Zur Navigation - Metanavigation überspringen |
Zum Inhalt - Navigation überspringen |
Zur Marginalspalte - Inhalt überspringen |

Lehre

Sommersemester 2018

Alte Medien. Stimme, Schrift, Gutenberg-Galaxien
BA, Mo 15.00-16.30, 01/312

Neue Medien sind vernetzt, digital, von vorneherein intermedial. Aber sie beerben die Logiken der Einzelmedien, und nicht nur die der analogen Techniken, sondern noch ältere und vielleicht grundlegendere. Alte Ideen zur Bedeutung von Mündlichkeit oder von Schriftlichkeit, die Imaginationsräume von Geistern oder vom Geist der Stimme, Primitivität oder Abstraktion im Klang, Codierung und Universalität von Schrift haben ihre Spuren in 'Multimedia' hinterlassen. Stand die Druckerpresse einer Demokratisierung von Bildung Pate? Verbinden Diagrammatik und Comic die Linien von Schrift und Bild zu etwas Neuem? Wird Schrift in Maschinen operational, zum Code?
Mit einem Besuch in der Typografie-Klasse der HBK bei Ulrike Stoltz am 25.6.2018.

 

Medienphilosophie
MA, Di 11.30-13.00, 01/312

Eine Philosophie der Medien geht davon aus, dass alles Wissen von der Welt, dass die Möglichkeitsbedingungen von Erkenntnis nie ohne ihre medialen Bedingungen zu betrachten sind. Sind unsere Begriffe von der Welt nur wie Schatten der Dinge? Ist virtuell das Gegenteil von real? Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Höhlen, das Sublime, Rhizome, Spuren und singulär Plurales sind zentrale Stichworte. Anhand von Überblickstexten und gezielten Ausschnitten aus Primärtexten führt die Veranstaltung in die grundlegenden Thesen und Fragen der Medienphilosophie ein. Filmportraits einzelner Philosoph_innen werfen die Frage nach der Darstellbarkeit ihrer Gedanken auf.

 

Musikclips
BA, Di 16.45-18.15, 01/312

Der Musikclip ist ein oft totgesagtes Genre: Als Überfrachtung der akustischen Kunst und Kommerzvehikel kritisiert, im "Musikfernsehen" gefeiert und umkämpft, medienhistorisch in den Absoluten Film, den Musicalfilm oder in Synästhesiekonzepte eingereiht, überlebte er den Jahrtausendwechsel und den Niedergang von MTV und Co. auf zwei neuen Plattformen: im Museum und auf YouTube. Der Musikclip - narrativ, als Auftrittsdokumentation oder in freier Form - kam, um zu bleiben, und damit stellt sich die Frage nach der Clipkritik. Das Seminar behandelt zunächst die historischen Bezüge der Clipgeschichte, Intermedialität und Plattformenwechsel sowie die "Popkritik", um dann einer Reihe von eigenen Clipkritiken Raum zu geben.
Mit einem Gastvortrag von Peter Rehberg zu Inszenierungsstrategien beim Eurovision Song Contest am 26.6.2018.

 

The Art of Appropriation
MA, Mi 13.15-14.45, 01/312 (inkl. Symposium "To Revolutionary Type Love", 13.-15.6.2018)
Termine: 4.4.2018, 11.4., 25.4., 16.5., 23.5., 30.5., 6.6.
Ausstellungseröffnung: Mi., 13.6.2018, 18 h, Symposium: Do. 14.6.2018 ganztägig, Fr. 15.6.2018, 10-12h; 4.7.2018.

Das Thema der "kulturellen Aneignung" wird zur Zeit viel diskutiert, vor allem dort, wo es um die Aneignung durch eine hegemoniale, oft kommerzielle Kultur geht: Ist es legitim, wenn eine große Modekette das Muster einer kanadisch-indigenen Kleidung verwendet? Ignoriert Heidi Klums "Indianerkopfschmuck" die Unterdrückungsgeschichte der Native Americans? In der Kunst der 1980er Jahre stand "Appropriation art" für eine Bewegung in der Gegenrichtung, als Künstlerinnen wie Sherry Levine oder Elaine Sturtevant die Bilder und Gesten ihrer männlichen Kollegen in kritischer Absicht kopierten. Aber handelt es sich überhaupt um Kopien? Welche Strategien des Zitats, der Übernahme, einer vielleicht ironischen Piraterie lassen sich beobachten? Diese Fragen sind verwoben mit solchen der Medienwissenschaft (Urheberrecht, Intermedialität, Zirkulation von und in Medien), der Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft (Autorschaft und Konzepte von Genialität und Kreativität), weiteren kultur- und gesellschaftspolitischen Fragen (Repräsentation von Minderheiten, Bilder der Selbstbehauptung). Das Symposium und die Ausstellung "To Revolutionary Type Love - appropriation and other practices" konkretisieren diese Diskussionen und Forschungen mit einem Fokus auf die Darstellungen von race und gender. Teil des Seminars ist der gemeinsame Besuch von Ausstellung und Symposium.
(Seminar in deutscher Sprache, Symposium in englischer Sprache. Gäste: Kawira Mwirichia, Malcolm Muga, Awour Onyango (Nairobi); Johannes Ismaiel-Wendt, Malte Pelleter, Henriette Gunkel, Nadine Siegert, Nana Adusei-Poku, Stacie Graham, mahlOt Sansosa, Maureen Maisha Auma, Samanea Karrfalt u.a.

 

Veranstaltungsorganisation: How to manage HBK and guests
Mitarbeit bei der Planung und Durchführung der Veranstaltung "To Revolutionary Type Love" (Ausstellung und Workshop, Juni 2018)
BA (Übung), Mi 15.00-16.30, Raum t.b.a., die folgenden Daten sind verbindlich, die mit * markierten nur nach Bedarf: 4.4.18, 11.4.18, 18.4.18, 25.4.18, sowie die Veranstaltungstage 13. und 14.6.2018; bei Bedarf ggf. kürzere Treffen am *2.5. und *16.5. sowie zum Abbau der Ausstellung am *22.6.2018.

 

Kolloquium - Wege zur BA-/MA-Arbeit
BA/MA, Mi 9.45-11.15, Raum t.b.a.

Die Termine im Sommersemester (Achtung, nicht alle 14 Tage - mit einer Lücke in der zweiten Hälfte):
4.4.2018, 18.4., 2.5., 16.5., 30.5.2018; 20.6., 4.7.2018.
Im Kolloquium werden diejenigen Abschlussarbeiten präsentiert und diskutiert, die im Sommersemester geschrieben oder begonnen werden.

 

Wintersemester 2017/18

– Forschungssemester –

 

Sommersemester 2017

Was war privat?
BA Vertiefung, Seminar, Di 15.00 h

Die Privatheit hat eine Geschichte. Das ist erstaunlich, denn sie scheint zu jedem und jeder dazuzugehören wie die Individualität oder die Innerlichkeit. Aber wie schon Buchtitel wie "Die Geschichte der Zivilisation", "Öffentlichkeit und Erfahrung" oder "Warum Liebe wehtut" andeuten, ist Privatheit keineswegs natürlich. Sie steht in einem Gefüge mit den Formen von Öffentlichkeit und ihren Medien der jeweiligen Zeit. Der Romantik galten der Brief und das Tagebuch als Medien der (vielleicht geteilten) Privatheit; die Kritik am "Privatfernsehen" nicht nur des 20. Jahrhunderts sieht das Intimleben der kleinen Leute schamlos ausgebreitet; Selfies können aus allen Lebenslagen sofort das Private auf Sozialen Medien teilen. Der aktuelle Begriff der "privacy", der als schützenswerter in der Debatte um Überwachung und Kontrolle auftaucht, knüpft an diese Geschichte an - mit neuen Ökonomien des Privaten. Von "Privatsphäre" konnte man schon immer nur da sprechen, wo sie nicht mehr ganz privat war. Verschwindet sie jetzt?
Mit einem Vortrag von Nadine Dannenberg zu Vlogs am 13.6.2017.

Teil des Seminars ist der gemeinsame Besuch des Workshops "Privacy by design – Überwachung, Selbst, Kontrolle" am 22./23.6.2017 im Haus der Wissenschaften.

