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Lehre

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2011/2012:

Dekonstruktive Medientheorie

Master M4 Medientheorie und -analyse
SE
Di 09:45 - 11:15, IMF 53/25

"Dekonstruktion" ist der Titel weniger einer bestimmten Theorie als eines bestimmten Sets an Fragen, die besonders die Medienwissenschaft betreffen: Ist "das Subjekt" die Zentrale seiner eigenen Handlungen? Wie stellen wir uns Präsenz und Authentizität vor, wenn es keine unmediierte Umgebung gibt? Ist der Autor, der Künstler, der Medienmacher Herr über sein Werk? Wie steht es mit dem Verhältnis von Zeichen und Bezeichnetem, der Repräsentation - auch im "virtuellen Zeitalter"? Kann man noch in Erzählungen, in großen Narrativen denken, oder ist es produktiver, Brüche oder Netze oder Rhizome als Modelle heranzuziehen? Was ist Phonozentrismus, und wie hilft uns eine Kritik an Linearität heute weiter? Sprachliche Modelle aus dem Strukturalismus, Überlegungen zur Macht, zu An- und Abwesenheit, zu Psychoanalyse und Geschlecht standen Pate bei der Entwicklung entsprechender Antworten insbesondere im später so genannten Poststrukturalismus im Frankreich der 1960er Jahre. Im Seminar lesen wir gemeinsam grundlegende Texte von Barthes, Foucault, Derrida, Baudrillard und anderen - und verfolgen ihre Gedanken in die Medientheorie hinein.

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Reload: Musikclips

Bachelor Modul M3a
SE
Mo 18:30, 53/25

Das Musikvideo schien kaum medienhistorisch geadelt, aus dem Experimentalfilm ins Privatfernsehen gehoben, und kein Album wurde mehr ohne mindestens einen immer teurer produzierten Clip produziert - da schien das Genre wieder zu verschwinden. Als Kunstfilm, "Musik für das Auge", retteten sich die Clips eine Weile auf DVDs, um in den letzten Jahren ihren Platz im Fernsehen zu behaupten und in verschiedene Webdistributionsformate zu wandern. Das Seminar betrachtet die retrospektiv ernannten Vorgeschichten der Clips und ihre intermedialen und synästhetischen Programme und sucht nach Beispielen, die sich für eine medienreflexive Clipkritik eignen: Teilnahmebedingung sind 1-2 Clipbesprechungen.

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Ulrike Bergermann/Asta Gröting
nachträglich - vorgängig

