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Netzkunstbeispiele

Netzkunst
Netzkunst benutzt das Internet als Ort und als Material. Alles, was das Internet bzw. das World Wide Web ausmacht, kann als künstlerisches Material verwendet werden. Eine kurze Zusammenfassung der Möglichkeiten und Ausformungen von Netzkunst hat Inke Arns in einem Vortrag zusammengestellt. Er ist im Internet zu finden unter

In diesem Vortrag sagt sie unter anderem:
"In den meisten Netzkunst-Arbeiten geht es nicht darum, neue Medien und Technologien zu verwenden, sondern es geht um deren Entwendung. Diese Projekte nehmen eine kritisch-distanzierte Haltung gegenüber den medialen Maschinen ein, sie bedienen sich der Strategien der Unterwanderung, der Irritation, der Umfunktionierung. Sie widmen sich der Ästhetik des Fehlers, der medialen Störung und des technischen Versagens, der Dysfunktionalität und der Ästhetik des Maschinischen, d.h. der Sichtbarmachung von Prozessen, die meist hinter glatten Oberflächen tief im Inneren der Maschine ablaufen. Oder, wie es Andreas Broeckmann 1998 formulierte: es geht nicht um das "unauffällige und reibungslose Zusammengehen der materiellen und der virtuellen Welten, sondern vielmehr um den Unfall, die Reibung und den Bruch, die einer jeden technischen Realität inhärent sind."

 

Beispiele

Heath Bunting: _readme

Diese Arbeit führt das Hypertextformat an sich ad absurdum. Nahezu alle Wörter eines Textes von James Flint über Heath Bunting werden zu Hyperlinks zu Internetadressen gleichnamiger Firmen und Organisationen. Bunting macht deutlich, dass auf nahezu alle Wörter inzwischen ein Copyright als Domainname angemeldet ist - das Allgemeingut „Sprache" wird privatisiert.

jodi.org: %20Unsent oder oss/%.%.%.% oder %20reply

JODI ist der Name eines niederländisch-belgischen Künstlerduos, Joan Heemskerk und Dirk Paesmans. Ihre Netzprojekte verunsichern den Besucher durch sinnlose ASCII-Wortfolgen, scheinbaren Datenmüll, umherschwirrende Browserfenster, zerrissene oder sich bewegende Desktop-Oberflächen usw. ("ogottogott, mein Computer ist abgestürzt oder ein Virenangriff"). In %20Unsent werden aus der Eingabe des Benutzers Texte generiert, aus denen alle Konsonanten herausgefiltert sind und so einen unlesbaren und ungesendeten Text entstehen lassen. In %20reply wird nicht der eingegebene Text des Besuchers bearbeitet, sondern die IP-Adresse des Computers, von dem aus gesendet wurde, veröffentlicht. Die Mär von der Anonymität des Netzes wird ad absurdum geführt.

Alexei Shulgin: Form

Alexei Shulgin baut aus einfachen HTML-Formular-Elementen Grafik-Seiten und fordert die Nutzer zu einem Kunst-Wettbewerb auf. In der Ausschreibung hieß es: "This new art form is based on the Internet technology and gives to an artist new possibilities for self-expression." ;-)

Holger Friese, Max Kossatz: www.antworten.de

Eine andere Form der Enttäuschung erfahren User in einem Netzprojekt, das, ganz simpel, 'Antworten' verspricht. www.antworten.de (1997) von Holger Friese und Max Kossatz begrüßt einen User z.B. mit der Nachricht "We are now serving 94. Sie haben Nummer: 99, bitte warten!!!". Dazu setzt eine Endlosschleife mit Wartemusik ein, ähnlich eines firmeneigenen Telefonmusikwarteloops. Nach 100 Sekunden erscheint die Frage "Möchten Sie etwas schreiben oder etwas lesen während Sie warten?" Natürlich möchte man während des Wartens aktiv sein. Klickt man auf 'lesen', werden detaillierte Zugriffsstatistiken für www.antworten.de für die letzten zwölf Monate oder alternativ seit dem 31.5.1997 aufgerufen. Diese in ihrer peniblen Ausführlichkeit sinnlosen Statistiken erscheinen in Form farbiger Balken- und Tortendiagramme; die Tabellen weisen "Hits", "Files", "Sites", "KiloBytes sent" für die jeweiligen Monate aus. Über Links kann man auch die "Full statistics" für die Jahre 1999, 1998 und 1997 einsehen. Die Option 'schreiben' öffnet ein Fenster, das zum Verfassen einer e-mail an <fragen@antworten.de>, also den Webmaster des Projekts, einlädt. Man erhält jedoch keine Antwort, kein "Reply". Nach drei Minuten wird die nächsthöhere Wartenummer aufgerufen. Man kann nun die Zeit überschlagen, zu der man drankommt, und sich anderen Tätigkeiten zuwenden, z.B. zu anderen Webseiten surfen. Kommt man jedoch nach ca. 20 Minuten zurück, wird man grundsätzlich immer mit der Antwort "Sie sind leider zu spät, Ihre alte Nummer war 99, Ihre neue Nummer ist 106" abgespeist. Beim Zugriff auf antworten.de wird mittels eines Perl-CGI-Skripts (30) die aktuelle Nummer ausgelesen und die entsprechende Grafik für die Ziffern angezeigt, die Nummernzuweisung (aktuelle Nummer + 7) erfolgt durch ein Cookie (31), das auf dem Rechner des Users abgelegt wird.

Adam R. Harvey: Zoozoom - Database Portraiture

Auf dieser Site werden Portraits von Besuchern gesammelt und in einer schnellen Bildfolge gesammelt. Auf Buttondruck wird ein Durchschnittsportrait aller in einer Datenbank gesammelten Besucherfotos errechnet.

teleportacia.org: Identitätswechsel Datenbank

teleportacia.org, wesentlich mitbegründet von Olia Lialina, arbeitet in der Identitätswechsel Datenbank ebenfalls mit Portraits und Daten von Besuchern. Jeder Besucher kann seine Identität stiften oder sich eine neue suchen. Bei Eingabe von Identitätsmerkmalen, wie sie in Pässen und Ausweisen erscheinen, kann aus der Datenbank eine passende Identität gesucht werden. Stifter geben mit ihren Daten ein Foto in die Datenbank ein.

Olia Lialina: Agatha

Olia Lialina erzählt mit einfachen HTML-Elementen und einem Song eine Geschichte.

Olia Lialina:My boyfriend came back from the war. After dinner they left us alone

Olia Lialina schafft mit einfachen HTML-Mitteln und Framesets eine Geschichte (siehe Titel) und damit einen Ausgangspunkt für andere Künstlerarbeiten.

Mark Napier: Shredder

Ein Werkzeug, um Webseiten virtuell zu schreddern.

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