 

Reenactment
MA, Theorie und Geschichte, Übung, Di 9.45-13.00 h, Termine: 18.4., 9.5. mit Vortragsgast, Exkursionstage 18.-20.5.2017, 30.5.2017

Das Reenactment ist ein merkwürdiges Genre. Filmische und/oder theatrale "Wiederaufführungen" von historischen Ereignissen oder imaginierten Zeiten gewinnen eine besondere Realitätsmächtigkeit. Trotz ihrer Inszeniertheit werden Sprechakte und Spielhandlungen für die Beteiligten wirksam und verändern die Gegenwart. Es kann darin um Aneignung fremder Kulturen, Wiederaneignung der eigenen verdrängten Geschichte, Wunschwelten, Traumabewältigung, oder auch um aktuelle Verhandlungen gehen, zum Beispiel in inszenierten Gerichtsverhandlungen, in denen reale Beteiligte 'auftreten', die zwar keine juristische Wirksamkeit haben, aber dennoch subjektiv wie für die Öffentlichkeit hochgradig wirksam sind. Im Mai geht es beim "NSU-Tribunal" in Köln um die NSU-Morde in der Keupstraße; Teil der Übung ist eine mehrtägige Exkursion nach Köln (Ort: Schauspiel Köln). Was bedeutet das Genre der Reenactments für die medienwissenschaftlichen Kategorien von Theatralität, Authentizität und Performanz?
– Mit einem Gastvortrag von Caro Keller (NSU Watch): "Vier Jahre 'NSU Prozess' - politische Hintergründe und Ausblick", 9.5.17, 11 h.
Das Filmforum wird am 12.6.17 den Film "The Act of Killing" (R.: J. Oppenheimer 2012) zeigen.

 

Harun Farocki
MA, Seminar, Di 9.45-13.00 h, Termine: 4.4., 25.4., 2.5., 23.5., 6.6., 20.6., 4.7.2017

Harun Farockis Essayfilme bewegen sich zwischen Dokumentarismus, Lehrfilm, Agitprop, von Formaten des Kurzfilms, der Langzeitdokumentation, des Found footage bis zu Videoinstallationen in Kunstkontexten. Themen sind vielleicht Werbung, Sport, Gefängnisse, die deutsche Geschichte, Kaufhäuser, Handarbeit... aber in jedem Fall wird thematisiert, wie man sieht, wie man Bilder lesen kann, wie Ausschnitte und Bildregie das Bild machen. Gleichzeitig machen die Dokumentationen von Farocki selbst nicht viel. Sie zeigen in größter Ruhe, wie Banker ihre Anlagestrategien diskutieren, wie ein nacktes Model für den Playboy-Centerfold fotografiert wird oder die "Schöpfer der Einkaufswelten" die Architektur einer Shopping Mall planen. Farocki ist wichtig für die Filmphilosophie (für ein 'Denken in Bildern'), für die künstlerische Forschung, für die Filmdidaktik wie für den politischen Film. Das Seminar bündelt zentrale Motive seiner Arbeit.
Außerdem im Filmforum: Am 8.5.17 zwei Filme von Harun Farocki.

 

Kolloquium / Wege zur BA- und MA-Arbeit
BA/MA, Mi 9.45 h, Termine: 12.4., 10.5., 24.5., 7.6., 21.6., 5.7.2017

Im Kolloquium werden diejenigen Abschlussarbeiten präsentiert und diskutiert, die im Sommersemester geschrieben oder begonnen werden.

 

Graduiertenkolleg "Das fotografische Dispositiv"
Mi. nachmittags, zweiwöchentlich/vierstündig, dazu ein Workshop mit Ariella Azoulay, Andrea Seier und Ralf Adelmann am 6./7.7.2017. Keynote von Ariella Azoulay: "The Body Politic - Toward A Visual Declaration Of Human Rights", 6.7.2017, 18.00 h, Aula der HBK.

 

Wintersemster 2016/17

Raum
BA, Seminar Mo 16.45-18.15

Kann man den Raum sehen, ist er eine Bedingung der Wahrnehmung oder ein Objekt von Wahrnehmung und Bild? Medien brauchen, benutzen und konstruieren Raum und Räume. Die Perspektive als natürliche oder "symbolische Form", Erde oder Landschaft als Motive par excellence, die entfesselte Kamera, Überwachungstechniken und Drohnen, Panoptikon und Panorama, Immersion im VR-Film: Das Seminar folgt mediengeschichtlichen Stationen in Überkreuzung mit ihren medientheortischen Fassungen. Welche Tricks und Techniken, welche mediale Strategien korrespondieren verschiedenen Raumphilosophien?

 

Filmische Räume
BA, Übung Mo 19.00-20.30 Uhr

Der Film hat als zwei- und dreidimensionale Kunst ein besonders Verhältnis zum Raum, konstruiert Räume mit eigenen Mitteln, montiert, schneidet, durchfliegt, erfindet... Die Übung besteht im gemeinsamen Besuch der Reihe der Filmklasse und Nachbesprechungen des Programms der Vorwoche jeweils vor Beginn des Programms; Teilnahmebedingung ist zudem ein Text zu einem der präsentierten Filme/Filmprogramme.

 

Utopien
BA, Seminar Di 18.30-20.00

Andere Zeiten, andere Orte zu entwerfen, scheint eine prinzipiell mediale Angelegenheit zu sein. Nicht ohne Medien denkbar, in Medien vermittelt und oft genug darin verbleibend, sind die Entwürfe anderer Welten. Vor 500 Jahren entwarf Tomas Morus sein "Utopia", das Genre Science Fiction knüpft an ein Möglichkeitsdenken an. Vergangene Zukünfte wie alte Techno-Fiktionen machen lesbar, wie man Zukunft aus der Gegenwart oder vielleicht doch von woanders her zu denken versucht. Die "Frau im Mond", der Afrofuturismus, "cruising utopia" oder ganz ökonomisch geplante Smart Cities verhandeln Zeitkonzepte und Machbarkeiten. Das Entwerfen in die Zukunft ist eine Aufgabe des Transformation Designs – Teil des Seminars ist der gemeinsame Besuch des TD-Workshops "un/certain futures" (30.11.-2.12.16).

 

Koloniale Displays
MA, Seminar Di 11.30-14.45 Uhr

Wie man seine Schätze, seine Pläne, seine Entdeckungen aus den Kolonien in den kolonialen Metropolen präsentierte, betraf nicht nur wissenschaftliche oder staatliche Bühnen. Die Alltagskultur, die Werbegrafik, der Comic war ebenso durchzogen von kolonialen Topoi wie die anthropologische oder Reise-Fotografie, der dokumentarische oder der Spielfilm. Lebende koloniale Objekte gab es in Zoos oder Weltausstellungen zu sehen, Bildpostkarten popularisierten exotische Andere, der "Cake Walk" ging auf verschlungenen Wegen von Schwarzen Plantagen als Modetanz um die Welt... Das Seminar durchquert die Medien der Kolonialzeit und schließt mit aktuellen Adaptionen im Film, im Textil und mit einer Tagesexkursion (21.1.2017): Das Deutsche Historische Museum Berlin eröffnet eine neue Austellung zur deutschen Kolonialgeschichte - in Kooperation mit Flower Manase (National Museum of Tanzania; Co-Kuratorin im DHM) und Prof. Andreas Körber (Universität Hamburg) analysieren wir die aktuellen Ausstellungsparadigmen.

 

Wege zur BA- und MA-Arbeit
BA und MA, Colloquium Mi 09.45-11.15

Im Kolloqium werden die aktuellen Abschlussarbeiten (BA und MA), die im Laufe des Semesters geschrieben oder begonnen werden, in ihren jeweiligen Planungsstadien präsentiert und gemeinsam diskutiert.

 

Sommersemester 2016

Postcolonial displays
BA, Mo 18.30-20.00 Uhr

"Die Welt nach Hause bringen", aber wie? Zeichnungen schwanken zwischen Romantik, Magie und Dokumentation - die Dinge selbst müssen in den europäischen Zentren präsentiert werden. Reisende, Wissenschaftler, Abenteurer und Kolonisatoren verschiffen lebende und tote Artefakte in die Metropolen und erfinden neue Präsentationsformen. Der Reichtum der Natur, Reichtümer fremder Völker – und die fremden Völker selbst halten Einzug in Wunderkammern, Schaubuden, Museen und Bühnen. Heute erhalten diese Displays vor dem Hintergrund weltweiter medialer Vernetzung und Dekolonisation neue Bedeutungen. Welchen Einsatz haben nun Film und Fotografie, Vitrinen und Beleuchtung, ethnologische Objekte, Performance und Restitution? Das Seminar diskutiert grundlegende Texte und schließt mit einer 1,5tägigen Exkursion zum Berliner Humboldtforum, dem Ethnologischen Museum Dahlem und einer aktuellen Ausstellung.