Es sieht einfach aus: Kunst produziert, Wissenschaft schreibt darüber. So einfach kann es nicht gewesen sein - wer produziert und/oder performt, befindet sich nicht im luftleeren Raum, hat selbst gelesen und geschrieben, Filme gesehen und andere kulturelle Codes aufgesogen. Genauso ist das wissenschaftliche Sprechen und Schreiben als eine produktive Praxis zu betrachten, die ihrem "Gegenstand" nicht äußerlich bleibt. Sprache und Schrift sind nicht einfach 'nachträglich', sekundär, und kein Ereignis, kein Werk, keine Aktion wäre einfach 'vorgängig', ursprünglich. Theoretische Begriffe, die diese Frage behandeln, drehen sich um Begriffe wie "Performativität" oder "Spur"; künstlerische Produktionen wie die der Performance Art beschäftigen sich seit den 1970er Jahren mit der Rolle von Aufzeichnungsmedien in der Produktion des Werks; in der Medienwissenschaft kann beispielsweise die Herstellung von "Live" zeigen, wie das angeblich Sekundäre konstitutiv ist... Dem allen wollen wir gemeinsam nachgehen.
Studierende aus allen Studiengängen sollen in dieser gemeinsamen Übung schreiben: über die eigene Arbeit, über die Arbeit eines/einer anderen, als eigene Arbeit. Es werden sowohl künstlerische Arbeiten (Performance, Video) als auch textbasierte Arbeiten vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Für audiovisuelle Medien gilt insofern Ähnliches wie für die sprachlichen, als dass sie wie dem eigentlichen Inhalt 'nachträglich' erscheinen: Eine Videoaufzeichnung berichtet von der Performance, ein Soundmitschnitt bildet das Event nur ab. Aber inwiefern sind diese 'Medienereignisse' auch produktiv (von Anfang an Teil des Events, eigenes Produkt, der künstlerischen Praxis vorgängig...)? Auch diese Frage wird durch eigene kleine Produktionen/Mitschnitte der TeiilnehmerInnen bearbeitet und besprochen.
Dazu sehen wir uns gemeinsam an, wie sich andere WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen mit diesen Fragen beschäftigt haben. Wir SPRECHEN über die Rolle von Sprache, wir LESEN zusammen theoretische Texte (Philip Auslander u.a.), und wir BETRACHTEN Material. Beispielsweise ist Tino Sehgals Arbeit mit dem Publikum, mit "Interpreten", aber auch seine radikale Ablehnung des Dokumentierens hier exemplarisch; welche Rolle spielt das 'Aufzeichnen', spielen Kamera und Internet für Francis Alÿs, für The Bakery oder Forced Entertainment, Waled Raad/The Atlas Group?; das Format der Lecture Performance inszeniert die Frage von Vorschrift und Aufführung auf eigene Art; "Medien" im engeren Sinne (Fernsehen, Presse, Internet) spielt eine zentrale Rolle für die Aktionen der Polit/Kunst/Aktivisten The Yes Men: Wie können sie sich das Wissen um die zeitlich nachgeordnete, die Abbildungsfunktion dieser Medien zunutze machen? Und schließlich HÖREN wir und diskutieren mit Gästen: Am 22.11.11 stellt Birgit Hein ihre Arbeit mit dem Expanded Cinema vor und damit in die grundlegende Produktivität der Medien in dieser Kunstform: Wie macht die Projektion den Raum? Am 6.2.12 erläutert Theaterformen-Festivalleiterin Anja Dierks im Gespräch mit Sylvia Franzmann, wie die Videoaufzeichnungen von Theater- und Performanceaufführungen Eingang in die Festivalarbeit, das Kuratieren, aber auch das Präsentieren des Festivals auf der Webseite finden.

Di 15.00-18.15, zweiwöchentlich/vierstündig, Beginn zweite Semesterwoche
Termine: 1.11., 8.11., 22.11., 6.12.2011, 10.1.2012, 24.1.2012, 7.2.2012
Raum: Klasse Asta Gröting), Ausnahme: Expanded Cinema - Vortrag von Birgit Hein am 22.11.11 in der Filmklasse
für BA-Studierende: Übung (M3b)

Hinweisen möchten wir außerdem auf das Projektmodul von Matthias Anton ("fort/da"), das speziell die Medien auf der Bühne untersuchen wird.

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Sommersemester 2011

Gender in Progress
Di 9.45-13 h, vierzehntägig, Beginn zweite Semesterwoche
M4, Raum 53/25

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Geschlecht ist irgendwie konstruiert, und die Medien spielen sicher eine Rolle darin... aber nochmal genau: Sind nur *Bilder* vom Geschlecht konstruiert, kann man Stereotypen also einfach aufklären, oder wie soll man das denken, Geschlecht 'selbst' sei immer schon konstruiert? Das Seminar will den radikaleren konstruktiven Ansatz verfolgen, auf die Probe stellen und in zwei Punkten weiterentwickeln:
Erstens. Wenn Geschlechter und Medien gemeinsam haben, dass sie sinnvollerweise nur als solche im Werden angesprochen werden können, wenn *content* genausowenig Schicksal ist wie *sex*, dann ist zu fragen: Was, zweitens, geschieht mit dieser analogen Situation, wenn es nicht mehr um Zwei, Männlichkeit und Weiblichkeit, um Vorher und Nachher, um Inhalt und Form, geht, sondern um Transgression?
Im Seminar werden wir diese Frage am Schwerpunkt Transsexualität verfolgen. Zur Debatte steht dabei vielfältiges Material von naturwissenschaftlichen Dokumentationen über Spielfilme bis zu neueren Inszenierungsformen.
Eine Mini-Klausur zu Grundbegriffen der Gender Studies in der zweiten Sitzung ist Teilnahmepflicht - da das Seminar vierzehntägig stattfindet, können NachzüglerInnen nur in Ausnahmefällen nach individueller Absprache noch einsteigen.

