seinen Wunsch hin in aller Stille Abschied nehmen. Im Laufe des kommenden Wintersemesters 2011/2012 wird die HBK Braunschweig sein Werk und seine Verdienste im Rahmen einer Gedenkveranstaltung würdigen.

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