 

Wissensspektakel
BA, Seminar Di 18.30-20.00 Uhr

Der Klimawandel hat in Erinnerung gerufen, dass die Vermittlung naturwissenschaftlichen Wissens geeigneter Formen und Medien bedarf. Welche Genres, Bildformen, Formate sind sachlich wie anschaulich genug, um Interesse zu wecken und Informationen zu transportieren? Nach alten Medien wie den Wunderkammern versuchen Museen heute neue Inszenierungsformen; Diagramme und Isotypen abstrahieren, aber dramatisieren auch manchmal statistische Werte; Programme einer "Public Understanding of Science" haben spätestens seit den Forschritten in der Genom-Entschlüsselung verbreitete Initiativen hervorgebracht - und auch Film und Fernsehen versuchen sich in Wissenschaftsvermittlung. Das Seminar untersucht verschiedene Modelle vom Diorama bis zum Blog, schreitet eine Mediengeschichte der Wissenschaftskommunikation ab und reflektiert darin jeweils die konstitutiven Medialitäten des Wissens.

 

1000 Plateaus
MA, Übung Mittwoch 13.15-14.45 Uhr

Bestimmungen von "Virtualität", "Differenz" und "Wiederholung" sind neben der "Disziplinar- und Kontrollgesellschaft" Konzepte des Philosophen Gilles Deleuze, die für die Medienwissenschaft eine zentrale Rolle spielen. Zusammen mit dem Psychoanalytiker Félix Guattari hat Deleuze 1980 ein umfangreiches und ebenfalls viel zitiertes Buch verfasst: die "Tausend Plateaus". Beide hatten vorher schon zusammen das Konzept der "Wunschmaschine", eines maschinell gedachten Unbewussten, im "Anti-Ödipus" entworfen und schreiben nun über Semiotik und Politik, das Rhizom, die Karte, Minoritärwerden und Mikropolitik, organlose Körper, glatte und gekerbte Räume, Nomadologie, über das Tierwerden... Was verbrigt sich hinter diesen Begriffen, und welche Medienkonzepte korrespondieren ihnen? Der Schwerpunkt der Übung liegt auf einem Close Reading ausgewählter Kapitel; die umfangreiche Sekundärliteratur wird auszugsweise hinzugezogen. Mit einem Gastvortrag von Brigitta Kuster über Deleuze und den Film.

 

Die Vielen
MA, Seminar Di 15.00-16.30

Mengen von Menschen und Medien: ein vertracktes Verhältnis. Wenn das Bild von "Menschenmassen" stets in Korrespondenz zu den Medien der Zeit zu sehen ist, wie sehen Mengen in der Zeit individualiisierter und partizipatorischer Mediennutzung aus? Platzbesetzungen in Athen, Madrid oder New York haben die Notwendigkeit neuer Konzepte vor Augen geführt. Nah einem Blick auf ältere, auch dämonisierende Bilder der "Masse" geht es im Seminar um neue Fassungen und ihre Medien: "Singulär plural sein" lautet eine Formel Jean Luc Nancys, Begriffe wie "die Vielen" ("the many") suchen eine Bestimmung zwischen Masse und Individuum, um die neuen Phänomene zu beschreiben.

Mit einem Gastvortrag der Filmemacherin Dorothea Carl und einem Screening ihres Films "persona non data" (D 2014).

 

Wege zur BA- und MA-Arbeit
BA und MA, Colloquium Mittwoch 09.45-11.15

Für die Präsentation und Diskussion aller BA- und MA-Abschlussarbeiten, die *im Sommersemester begonnen oder verfasst* werden.

 

Wintersemester 2015/16

"Indianer": Projektionen, Imaginationen, Anverwandlungen
MA, Seminar Di 15.00-16.30 Uhr, Übung Di 16.45-18.15

„Wenn man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als glatt gemähte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.“

Franz Kafka: Wunsch, Indianer zu werden.

In Franz Kafkas viel diskutiertem kurzen allerersten Prosastück (1913 veröffentlicht, also ein Jahr nach dem Tode Karl Mays) versammelt sich vieles, was deutschsprachige „Indianer“-Phantasien seit Jahren auszeichnet. Wunschdenken, Projektionen, Abwesenheit, Kino. Er beschreibt eine Art Filmszene, die rückwärts zu laufen scheint. Sie beginnt mit dem Wunsch, „Indianer zu werden“ (nicht „zu sein“), dessen imaginärer Erfüllung, und geht dann zurück auf Los, in die Abwesenheit, die diesen Wunsch erst hervorgebracht hat.

Die Bücher von Karl May, die heute immer noch stattfindenden Karl May Festspiele, „Indianer“filme, die in der BRD und der DDR gleichermaßen populär waren, „Indianer“camps und Western-Städte: „Indianer“bevölkern deutsche Phantasien seit gut 200 Jahren.

Das Seminar beschäftigt sich mit diesen Projektionen, ihrer Geschichte und Gegenwart, ihrem Ort in der Wissenschaftsgeschichte, und den damit verknüpften Medien wie Fotografie und Kino, sowie den Hollywood-Versionen und schließlich indigener Medienproduktion zwischen Kunst, Kino und Aktivismus.

 

Gender und Medien: Neue Dramaturgien
BA, Seminar Mo 16.45-18.15

Ob Computer denken können, hat Alan Turing nicht irgendwie erörtert, sondern konkret als ein Täuschungsspiel zwischen Mann, Frau und Maschine entworfen – wie auch der Film Ex machina (2015). "Frauen" und "Männer" werden nicht nur "in Medien" abgebildet, sondern die Geschlechterdifferenz strukturiert das System der Repräsentation. Was bedeutet das, und kann man es sehen? Die Theorie der Performativität des Geschlechts wird in diesem Seminar als mediale untersucht.

 

Gender und Medien - Filmische Transgressionen
BA, Übung Mo 18.30-20.00

Als Übung zum Seminar "Gender und Medien: Neue Dramaturgien" wird zusätzlich direkt im Anschluss an das Seminar der gemeinsame Besuch der Filmreihe im Filmstudio "Frauen, Diven, Transgender" angeboten (nur für TeilnehmerInnen des Seminars). Je nach Gruppengröße finden die Besprechungen am Schluss der Veranstaltung selbst oder auch am Anfang des folgenden Seminars statt. Teilnahmebedingung: Ein sechsseitiger Text zu einem Filmprogramm.

 

Wege zur BA- und MA-Arbeit
BA und MA, Mi 09.45-11.15

Das Kolloquium dient der Vorbereitung und Begleitung Ihrer Abschlussarbeit (Themenfindung, Recherche, Profilierung des Themas, Aufbau und Gliederung der Arbeit). Die Termine werden zu Beginn des Semesters auf Ihre Projekte im BA bzw. MA aufgeteilt.

 

Sommersemester 2015

Science, Fiction
Übung M2 BA Basis Analyse - Montag 16.45-18.15h, Raum 53/05 
Seminar M2 BA Basis Analyse - Montag 18.30-20.00h, Raum 53/05

Medien scheinen prädestiniert dafür, erfundene Welten zu zeigen oder Utopisches auszumalen. Gleichzeitig glauben wir, dass Medien unser Wissen speichern und mittels ihrer Verfahren neues hervorbringen können. Fakten und Fiktion treffen sich in den verschiedenen sich überlagernden Funktionen von Medien. Was einerseits so unterschiedliche Realitätsgehalte ausweisen soll, andererseits in manchen Genres so gut zusammengeht, sind Science und Fiction. Wissenschaftliches Wissen und die Kraft der Imagination mögen im Plot getrennte Wege gehen: In den Bildern sind Ihre Effekte verschränkt.
Das Seminar folgt den Inszenierungen dieser Verschränkung durch Filme und Texte der letzten 50 Jahre.

Die Übung dient der Materialanalyse. Übung und Seminar müssen zusammen belegt werden.