Standpunkte. Weltkonstruktionen im Auge
Oberseminar, zusammen mit Prof. Dr. Victoria von Flemming
Do 9.00-11.30 h, Raum 01/304

Das Wissen von der Welt geht durchs Auge. Standpunkte, point of views, bestimmen von Anfang an, wie wir wahrnehmen – und sie sind Indikatoren dessen, was man Subjektivität nennt. Seit Erfindung der Zentralperspektive hat sich die Sicht auf die Welt immer wieder verändert, und die Erfindung von Projektionsverfahren zur Herstellung von Karten oder Panoramen, von Fotografie und Film bis hin zu Google Earth zeigt, dass wir Teil einer Geschichte sind, die sich als eine Modernisierung im Sinne einer Mechanisierung des Sehens fassen ließe. Was bedeutet das aber für die mit der Geschichte der Wahrnehmung verknüpften Entwürfe des Subjekts - inmitten einer Ubiquität von Kameras und screens? Gibt es eine Auflösung der Bindung von Blick und Ich, die statt der Rede vom Ich von einem imaginären Wir zu reden verlangt?
In diesem für Kunst- und MedienwissenschaftlerInnen konzipierten, interdisziplinären Seminar sollen relevante Etappen der Standpunktveränderungen zwischen Zentral- und Multiperspektivität dargestellt und unter Berücksichtigung der einschlägigen Forschungsliteratur diskutiert werden.

Standpunkte - die Übung
Eine Übung zum Seminar wird in Form eines Workshops mit Vorträgen u.a. von Gertrud Koch, Petra Löffler, Tanja Michalsky, Stefanie Diekmann, Peter Bexte am 30.6. und 1.7.2011 angeboten. Das Programm im PDF finden Sie hier. Weitere Informationen: m.neermann@hbk-bs.de

Affen. Eine mediale Zoologie

Master-Seminar, zusammen mit Prof. Dr. Rolf Nohr
Di 9.45-13 h, vierzehntägig, Beginn erste Semesterwoche

"Unsere nächsten Verwandten" fordern eine enorme Bildproduktion heraus. Evolutionäre Verbindungslinien oder die Formel vom Gegensatz zwischen Natur und Kultur werden an ihnen bearbeitet: Wilder King Kong versus weiße Frau - edler Tarzan zwischen Menschenaffen und Schrifterwerb - Werkzeuggebrauch als Missing link zwischen primitiven und technoiden Wesen... Was sagen uns Wissenschaftsgeschichte und Science Fiction über die Natur unseres Selbstbilds?
Ein begleitender Besuch von Seminar und Übung zum "Dinosaurier" (Hanke) wird empfohlen.
 

Wintersemester 2010/2011:

Anfassen - Haptische Medien
M3, Di. 15 h, 53/25
Sich nahe sein, verbunden sein, Eindrücke sammeln, Abdrücke hinterlassen, etwas begreifen und an den Grenzen durchlässig werden: Eigentlich sind unsere taktilen Sinne zu vielen medialen Anschlüssen und Übersetzungen geeignet. Dass die Haptik gegenüber Optik und der Akustik in der Philosophie- und Ästhetikgeschichte des Abendlands stets eine untergeordnete Rolle spielte, steht im Gegensatz zur Aufwertung der taktilen Sinne vor allem im Zusammenhang mit den elektronischen Medien. Das Seminar verfolgt die ästhetischen Theorien in ihren Sinneshierarchien über Figuren des Eintauchens, der Taste, des "körperlichen Sehens" bis hin zu Lügendetektoren und neuen haptischen Interfaces.

Das Neue und die Kunst des Forschens. Wissenschaft, Kunst, Medien
Master, Mo. 16.45 h, 53/25
Ab wann war das Telefon neu? Wie lange brauchte das Internet, um neu zu sein? Ist nicht jedes Medium der Inhalt eines anderen (McLuhan)? Der Begriff des Neuen scheint durch Werbung inflationär ausgehöhlt, durch Sampling, Intermedialität oder Remediation irrelevant oder kulturindustriell zur ewigen Wiederholung verdammt. Und dennoch gibt es sogar in einer Zeit der rasenden Innovationen den Eindruck von Neuem, so wie sich in wissenschaftlichen Laboren unerwartete Erkenntnisse einstellen, in künstlerischen Praktiken Unplanbares entsteht, Technologien sich unkalkulierbar entwickeln. Wir verfolgen die Idee, etwas sei neu, in diesen drei Bereichen: Über Wissenschaftsgeschichte und "Bricolage", den Geniebegriff und das Improvisieren bis hin zu 'neuen Medien' - und was sie dazu macht.