 

Medienkultur des Geldes
Master Seminar Theorie - Dienstag 11.30-13.00 h - Raum 53/25

Ob Geld ein Medium sei, ein leeres Äquivalent, ein bloßer Tauschkanal, lässt sich noch mit Marx und Baudrillard diskutieren, mit ihren "Gespenstern" (Derrida), kulturübergreifenden Analogien (Rotmans Geschichte der Nullpunkte) und ihren blinden Flecken (dem "Fleischmarkt" nach Laurie Penny oder der Hausarbeit). Wie fiktiv, wie phantastisch ist unsere Finanzökonomie (Vogl)? Im Digitalzeitalter und seiner fortschreitenden Entkoppelung von Dingen und Zeichen werden diese Bezüge weiter aufgefächert. Wurden zunächst anthropologische Tauschmodelle für die Ökonomie des Internets herangezogen, gehen mittlerweile Kulturen des Selbstmanagements, der Partizipation, der allzeit bereiten Kreativität Hand in Hand mit dem Web 2.0 und Social Media-Praktiken. Neue Konzepte wie die "Shareconomy" oder die "digital commons" propagieren eine digitale Allmende, Allgemeingüter, die Eigentumsverhältnisse und Verfügungsmacht neu entwerfen. Auch die "Kunst frisst Geld", wir leben in einer Kultur von "Schuld und Schulden", heißt es. Das Seminar untersucht diese medialen Spekulationen.
Mit einem Gastvortrag von Esther Ruelfs, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg: FETTE BEUTE. Eine Fotografieausstellung, am 23.6.2015.

 

Images and Empires
M2 Seminar BA Aufbau Analyse - Di 15.00 h - Raum 53/25

The volume entitled "Images and Empires" (Landau/Kaspin 2002) does not attempt to give a comprehensive view of the visual culture of the entire African continent, its past and present, let alone all its pictorial media. It encompasses advertising, photography, cartoons, film, and material culture. If there is something like common 'african' characteristics running through them, remains an open question. Every week, we will read a new chapter together, meeting Tintin and iamges of the bush, as well as our own "empires of visualisation". - Our discussion starts in English language, switching to German if necessary.

Lit.: Paul Landau, Deborah Kaspin (Hg.), Images and Empires. Visuality in Colonial and Postcolonial Africa, Berkeley u.a. (University of California Press) 2002

Der Sammelband zur visuellen Kultur in Afrika mit dem Titel "Images and Empires" (Landau/Kaspin 2002) versucht gar nicht erst, einen Kontinent, seine Geschichte und Gegenwart, oder gar alle seine Bildmedien unter einen Hut zu bringen. Werbung, Fotografie, Comics, Filme oder materielle Kultur kommen zur Sprache. Ob es verbindende, "afrikanisch" zu nennende Elemente darin gibt, bleibt offen. Im Seminar lesen wir jede Woche ein Kapitel zu einer neuen Bilderpraxis, lernt Tintin und Buschbilder kennen, trifft auf eigene "empires of visualisation". - Das Seminar soll in englischer Sprache stattfinden, bei Bedarf wechseln wir ins Deutsche.

 

Wege zur BA-/MA-/Magister-Arbeit
Examenskolloquium - Mittwoch 9.45 h, 14tägig, Beginn: 2. Semesterwoche - Raum 53/25

Das Kolloquium dient der Vorbereitung und Begleitung Ihrer Abschlussarbeit (Themenfindung, Recherche, Profilierung des Themas, Aufbau und Gliederung der Arbeit). Die Termine werden zu Beginn des Semesters auf Ihre Projekte im BA bzw. MA aufgeteilt. Das Kolloquium wird in jedem Semester angeboten.

 

Sitzung im Ringseminar Gender Studies der GKG, an der TU Braunschweig, Intersektionalität & Disability: Geschlechterwissen aus interdisziplinärer Sicht: "Prothetik, Enhancement, Super crips"; 17.6.2015

 

Wintersemester 2014/15

Wildes Schauen. Medien der Ethnografie
BA, mo 18.30 h, ab 20.10.

Als Forscherteams anfingen, Menschen in nichteuropäischen Ländern wissenschaftlich zu untersuchen, mussten sie nicht nur in neu zu erfindenden "contact zones" kommunizieren, sondern auch Aufzeichnungen mit alten Mitteln auf neuem Terrain unternehmen. Wie bildet man am besten "fremde Völker" ab? Sind die eigenen Medien adäquat? Wie geht man mit Herrschaftsverhältnissen um, mit Exotismen, der Gewalt der Erfassung? Irgendwann wird darüber auch die eigene Kultur fremd und muss selbst erforscht werden. Ausgehend von den Klassikern der Ethnologie und visuellen Anthropologie in Schrift, Fotografie und Film geht es um mediale Selbstbeobachtung, um Objektifizierungen und Möglichkeiten mimetischer Verfahren.

 

Steuern, regeln, loslassen. Unsere Geschichte der Kybernetik
MA, di 9.45 h, ab 21.10., Raum 25

Der Name "Kybernetik" ist heute nicht mehr gebräuchlich, aber die Wünsche, die Versprechen und vielleicht auch die Möglichkeiten, die dieses gegenwärtige Stück Forschungsgeschichte produziert hat, sind sehr lebendig. Die Idee, gemeinsame Formeln quer durch verschiedene Fächer zu finden, und noch mehr: durch die Denkformen dieser Fächer und auch für die praktische Umsetzung, die Implementierung ihrer Erkenntnisse, gemeinsam zu entwickeln, hat die Wissenschaft und die Technik, insbesondere die Entwicklung des Computers, im 20. Jahrhundert zentral geprägt. Das Seminar untersucht, wie die Medienwissenschaft auf diese Geschichte von "Steuerung und Regelung in Mensch, Maschine und Tier" zurückgreift.

 

Visuelles Dekolonisieren
MA, Übung, Theorie, ab 4.11., Termine s.u.

Nach dem Ende der Kolonialzeit lebt diese gespensterhaft fort: Ihre Artefakte sind weiterhin in unseren Museen und Vitrinen, ihre Bilder in unseren Filmen... wie heute damit umgehen?
Diese Veranstaltung ist als Übung konzipiert, das heißt, dass Sie neben der Diskussion einzelner ausgewählter Texte entweder eine Moderation beim Workshop übernehmen oder eine Workshop-Besprechung verfassen.
Der Workshop findet statt am 6. und 7. November, im Filmstudio und dem Atelier der Klasse Gröting. Seine Themen und Gäste sind:

Wie hat man das Sichtbare zum kolonial Sagbaren gemacht? Wie sieht, wie zeigt man, was die eigene Einteilung der Welt plausibilisieren soll? Und wie kann man solche Bilder verändern, das Visuelle dekolonisieren, auf visuelle Weise Dekolonisieren? Der Workshop widmet sich den Schauplätzen medialer und künstlerischer postkolonialer Strategien im Film, im Museum und auf der Bühne. Dabei geht es sowohl um die kritische Lektüre materialer Erbschaften des Kolonialismus, etwa der Artefakte von Forschungsreisen und sogenannten „human remains“ in Museen, die Teil einer Aneignungs- und Ausstellungskultur waren und sind, als auch um Strategien des Kuratierens der 'Kunst der anderen' in Museen, Galerien oder dem Humboldt-Forum. Es geht aber auch um die Verbindungen antikolonialer Kämpfe mit Film/Kino, um zeitgenössische künstlerische Interventionen in koloniale Archive oder die Möglichkeiten dekolonisierender ästhetischer Verfahren.
Mit Beiträgen zum Film (Tobias Nagl, Nele Rein), zum Berliner Humboldt-Forum (Artefakte/Brigitta Kuster et al., Kristin Schulze) und dem Ausstellen von "human remains" (Christine Hanke), zur Funktion von Kunst in "Migrationsmuseen" (Melanie Ulz), zum Kuratieren südafrikanischer Kunst (Storm Janse van Rensburg), zu fotografischen Archiven der Kolonialmächte und dem Umgang damit heute (Emma Wolukau-Wanambwa), von Schamanismen in der 60er/70er Jahre-Subkultur (Ilka Becker), dem Verhältnis von künstlerischer Abstraktion und Dekolonisierung (Michaela Ott) und einer Abendperformance von Vaginal Davis mit dem Titel „Sassafras, Cypres & Indigo. Black Screen Images and the Notion of Freakiness".
Mitarbeit: Nanna Heidenreich. Abendveranstaltung gefördert mit Gender-Mitteln durch die Forschungskommission der HBK.
Termine: Verbindlicher Einführungstermin: di 4.11. 15 h, Raum 25, dann die vollen Tage Do/Fr. 6./7.11.2014 (Orte: Am do/fr. im Filmstudio und in der Klasse Gröting), weitere Sitzungen (di 15h): 18.11., 2. und 16.12.2014, sowie
Mo., 12.1.2015: Universum, 19 h: Concerning violence. Nine Scenes from the Anti-Imperialistic Self-Defense, Regie: Göran Hugo Olsson, Vorwort von Gayatri Chakravorty Spivak, gesprochen von Lauryn Hill, basierend auf: Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Schweden 2014, 85 min.

Der Blick auf die Erde. Bildtechniken für Land und Planet
BA Aufbau, mi 13.15 h, ab 22.10., Raum 25

Um sein Reich ganz genau abbilden zu können, ließ der König eine Karte im Maßstab 1:1 anfertigen, die schließlich das ganze Land bedeckte... Und wie wurden die Bilder von der Erde, von Ländern, Fluss- und Küstenverläufen für Forschung, Handel, Neugier, Krieg und ihre engen Vermischungen handlich? Mit welchen Mitteln erreicht man verschiedene Formen von Objektivität? Techniken und Strategien des Abbildens umfassen verschiedene Medienformate. Von den Kniffen und Tricks der Kartografie ausgehend, behandelt das Seminar Modellierungen und Abbildungsverfahren des Planeten Erde und befragt schließlich die neuen hybriden Digitalformate, subjektive Zugriffsmöglichkeiten und agencies durch Satelliten, neue Kameras, Google Earth.
Mit einem Gastvortrag von Ulf Treger, Digital mapping und künstlerische/soziale Kartierung, 7.1.2015

 

Sommersemester 2014

Kollektive. Medien Kunst Straße
Mi 13.15 (BA Aufbau Analyse) Modul M4

Kollektive können sich absichtlich bilden oder spontan, sie können alles miteinander teilen oder nur punktuelle Anliegen, sie können gemeinsam produzieren oder gerade die Produktion blockieren. Aber meistens zielen sie auf Handlungs- und Lebensformen, die dem alten Autorenprinzip, traditionellen Hierarchien und Berechenbarkeiten entkommen wollen. Und ist nicht eine Filmproduktion immer ein kollektives Unternehmen? Ruft uns das Radio nicht zu einer Gemeinschaft zusammen, die sich nur aktiv zueinander verhalten müsste? Machen nicht digitale Netze uns alle zu temporären Kollektiven?
Was jeweils 'neue' Medien waren, brachte neue Formen und Bilder von Gruppen, Massen, Zusammengehörigkeiten oder Gegenbewegungen hervor; manche kritisieren Flashmobs heute als Ikone einer 'leeren' digitalen Kommunikation. Wir untersuchen genauer: Zuerst Konzepte und dann konkrete Kollektive. Netzwerke und "kollektive Intelligenz", Schwärme, Komplizenschaften, urbane Kollektive, Situationisten, Occupy.
Mit einem Gastvortrag von Anja Steidinger vom Medienkollektiv Enmedio, Barcelona.

 

Schlingensiefs Fernseharbeit
SE (BA Basis Analyse) M2
Di 16.45 h - 19.30 h, vierzehntägig, erster Termin 29.4.2014, Folgetermine: 13.5., 27.5., 10.6., 24.6., 8.7., 15.7.

Talkshows, Musikshows, Castingshows: Das Business des Auftretens, Inszenierens, Schauspielerns und passender oder unpassender Exzesse hat das Fernsehen im Lauf des 20. Jahrhunderts vom Theater adaptiert und in den Augen vieler Kulturkritiker ins Banale gewendet. Dabei hat das Fernsehen ganz eigene Mechanismen entwickelt, um immer neue Formen von Intimität und Spektakel, Wettbewerb und Massentauglichkeit, Prominenz und Ereignis zu erfinden. Diese greift Christoph Schlingensief auf. Seit 1991 produzierte er kurze Beiträge für das WDR-Politikmagazin ZAK, 1997 mit "Talk 2000" im Privatfernsehen eine eigene Show, "U3000" brachte 2000 Musik und Exzess für MTV in die Berliner U-Bahn, "Freakstars" eine Castingshow mit Behinderten auf Viva (2002). Die Aktion "Ausländer raus!" greift 2000 in Wien das neue TV-Format "Big Brother" auf. "Die Piloten" ist schließlich eine Art Dokumentarfilm über eine nicht fertiggestellte weitere Talkshow. Das Seminar untersucht diese Fermsehproduktionen, ihre Eingriffe in Erwartungshaltungen und den fortwährenden Versuch, Unvorhersehbarkeit zu produzieren.

 

Mode Medien Moden
Di 13.15 h, Seminar (BA Aufbau Analyse), M4

Das Fleischkleid von Lady Gaga zeigt: Mode ist ebenso ein Medien- wie ein Kunst- wie ein Pop-Produkt. Ein zeitweilig anhaltendes Ereignis, das lesbar wird als "Alltagsgegenstand oder Distinktionsgeste, Schnittstelle zur Kunst, Milliardengeschäft oder Do-It-Yourself-Praxis" (Sonja Eismann). Das Seminar verfolgt historische Diskurse, Versuche der Theoretisierung und der ästhetischen Interventionen. Ein Gastvortrag von Philipp Dorestal stellt afroamerikanische "Style Politics" vor.

 

Kaskaden von Medien. Die Akteur-Netzwerk-Theorie
Mi 18.30 h, Seminar (MA Theorie)

Eigentlich war die Actor Network Theory keine Medientheorie. "Medien" interessieren sie nicht - denn damit etwas übertragen wird (damit informiert, gespeichert, gehandelt werden kann), muss es eine "Kaskade von Inskriptionen" geben, sagt Bruno Latour in Abkehr von Modellen, die Technisches und Soziales, Sender und Empfänger, passive und aktive Größen streng voneinander getrennt haben. In einem Netzwerk sprechen belebte und unbelebte Elemente mit, oder: sie haben eine agency. Damit steht die Intentionalität eines users auf ebenso wackeligen Füßen wie die Eigendynamik von Einzelmedien. Eine "Akteur-Medien-Theorie" untersucht nun, wie solche Netzwerke aussehen - und was sie für die Rolle und die Macht von Medien inmitten von anderen Dingen und Agenten bedeuten.



Exkursion: Die Kunst, viele zu sein

Die Exkursion führt zu einer besonderen Art von Kongress. Unter dem Titel "The Art of Being Many" findet vom 25.-28. September in Hamburg (Kampnagel) das folgende Ereignis statt: "Vom 25. bis 28. September 2014 wird auf Kampnagel in Hamburg ein transnationaler Kongress von Real-Democracy-AktivistInnen aus vielen Teilen Europas und der Welt stattfinden. Thema des Kongresses sind die neuen Techniken und Ästhetiken, Strategien und Theorien des (sich) Versammelns, die in den Auseinandersetzungen der letzten Jahre erarbeitet und erstritten worden sind. Es geht um Timing, Sounds und Affekte von Versammlungen, um die Rauschmittel der Bewegung und die Materialität kollektiver Entscheidungen. All das soll nicht nur diskutiert, sondern auch erprobt, erlebt und gesamplet werden. Was ist der ‘State of the Art of Being Many’?
Die europäische und arabische Bevölkerung erobert seit einigen Jahren die Demokratie zurück. Immer mehr Menschen versammeln sich unabhängig von staatlichen Strukturen und politischen Organisationen, um ihre Anliegen voranzubringen.
Der Kongress „The Art of Being Many” untersucht das neue Demokratieverständnis und seine Arten des Versammelns. Sechs Monate vor dem Kongress werden 49 „Delegierte“ von der demokratischen Basis – Schülervertreter, Mitglieder von Online-Spiele-Communities – mittels einer Online-Plattform vernetzt. Sie bereiten sieben Themenschwerpunkte vor und werden von den Initiatoren des Projekts sowie von Künstler/innen und Forscher/innen unterstützt.
Für den Kongress selbst wird eine Arena für 400 Teilnehmer aufgebaut, die unterschiedliche Arten der Teilnahme ermöglichen: Gebetsteppiche, Bürostühle, WLAN oder Effektmikrofone stehen zur Verfügung. Die Teilnehmer können so Techniken und Ästhetiken, Strategien und Theorien des Versammelns erproben, wohingegen die Delegierten mit Reenactments, Interventionen, Experimenten und Aufrufen konkrete Einblicke in die Dynamik, Performance und Konflikte aktueller Versammlungskultur geben. Auf jeder Versammlung wird entschieden, welche Methode am besten geeignet ist – die Erkenntnisse werden in einer gemeinsamen Publikation festgehalten.
Künstlerische Leitung: geheimagentur, 
Wissenschaftliche Leitung: Vassilis Tsianos
, Künstler/innen: Graduiertenkolleg Versammlung und Teilhabe, Embros Theater Athen (G), Gängeviertel Hamburg, John Jordan (GB), Krööt Juurak (E), Zoe Laughlin (GB), Ligna, Voodoo Chanel u.a."