Globale Bildpolitiken: Zur Sichtbarkeit des Anderen
zusammen mit Kathrin Peters
M3, Blockseminar, erste Sitzung: 30.11.2010, 12 h, Fr/Sa., 21./22.1.2011, und Fr./Sa., 4./5.2.2011, 53/25
Europa hat auf den Globus aus einer Perspektive geblickt, die auch die postkoloniale Zeit noch bestimmt. Im Seminar wird nach den verschiedenen westlichen Bildern der Globalität und ihrer Anderen gefragt: von den Kolonialmuseen und Archiven des späten 19. Jahrhunderts über die Bildpolitik zur Migration bis zu künstlerischen Projekten, die sich mit der Kolonialgeschichte beschäftigen. Historisch und medial verschiedene Visualisierungsstrategien des Eigenen und des Fremden lassen sich mit Judith Butlers und Tom Holerts Texten zu Sichtbarkeit/Nicht-Sichtbarkeit des Krieges verfolgen: Welche Rolle spielt Visualität im "Denken des Anderen"? Wie strukturieren räumliche Figuren von "Gegenüber", Übertragung, Begrenztsein, flächiger Vernetzung usw. sowohl Medientheorie als auch die Konzeption des globalen Anderen? Wie kann man sich das vorstellen: Aliens R Us?


Sommersemester 2010

Die Farbe Weiß. Postkoloniale Theorie und Medienwissenschaft
Sem., MA, do. 13.15 h, Raum 53/05

Ist Weiß eine Farbe, oder ist weiß die Abwesenheit von Farbe, ihr Nullpunkt, ein unsichtbarer Maßstab, von dem aus die Matrix der Farben erst definiert wird? Kulturhistorisch assoziiert mit Weisheit, Reinheit und einer 'Nähe zum Licht', ist weiß ebenso eine politische Farbe. Richard Dyer rekonstruierte die technischen und inszenatorischen Bedingung für die Darstellungen möglichst weißer Menschen im Film, und die Critical Whiteness Studies arbeiten daran, die Konstruiertheit der weißen Norm sichtbar zu machen. Im Seminar wird es sowohl um die "Privilegierung von Unsichtbarkeit" als Pendant und Bedingung zur Diskriminierung Schwarzer Menschen gehen gehen als auch um Konzepte aus den Postcolonial Studies, um den Black Atlantic oder um Hybridität.
Bestandteil des Seminars ist ein Workshop am Donnerstag, den 10.6.2010, HBK (Raum 1/304):

 

Workshop am Donnerstag, den 10.6.2010, HBK, Johannes-Selenka-Platz 1, Raum 01/304

Farbige Bilderpolitik.
Workshop zur post/kolonialen Bildproduktion

"Farbig" ist bunt, vielfältig, aber auch ein ambivalentes Wort: Farbig sei, wer nicht weiß und nicht schwarz ist, ordnete die koloniale Rassenlogik an. Vermischungen wären dann unsauber oder bestenfalls in eine neue Kategorie zu packen, damit die Kategorien erhalten bleiben. Diesen kolonialen Mustern will sich der Workshop in verschiedenen Medien widmen:
Beim "Cake walk", einem Modetanz um 1900, tanzten die Weißen die Bewegungen nach, die Schwarze als Parodie der Bewegungen ihrer weißen Herren entwickelt hatten - oder wie verläuft die Geschichte von Aneignung und Zitat (Astrid Kusser)? Im ersten Tonfilm "The Jazz Singer" von 1927, berühmt für seine Gesangsnummern, verdanken sich diese nicht nur der neuen Tontechnik, sondern auch der Geschichte des Blackface (Lisa Gotto). Eine weitere auch mediale Wanderung zeichnet schließlich die Geschichte der sogenannten "Hottentotten-Venus" nach, deren Zuschaustellung durch europäische Jahrmärkte, Medizinalstuben und Museen ab 1810 bis ins Jahr 2002 reicht (Kerstin Brandes).
In wessen Hand die jeweiligen Bilder produziert wurden, wie sie hegemoniale oder subalterne Blicke zeigen, wird an Beispielen des frühen 20. und des frühen 21. Jahrhunderts diskutiert. Im Rahmen des Seminars "Die Farbe Weiß. Postkoloniale Theorie und Medienwissenschaft" versammelt dieser Workshop verschiedene Perspektiven auf den Umgang mit postkolonaler Bildergeschichte bzw. Gegenwärtigkeit. Einleitend geht es um das Braunschweiger Kolonialdenkmal und damit auch um Spuren einer oft vergessenen Kolonialgeschichte zu Hause (Nina Arndt).

15.15 h Prof. Dr. Ulrike Bergermann: Begrüßung
15.30 h Nina Arndt (HBK): Das Braunschweiger Kolonialdenkmal
Moderation: Dr. Kathrin Peters (HBK)

16.00 h Astrid Kusser (Universität zu Köln): Der Cake Walk - koloniales Tanzen zwischen Herrschaft und Aneignung
Moderation Prof. Dr. Rolf F. Nohr (HBK)

17.00 h Gastprofessorin Dr. Lisa Gotto (Internationale Filmschule Köln): Grenzwertig: "The Jazz Singer". Schwarz und weiß im ersten Tonfilm 1927
Moderation Dr. Ilka Becker, IKW

18.00 h Dr. Kerstin Brandes (Universität Oldenburg): Die "Hottentotten-Venus" - Aneignungsstrategien und migrierende Bilder
Moderation Dr. Alma-Elisa Kittner, IKW

Die Veranstaltung wird unterstützt von der Forschungskommission der HBK und dem Braunschweiger Zentrum für Gender Studies

 

 

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Klima und Katastrophe
zusammen mit Ilka Becker (IKW)
Seminar, M4, di 16.45 h, Raum 1/304

Klima und Katastrophe bilden eine Alliteration, die in den letzten Jahren häufig geworden ist: das eine gehört zum anderen. Künstlerische Ansätze und mediale Umsetzungen reflektieren und kommentieren das Tableau von Bedrohungsszenarien, Wissenschaftskritik und politischen Globalversuchen bis zu Migrationsbewegungen und individuellen Überlebensstrategien. Welche Visualisierungsmodi, Rhetoriken und Bildpolitiken bilden sich in diesem Prozess heraus? Wie adressieren die als minoritär erachteten Diskurse die hegemonialen Positionen von Big science bis Big government?

Zwei öffentliche Gastvorträge sind Teil des Seminars:
Tobias Conradi (Universität Paderborn), "Treibstoff der Wirbelstürme" – Katastrophen-Diskurse am Beispiel des "Hurrikans Katrina" (1.6.2010) und
Florian Wüst (Kurator, Berlin): Fürchten und Hoffen. Filmische Inszenierungen des Klimawandels (15.6.2010)

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Adopt-a-car: Die Autostadt Wolfsburg. Event - Objekt - Location
mit Kathrin Wildner (Stadtethnologie, Viadrina-Universität Frankfurt/Oder)
Übung, M2, Blockseminar/Exkursion

Die "Autostadt" ist ein doppelter Name: Eigentlich ist Wolfsburg eine Autostadt, insofern sie eigens für die Produktion der "Volkswagen" aufgebaut wurde; gleichzeitig bezeichnet "Autostadt" ein Gelände, auf dem man Eintritt dafür bezahlt, Markeninszenierungen zu betrachten. Hier überlagern sich Konsum und Unterhaltung auf ungewohnte Weise. In einem Pavillon kann man seinen Neuwagen persönlich abholen, eine Dauerausstellung zeigt die Geschichte des Autos, Wechselausstellungen z.B. zur ökologischen Nachhaltigkeit ("Level Green") oder eine Fahrschule für Kinder ("MobiVersum") schaffen Akzeptanz für eine autozentriere Verkehrspolitik, und die Markenpavillons versprechen Erlebniswelten, in denen die "Philosophie" der einzelnen Automarken aufwendig in Szene gesetzt wird. Im zehnten Jubiläumsjahr ist jetzt weniger von der Geschichte der Autostadt Wolfsburg die Rede, die von ihrer Gründung 1938 bis 1945 "Stadt des Kraft-durch-Freude-Wagens" hieß (der KdF-Wagen war der Käfer). Heute steht der Name "Autostadt" vielmehr für eine "Kommunikationsplattform" des VW-Konzerns. Diese will das Seminar in drei Schritten erkunden.
Nach einer verpflichtenden organisatorischen Vorbesprechung und thematischen Einführung geht es in einer zweiten Sitzung um die Themen Branding, Erlebniswelten und die Selbstdarstellung der Autostadt. Kathrin Wildner von der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder wird uns in die Methoden der Stadtethnologie und der Raumerkundung einführen. Der erste Besuch der Autostadt dient dieser Erkundung von Gelände und Pavillions und ihrer Auswahl: Beim zweiten Besuch referieren Sie über eine Markeninszenierung, ein Geländemerkmal, das crowd management oder das Design eines Pavillons: Adopt-a-car!