Die Teilnahme ist möglich für Seminarteilnehmer/innen des Seminars "Kollektive. Medien Kunst Strasse". Vorbesprechungen/Anmeldung Mi., 30.4.2014, 13.15h, R 53/05, inhaltliche Einführung Mi., 16.7.2014, 13.15 h, 53/05.
**

Sitzung im Ringseminar "Sprechende Waschmaschinen, Rasierer und Web 2.0: Zum Verhältnis von Alltagstechniken, Medien und Geschlecht", veranstaltet vom Braunschweiger Zentrum für Gender Studies), SoSe 2014, mi 11.30-13.00, am 25.6.14:

 

Gender Swap: Fotografische Optionen

Im Zeitalter der digitalen Fotografie, der Körper(selbst)darstellung, der Normierung und der auch genderbezogenen Arbeit am fotografischen Bild ist technisch eine große Vielfalt an Darstellungsoptionen, Optimierungen oder Neuerfindungen gegeben. Solche Bilder sind aus den fiktionalen Bereichen in unseren Alltag gewandert, begegnen uns in Werbekampagnen und Online-Serien. Die Seminarsitzung untersucht neue und alte Authentifizierungsmarker von Fotorealismus und Geschlecht.

 

Wintersemester 2013/14

Im WS 13/14 befinde ich mich im Forschungssemester

 

 

Sommersemester 2013

Ulrike Bergermann, Nanna Heidenreich
Post_koloniale Medienwissenschaft. Sondierungen
MA, M4, Di 13.15 h, 53/25

Das Präfix „post“ in postkolonialer Theorie verweist einerseits auf das zeitliche „nach“ der offiziellen großen Dekolonisierungsphase im 20. Jahrhundert, es markiert jedoch zugleich das Fortwirken von Kolonialismus und Imperialismus. Postkoloniale Theorie beschäftigt sich in diesem Sinne mit den andauernden Prozessen von De- und Rekolonisierung, wobei Kolonisierung nicht nur die Besetzung und ökonomische Ausbeutung von Territorien meint, sondern Formationsprozesse, d.h. auch epistemische Gewalt: das Denken und Sprechen, das gewaltsam wirkt. Postkoloniale Theorie betrifft daher auch nicht nur die ehemaligen Länder, die kolonisierten oder kolonisiert wurden, sondern beinhaltet ein Verständnis globaler Verschränkungen. Die Frage nach der Medialität problematisiert immer schon die Vorgängigkeiten von Darstellungsordnungen - und die Frage, was uns natürlich erscheint. Post_koloniale Medientheorie umfasst daher vielleicht Analysen von Einzelmedien in kolonialen und postkolonialen Gesellschaften, aber in erster Linie die Untersuchung der Möglichkeitsbedingungen von Darstellung, die sich nur in Bezug auf ein Anderes, auf den/die Anderen herausgebildet haben.
Das Seminar bietet einen Einstieg in zentrale Argumente und Texte post_kolonialer Theoriebildung, die jeweils aus medienwissenschaftlicher Perspektive fokussiert werden. Es findet statt im Zusammenhang mit der internationalen Tagung „total. Universalismus und Partikularismus in postkolonialer Medientheorie“ (16.-18. Mai 2013) statt. Der Besuch der Tagung ist verpflichtende Voraussetzung für die Seminarteilnahme.

http://www.postcolonial-mediastudies.de

 

Wiederholung
BA, M4, Di 18.30, 53/25

Es gibt keine Wiederholung. Nichts Wiederholtes kann jemals identisch sein... Alles ist doch nur Wiederholung. Es gibt nichts wirklich Neues - alles ein einziger Remix... Vor dem Hintergrund von Theorien, die die Wiederholung verschieden gefasst haben, untersucht das Seminar neue Formate. In den Texten geht es um Differenz und Wiederholung, Performativität, Kulturindustrie und Remediation, in Filmen um Loops und Doppelgänger, Re-enactments geben vergangenen Ereignissen eine kollektive Präsenz, in der Popkultur singt das Mashup das "Lob der Kopie" oder das Covern im Pop nur noch die "Retromania". Alle diese Strategien haben es mit der Wiederholung zu tun: Medien zitieren sich, Kunstwerke wiederholen andere, Vorläufer werden angeeignet, der Versuch identischer Replikationen angestellt. Welche Identitäten entstehen in den Zeitaltern von Serialität und Digitalität? Was wäre das für ein Ereignis, das sich wiederholen ließe?

 

Wintersemester 2012/13


Schrift. The Pencil of Culture
Master M4 Di 16.45 h
Schrift, das sind diese kleinen abstrakten Bilder, die schwarz auf weiß nebeneinander stehen - Schrift ist das Andere des Bilds und gar nicht "ikonisch" - Schrift kann man sehen, aber eine Programmiersprache schlägt sich auch in Schrift, im geschriebenen Code nieder, und der ist immateriell... Wer sich in die Abstraktionen und Widersprüche dieser Kategorisierungen begibt, erfährt nicht nur weite Hintergründe der abendländischen Kulturgeschichte (und ihre Abgründe), sondern gewinnt auch Differenzierungsmöglichkeiten. Denn Metaphern und Denkmodelle der Schrift ziehen sich durch die gesamte Mediengeschichte und ihre Modelle: Setzt nicht jeder Klick auf einen Link eine Zeichenkette in Gang? Von den Vorteilen früher "Datenspeicherung" über die Kritik an der entfremdeten Aufzeichnung kommen wir vorbei an Hieroglyphen und phonetischer Schrift, Buchdruck und Schreibmaschine, der Faszination sich selbst schreibender Dinge, Notationen und Ziffern, einer Spur von Handlungen in Gang setzender Zeichen.

"Zigeuner". Europas innere Andere
BA, Di 13.15 h, R 05/25

Wie in einem Kapitel aus Foucaults "Geschichte des infamen Menschen", so stellen "die Zigeuner" Definitionen von Nation und Staat, von Hoch- und Popularkultur in Frage; ihre mündlichen Traditionen stehen schriftlicher (Selbst-)Geschichtsschreibung im Wege. Zigeuner heißen sehr konkrete Figuren sowohl für das Wilde, Abenteuerhafte, Unzivilisierte als auch für das Kriminelle, sowohl "fahrende Völker" wie provisorische oder dauerhafte Parallelgesellschaften. Sie sind Projektionsflächen für freie Liebe und rigides Patriarchat, Unterweltkönigreiche und Armut, Wahrsagerei und (Vogel)Freiheit. Und Zigeuner ist immer noch oft eine Selbstbezeichnung von Sinti, Roma und anderen Gemeinschaften. Aber man kann nicht einfach hinter den Stereotypen die echten Zigeuner entdecken. Auch in gutmeinenden Sozialreportagen reproduzieren sich Blicke aus einem Zentrum an eine bewegliche Peripherie. Das Seminar verfolgt die europäische Kulturgeschichte der Tsiganes und ihre Medialisierungen im 20. Jahrhundert: Ein Gastvortrag stellt die Musik der Sinti und Roma vor, Filme zeigen Riefenstahls Tiefland, Marlene Dietrichs Goldene Ohrringe oder die Revision von Philip Scheffner (2012). Sind aktuelle Produktionen wie "Gay, Gypsy and Jew" die Antwort auf Antiziganismus? - Einen roten Faden des Seminars werden Theoretisierungen des Nomadischen (Deleuze/Guattari u.a.) bilden.
- Klaus-Michael Bodgal, Europa erfindet die Zigeuner: Eine Geschichte von Faszination und Verachtung, Berlin (Suhrkamp) 2011
- Lith Bahlmann, Matthias Reichelt (Hg.), Reconsidering Roma. Aspects of Roma and Sinti Life in Contemporary Art, Göttingen (Wallstein) 2011
- Lou Charnon-Deutsch, The Spanish Gypsy. The History of a European Obsession, Pennsylvania (Penn UP) 2004
- Wikipedia: Zigeuner; Roma