Termine: Einführung: do., 15.4.2010, 16.00-17.00, Raum 53/05
Branding und Raumerkundung: do., 29.4.2010, 15.30- 18.30 h, Raum t.b.a.
Erste Exkursion: fr., 28.5.2010, ganztägig
Zweite Exkursion: fr., 18.6.2010, ganztägig

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Seminare im WS 2009/2010

Seminar (M3)
Kulturgeschichte der Verwandtschaft

Mit jemandem verwandt zu sein, erscheint uns als das Natürlichste von der Welt. Doch das heutige Modell der kleinfamilialen Reproduktion, das mit "Verwandtschaft" assoziiert wird, unterliegt großen historischen Wandlungen. In verschiedenen Zeiten, Religionen, naturwissenschaftlichem Wissenformen und Machtstukturen gab es verschiedene Formen des Zusammenlebens und des sich zugehörig Fühlens. Bilder von der Abstammung, Bilder der Ähnlichkeit oder auch nur - der Wortbedeutung von "verwandt" bis ins 17. Jahrhundert folgend - des sich nahe Fühlens, einer konstatierten Ähnlichkeitsbeziehung im Gemüt, demonstrieren die kulturelle Konstruktion und Langlebigkeit des Begriffs. Das Seminar verfolgt diese von der Ikone der Heiligen Familie und ihren Folgen, der Erfindung der Kindheit, Öffentlichkeit und Privatheit, anthropologischen und Evolutionstheorien über Konzepte von "Generationen", "Rassen", "Biomacht" und Reproduktionstechnologien bis zum neuen "belonging".

Seminar (M1)
Bilder des Computers 1940-1980

Thema des Seminars sind die Imaginationen der Gebrauchsmöglichkeiten "des Computers". Was ein Computer ist, addiert sich nicht nur in der Technikgeschichte aus einer Vielzahl von Geräten, sondern entsteht auch im kulturellen, kollektiven Bild dessen, was eine große Rechenmaschine tun und bewirken kann. Obwohl man schon in der Antike von Rechenmaschinen sprechen kann und das Wort "computer" aus dem lateinischen computare (berechnen) für mittelalterliche Astronomen überliefert ist, beginnt "der Computer" als englische Bezeichnung für große nichtmenschliche Rechner erst in den 1940er Jahren eine spezielle Geschichte - von Räumen voller Bauteilen bis zu den Desktops der 1980er Jahre: Teile einer Archäologie der Bilder von künstlicher Intelligenz. Führen diese Geräte ein Eigenleben? Kann man menschliche Existenz nachbauen und dann sich selbst überlassen? Spiegelt sich darin eine menschliche Mechanizität, die vorher nicht in den Blick kam? Können die Intelligenzen verschmelzen oder treten sie in Konkurrenz? Wir starten mit Texten von Wiener, Turing und von Neumann um 1940 und verfolgen dann angloamerikanische Bilder von Wahrnehmungserweiterungen, Kontrollphantasien, kybernetischen Organismen und neuen Handlungsoptionen bis hin zu den Immersionsbildern des beginnenden Miniaturisierungs- und Internetzeitalters.

Übung (M1)
Adopt-a-book 2: Medienphilosophie

Sind unsere Begriffe von der Welt nur wie Schatten der Dinge? Ist virtuell das Gegenteil von real? Gibt es ein richtiges Leben im falschen? In dieser Übung geht es darum, die wichtigsten Positionen aus dem Bereich der Medienphilosophie kennenzulernen: Durch Ihre Vermittlung! Es gilt also: Adopt-a-philosopher.