 

Sommersemester 2012


Rau! Stimme und Sound
BA Seminar, Di 13.15 h

Die Stimme steht immer dazwischen. Ist sie materiell oder doch ohne Körper? Zeigt sie den unmittelbaren Ausdruck oder ist sie schon fast ein Instrument? Transportiert sie nur Sprache, ist sie dem Sinn, dem Code nur ein äußerlicher Träger? Gehört sie zum Körper, gehört sie in den Zwischenraum von Mund und Ohr? Jedenfalls ist ihr Klang vergänglich, ein Ereignis; ihre Aufzeichnung kann unheimlich sein: Sie trennt die Präsenz einer bestimmten persönlichen Klangfarbe von der Person. Unterwegs, sagte Kafka, werden Küsse von Geistern ausgetrunken - und das müsste auch für das Telefon gelten. Phonographen speichern seit 1877 zuallererst Stimmen. Lautsprecher erzeugen eine ver/führerische Nähe zum Sprecher, zur Sängerin, zur Rednerin, zum Seufzer. Gesangsstimmen sind diszipliniert nach Geschlechtern sortiert (eigentlich). Die Lautsprache gehört zu den ersten nichttechnischen Medien - 'Oralität und Literalität' bezeichnet eine ebenso alte Debatte wie die Idee, dass Klang und 'Stammelstrommel' den Menschen tiefer ansprächen als differenzierte akustische Zeichensysteme... Ergreift die Klang, der 'Sound vor einer Bedeutung', wirklich tiefer, steht er im Gegensatz zur Technik, oder wo gehören die beiden zusammen? Das Seminar bewegt sich zwischen Technikgeschichte und Theorie (mit) der Stimme.

 

Ausverkauf. Kreativität und Hochschule

SE M1, Di 16.45

Selbstverwirklichung und Selbstvermarktung betreffen heute gleichermaßen die prosumers von Medien, von Kultur und Kunst, von Mainstream und universitärem Denken. Ist das Kritischsein nur noch ein Habitus (Draxler), kann "die Kunst" noch als Raum des Widerstands behauptet werden, wo bleibt die Freiheit im Medienverbund, und: was sollte eine "unbedingte Universität" sein? Von Ökonomisierungen, Autonomie, Unfreiheit und ihren Lücken handeln neue Texte über Mediengouvernementalität, kreative Arbeit und Bildungspolitik. Denn die Kritik am Wissenschaftsmanagement an den Hochschulen, die Kritik an der Verwertung von 'Kreativität' und die Kritik an einer Ökonomisierung des Selbst in Medien haben einiges gemeinsam. Sie argumentieren gegen die Auffassung von Wissen, Produktivität und Medialität im Sinne ihrer Verwertbarkeit, sie suchen nach Freiräumen des Denkens und Gestaltens, und darin sind sie ähnlichen Paradoxien ausgesetzt: Sie sprechen im System aber gegen es; sie sind "dagegen/dabei", sie suchen nach einem Ort der Kritik und sind darin produktiv...

Das Seminar wendet sich an alle Interessierten. Leistungsnachweise für Studiengänge mit den Abschlüssen MA, BA, Diplom, Magister werden individuell vereinbart.

Literaturempfehlung: Christoph Menke, Juliane Rebentisch (Hg.), Kreation und Depression. Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus, Berlin (Kadmos) 2010

 

Ulrike Bergermann, Florian Krautkrämer
Erinnerungsräume. KZ-Gedenkstätten

Master, M1, UE

KZ-Gedenkstätten sind Erinnerungsorte auf mindestens zwei Weisen: Sie machen die Tatorte zugänglich, und sie stellen die Geschichte der Orte aus. Dabei kann man nicht davon ausgehen, dass sich die Verbrechen der Nazis in den Orten eingeschrieben haben, da es ihre Politik war, ihre Spuren wieder zu beseitigen. Gleichzeitig geht ein Besuch der Gedenkstätten mit einer enormen Erwartungshaltung einher, einer Suche nach Erklärung, Zeugenschaft und Grauen. Doch was sieht man noch an 'den Orten selbst' - und welche medialen Präsentationen begleiten sie? Im Hintergrund stehen Fragen wie: Kann man Undarstellbares visualisieren? Wie aber könnte man es lassen? Zur Debatte steht nicht nur der Umgang mit Vitrinen, Fotografien, Artefakten, Filmen, Dokumenten, sondern auch die Inszenierung des Ortes, die Abwesenheit von Dokumenten, die topographische Erfahrbarkeit.

Wir möchten vier solcher Orte besuchen: Die KZ-Gedenkstätten Bergen-Belsen und Mittelbau-Dora, die Ausstellung zur "Topographie des Terrors" in Berlin und die Stelle, an der im VW-Werk Wolfsburg der VW-ZwangsarbeiterInnen gedacht wird. Die Übung gliedert sich in vier Exkursionstage und zwei Treffen für Besprechungen und Textlektüren.

 

Wintersemester 2011/2012

Dekonstruktive Medientheorie
Master M4 Medientheorie und -analyse
SE, Di 09:45 - 11:15, IMF 53/25

"Dekonstruktion" ist der Titel weniger einer bestimmten Theorie als eines bestimmten Sets an Fragen, die besonders die Medienwissenschaft betreffen: Ist "das Subjekt" die Zentrale seiner eigenen Handlungen? Wie stellen wir uns Präsenz und Authentizität vor, wenn es keine unmediierte Umgebung gibt? Ist der Autor, der Künstler, der Medienmacher Herr über sein Werk? Wie steht es mit dem Verhältnis von Zeichen und Bezeichnetem, der Repräsentation - auch im "virtuellen Zeitalter"? Kann man noch in Erzählungen, in großen Narrativen denken, oder ist es produktiver, Brüche oder Netze oder Rhizome als Modelle heranzuziehen? Was ist Phonozentrismus, und wie hilft uns eine Kritik an Linearität heute weiter? Sprachliche Modelle aus dem Strukturalismus, Überlegungen zur Macht, zu An- und Abwesenheit, zu Psychoanalyse und Geschlecht standen Pate bei der Entwicklung entsprechender Antworten insbesondere im später so genannten Poststrukturalismus im Frankreich der 1960er Jahre. Im Seminar lesen wir gemeinsam grundlegende Texte von Barthes, Foucault, Derrida, Baudrillard und anderen - und verfolgen ihre Gedanken in die Medientheorie hinein.

 

Reload: Musikclips
Bachelor Modul M3a
SE, Mo 18:30, 53/25

Das Musikvideo schien kaum medienhistorisch geadelt, aus dem Experimentalfilm ins Privatfernsehen gehoben, und kein Album wurde mehr ohne mindestens einen immer teurer produzierten Clip produziert - da schien das Genre wieder zu verschwinden. Als Kunstfilm, "Musik für das Auge", retteten sich die Clips eine Weile auf DVDs, um in den letzten Jahren ihren Platz im Fernsehen zu behaupten und in verschiedene Webdistributionsformate zu wandern. Das Seminar betrachtet die retrospektiv ernannten Vorgeschichten der Clips und ihre intermedialen und synästhetischen Programme und sucht nach Beispielen, die sich für eine medienreflexive Clipkritik eignen: Teilnahmebedingung sind 1-2 Clipbesprechungen.