Ihre Aufgabe ist es, anhand von Überblickstexten und gezielten Ausschnitten aus Primärtexten Ihres gewählten Autoren in die grundlegenden Thesen und Fragen der einzelnen Autoren einzuführen: Erstens durch einen 3-4seitigen Input, der Ihre Lektüre und die Erkenntnisse daraus nachvollziehbar macht, und zweitens durch die Auswahl geeigneter Passagen und Thesen für eine gemeinsame, von Ihnen vorbereitete Lektüre und Diskussion.
Alle Texte werden auf Stud-IP zum Download angeboten - sowohl die Hintergrundtexte für die ReferentInnen (und alle Interessierte) als auch diejenigen Passagen, die einer gemeinsamen Lektüre unterzogen werden.
Zur Entspannung sehen wir zwischendurch Filmportraits einzelner Autoren.


Masterseminar, zusammen mit Heike Klippel
Zeit

Im Seminar werden Basis-Texte zum Begriff der Zeit gelesen, und das sind ebenso theoretische Texte wie solche, die die Zeitlichkeit einzelner Medien untersuchen - und damit die Verschränkung von Medien und Theorie. Denn die Zeit ist ein grundlegendes Prinzip, dem die materielle Welt unterworfen ist. Zeit kann gefühlt und gemessen werden, d.h. sie ist eine subjektive Wahrnehmung und eine objektive Gegebenheit. Zeit kann strukturiert und rhythmisiert werden, sie ist begrenzt, aber wer zuviel Zeit hat, langweilt sich. Zeitlichkeit ist wichtig für Vergänglichkeit, Wiederholung und für das Neue, Zukünftige - und all das denken wir durch Medien... Voraussetzung für die Seminarteilnahme ist die Bereitschaft, Bezüge zwischen Theorie und Praxis, zwischen Texten und Medienbeispielen zu entwickeln.

Master, Übung
Zeit

Die Übung zur ZEIT wird besonders die Visualisierungsstrategien im Bewegtbild analysieren: Welche Strategien sollen zu bestimmten Zeiterfahrungen führen, welche Codes signalisieren "Echtzeit", Zeit als Bedingung für Wahrnehmung, Geschichte oder Ereignis - oder auch: für Zeitschleifen? Gibt es einen performativen Umgang mit zeitbasierter Narration, mit Zeit als dem Grundraster von Produktions- und Rezeptionsbedingungen, der Matrix von Handlungsabläufen oder ihrem Gegenteil, der technologischen Sektion von Prozessen, der Visualisierung von Unsichtbarem, "Optisch-Unbewusstem", dem historischen Charakter des scheinbar Überhistorischen, der erkenntniskritischen Funktionen von Zeitschleifen, dem Sinn der Ästhetik von Langeweile, dem Gewinn von Tempo und Hektik, dem Zweifel an der Chronologie...?

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SoSe 2009

Datenkrake? Archivtheorien und Google
Basismodul Analyse, Di 11.30 h

Das ganze Internet herunterladen, das Wissen der Welt speichern: Das waren frühe Ziele von Google. Die Suchmaschine Google ist für viele, in Deutschland für über 80% der Benutzer, zur ersten Anlaufstation für Webseiten geworden. Damit wäre Google der Gatekeeper des Internet: Nur die Webseiten, die indiziert, gerankt und 'gespeichert' wurden, erscheinen als Ergebnisse der Google-Suche, und nur diejenigen, die unter den ersten 10-30 Treffern landen, werden auch wirklich aufgerufen. Der Zugang zum "Wissen der Welt", insofern es online zu finden ist, wird von Googles Algorithmen verwaltet. Das hat Konsequenzen für unsere kulturhistorische Tradition der Verwaltung von Wissen. Verkörpert sich hier Foucaults Definition vom Archiv als dem "Spiel der Regeln, die in einer Kultur das Auftreten und das Verschwinden von Aussagen, ihr kurzes Überdauern und ihre Auslöschung, ihre paradoxe Existenz als Ereignisse und als Dinge bestimmen"?
Im Seminar beschäftigen uns mit den entsprechenden Theorien und Mediengeschichten: Theorien von Gedächtnis und Archiv, Logiken von Bibliotheken und Enzyklopädien, oder mit dem Projekt der "Universalbibliothek", aber auch mit der Frage nach Überwachung und Kontrolle. Die zahlreichen Google-Dienste neben der Suchfunktion sammlen riesige Datenmengen, deren mögliche Verknüpfung die Frage nach der Geschichte des Sammelns und Speicherns radikal umkrempeln können.
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Handicap. Zur Mediengeschichte der Behinderung
Modul: Basis Medientheorie, Di 16.45 h

Es gibt eine klassische Hierarchie der Sinne – und wem einer fehlt, der kann der Weisheit oder dem Wort Gottes nicht so nahe kommen wie die, die sehen, hören, fühlen usw. können. Es gibt eine körperliche Normalität, die einem Normalismus engstens verwandt ist. Behinderungen machen diese Grenzen, Hierarchien und Normen deutlich. Das Seminar verfolgt sie in der Geschichte ihrer Ausgrenzung, aber auch ihrer Produktivität: Die Schreibmaschine wurde als Hilfe für Blinde erfunden, die Politiken gegen die "Taubheit" brachten Sprechmaschinen hervor, Gebärdensprache soll dem ursprünglichsten Ausdruck des Menschen am nächsten sein... Inszenierungsstrategien für körperliche Behinderungen in Film und Fotografie sind ebenso Thema des Seminars wie Grundlagentexte aus Ästhetik und Mediengeschichte - sowie ein Ausblick auf aktuelle Disability Studies und neue Bilderpolitiken.
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WeltBilder – Medien und Globalisierung
Modul: Aufbau Medientheorie , Mi 13.15 h

Kann man die Erde sehen? Ist Globalisierung unsichtbar? Und: Wie bestimmten Medien das Bild der Welt? In dieser Übung geht es darum, verschiedene Bildgenres und Visualisierungstechniken auf ihre Modi der Abbildung der Erde, der Darstellung des Planeten oder der Inszenierung von Globalisierung hin zu prüfen.
Vor dem Hintergrund von Texten über weltumspannende Medien, die Vermessung des Raums und die Geschichte verschiedener Telemedien betrachten wir exemplarische Bildfelder:
1. Eroberungsreisen (koloniale Erkundungen, Kartografie; Raumfahrtabenteuer; Begegnung mit dem anderen und der Blick zurück auf das Eigene); 2. Konstruktionen von Ganzheit (das Foto des Blauen Planeten; die Erfindung Europas; das Genre Infografik; das Genre Weltausstellung),
3. Darstellung globaler Klimakatastrophen (wissenschaftliche Bilder; Simulationstechniken; Al Gore...).
Im jeweiligen Zusammenspiel von Medientechniken und kulturellem Imaginären entsteht das Wissen von der ganzen Welt.
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Adopt-a-book: Gender und Medien
Übung, Blockseminar

Rezensionen halten eine community am Leben und kommunizieren Entwicklungen in der Rezeption. Das Verfassen und Zirkulieren von Buchbesprechungen - von wissenschaftspolitisch motivierten Verrissen bis zur Werbung - ist nicht nur für die Weiterentwicklung von Forschungsrichtungen sehr wichtig. Vielmehr sind das poiniterte Herausarbeiten von Argumentationssträngen, das Einordnen in plausible Kontexte und das nachvollziehbare Kommentieren Fertigkeiten, die für das wissenschaftliche Arbeiten insgesamt qualifizieren.
Zunächst werden wir exemplarische Rezensionsessays gemeinsam analysieren - und dann Ihre Rezensionen! Denn "Adopt-a-book" heißt: Sie sind für ein Buch zuständig, für das Verfassen einer Rezension dieses Buchs, Sie präsentieren es dem Seminar vor dem Hintergrund vorher diskutierter Kriterien. Außerdem machen wir uns mit den Orten und Organen bekannt, an denen medienwissenschaftlich relevante Rezensionen erscheinen.
Am Beispiel von Neuerscheinungen im Bereich der Gender Studies bringen wir uns zudem auf den aktuellen Stand dieser Forschung.
Diese Übung ist die erste einer Reihe, in der es weniger um den Erwerb überblicksartiger Kenntnisse oder das Einarbeiten in ein medienwissenschaftliches Forschungsfeld geht, sondern um konzentrierte, kleinformatige Lektüren oder Textproduktionen.
1.Termin: 16.4.09, 12.30 h, Raum 05, Blockseminare voraussichtl.19./20. und 25./26.6.09.

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