--

Ulrike Bergermann/Asta Gröting
nachträglich - vorgängig


Es sieht einfach aus: Kunst produziert, Wissenschaft schreibt darüber. So einfach kann es nicht gewesen sein - wer produziert und/oder performt, befindet sich nicht im luftleeren Raum, hat selbst gelesen und geschrieben, Filme gesehen und andere kulturelle Codes aufgesogen. Genauso ist das wissenschaftliche Sprechen und Schreiben als eine produktive Praxis zu betrachten, die ihrem "Gegenstand" nicht äußerlich bleibt. Sprache und Schrift sind nicht einfach 'nachträglich', sekundär, und kein Ereignis, kein Werk, keine Aktion wäre einfach 'vorgängig', ursprünglich. Theoretische Begriffe, die diese Frage behandeln, drehen sich um Begriffe wie "Performativität" oder "Spur"; künstlerische Produktionen wie die der Performance Art beschäftigen sich seit den 1970er Jahren mit der Rolle von Aufzeichnungsmedien in der Produktion des Werks; in der Medienwissenschaft kann beispielsweise die Herstellung von "Live" zeigen, wie das angeblich Sekundäre konstitutiv ist... Dem allen wollen wir gemeinsam nachgehen.
Studierende aus allen Studiengängen sollen in dieser gemeinsamen Übung schreiben: über die eigene Arbeit, über die Arbeit eines/einer anderen, als eigene Arbeit. Es werden sowohl künstlerische Arbeiten (Performance, Video) als auch textbasierte Arbeiten vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Für audiovisuelle Medien gilt insofern Ähnliches wie für die sprachlichen, als dass sie wie dem eigentlichen Inhalt 'nachträglich' erscheinen: Eine Videoaufzeichnung berichtet von der Performance, ein Soundmitschnitt bildet das Event nur ab. Aber inwiefern sind diese 'Medienereignisse' auch produktiv (von Anfang an Teil des Events, eigenes Produkt, der künstlerischen Praxis vorgängig...)? Auch diese Frage wird durch eigene kleine Produktionen/Mitschnitte der TeiilnehmerInnen bearbeitet und besprochen.
Dazu sehen wir uns gemeinsam an, wie sich andere WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen mit diesen Fragen beschäftigt haben. Wir SPRECHEN über die Rolle von Sprache, wir LESEN zusammen theoretische Texte (Philip Auslander u.a.), und wir BETRACHTEN Material. Beispielsweise ist Tino Sehgals Arbeit mit dem Publikum, mit "Interpreten", aber auch seine radikale Ablehnung des Dokumentierens hier exemplarisch; welche Rolle spielt das 'Aufzeichnen', spielen Kamera und Internet für Francis Alÿs, für The Bakery oder Forced Entertainment, Waled Raad/The Atlas Group?; das Format der Lecture Performance inszeniert die Frage von Vorschrift und Aufführung auf eigene Art; "Medien" im engeren Sinne (Fernsehen, Presse, Internet) spielt eine zentrale Rolle für die Aktionen der Polit/Kunst/Aktivisten The Yes Men: Wie können sie sich das Wissen um die zeitlich nachgeordnete, die Abbildungsfunktion dieser Medien zunutze machen? Und schließlich HÖREN wir und diskutieren mit Gästen: Am 22.11.11 stellt Birgit Hein ihre Arbeit mit dem Expanded Cinema vor und damit in die grundlegende Produktivität der Medien in dieser Kunstform: Wie macht die Projektion den Raum? Am 6.2.12 erläutert Theaterformen-Festivalleiterin Anja Dierks im Gespräch mit Sylvia Franzmann, wie die Videoaufzeichnungen von Theater- und Performanceaufführungen Eingang in die Festivalarbeit, das Kuratieren, aber auch das Präsentieren des Festivals auf der Webseite finden.

Di 15.00-18.15, zweiwöchentlich/vierstündig, Beginn zweite Semesterwoche
Termine: 1.11., 8.11., 22.11., 6.12.2011, 10.1.2012, 24.1.2012, 7.2.2012
Raum: Klasse Asta Gröting), Ausnahme: Expanded Cinema - Vortrag von Birgit Hein am 22.11.11 in der Filmklasse
für BA-Studierende: Übung (M3b)

Hinweisen möchten wir außerdem auf das Projektmodul von Matthias Anton ("fort/da"), das speziell die Medien auf der Bühne untersuchen wird.

--

Sommersemester 2011

Gender in Progress
Di 9.45-13 h, vierzehntägig, Beginn zweite Semesterwoche
M4, Raum 53/25

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Geschlecht ist irgendwie konstruiert, und die Medien spielen sicher eine Rolle darin... aber nochmal genau: Sind nur *Bilder* vom Geschlecht konstruiert, kann man Stereotypen also einfach aufklären, oder wie soll man das denken, Geschlecht 'selbst' sei immer schon konstruiert? Das Seminar will den radikaleren konstruktiven Ansatz verfolgen, auf die Probe stellen und in zwei Punkten weiterentwickeln:
Erstens. Wenn Geschlechter und Medien gemeinsam haben, dass sie sinnvollerweise nur als solche im Werden angesprochen werden können, wenn *content* genausowenig Schicksal ist wie *sex*, dann ist zu fragen: Was, zweitens, geschieht mit dieser analogen Situation, wenn es nicht mehr um Zwei, Männlichkeit und Weiblichkeit, um Vorher und Nachher, um Inhalt und Form, geht, sondern um Transgression?
Im Seminar werden wir diese Frage am Schwerpunkt Transsexualität verfolgen. Zur Debatte steht dabei vielfältiges Material von naturwissenschaftlichen Dokumentationen über Spielfilme bis zu neueren Inszenierungsformen.
Eine Mini-Klausur zu Grundbegriffen der Gender Studies in der zweiten Sitzung ist Teilnahmepflicht - da das Seminar vierzehntägig stattfindet, können NachzüglerInnen nur in Ausnahmefällen nach individueller Absprache noch einsteigen.

Standpunkte. Weltkonstruktionen im Auge
Oberseminar, zusammen mit Prof. Dr. Victoria von Flemming
Do 9.00-11.30 h, Raum 01/304

Das Wissen von der Welt geht durchs Auge. Standpunkte, point of views, bestimmen von Anfang an, wie wir wahrnehmen – und sie sind Indikatoren dessen, was man Subjektivität nennt. Seit Erfindung der Zentralperspektive hat sich die Sicht auf die Welt immer wieder verändert, und die Erfindung von Projektionsverfahren zur Herstellung von Karten oder Panoramen, von Fotografie und Film bis hin zu Google Earth zeigt, dass wir Teil einer Geschichte sind, die sich als eine Modernisierung im Sinne einer Mechanisierung des Sehens fassen ließe. Was bedeutet das aber für die mit der Geschichte der Wahrnehmung verknüpften Entwürfe des Subjekts - inmitten einer Ubiquität von Kameras und screens? Gibt es eine Auflösung der Bindung von Blick und Ich, die statt der Rede vom Ich von einem imaginären Wir zu reden verlangt?
In diesem für Kunst- und MedienwissenschaftlerInnen konzipierten, interdisziplinären Seminar sollen relevante Etappen der Standpunktveränderungen zwischen Zentral- und Multiperspektivität dargestellt und unter Berücksichtigung der einschlägigen Forschungsliteratur diskutiert werden.

Standpunkte - die Übung
Eine Übung zum Seminar wird in Form eines Workshops mit Vorträgen u.a. von Gertrud Koch, Petra Löffler, Tanja Michalsky, Stefanie Diekmann, Peter Bexte am 30.6. und 1.7.2011 angeboten. Das Programm im PDF finden Sie hier. Weitere Informationen: m.neermann@hbk-bs.de

Affen. Eine mediale Zoologie

Master-Seminar, zusammen mit Prof. Dr. Rolf Nohr
Di 9.45-13 h, vierzehntägig, Beginn erste Semesterwoche

"Unsere nächsten Verwandten" fordern eine enorme Bildproduktion heraus. Evolutionäre Verbindungslinien oder die Formel vom Gegensatz zwischen Natur und Kultur werden an ihnen bearbeitet: Wilder King Kong versus weiße Frau - edler Tarzan zwischen Menschenaffen und Schrifterwerb - Werkzeuggebrauch als Missing link zwischen primitiven und technoiden Wesen... Was sagen uns Wissenschaftsgeschichte und Science Fiction über die Natur unseres Selbstbilds?
Ein begleitender Besuch von Seminar und Übung zum "Dinosaurier" (Hanke) wird empfohlen.
 

Wintersemester 2010/2011:

Anfassen - Haptische Medien
M3, Di. 15 h, 53/25
Sich nahe sein, verbunden sein, Eindrücke sammeln, Abdrücke hinterlassen, etwas begreifen und an den Grenzen durchlässig werden: Eigentlich sind unsere taktilen Sinne zu vielen medialen Anschlüssen und Übersetzungen geeignet. Dass die Haptik gegenüber Optik und der Akustik in der Philosophie- und Ästhetikgeschichte des Abendlands stets eine untergeordnete Rolle spielte, steht im Gegensatz zur Aufwertung der taktilen Sinne vor allem im Zusammenhang mit den elektronischen Medien. Das Seminar verfolgt die ästhetischen Theorien in ihren Sinneshierarchien über Figuren des Eintauchens, der Taste, des "körperlichen Sehens" bis hin zu Lügendetektoren und neuen haptischen Interfaces.

Das Neue und die Kunst des Forschens. Wissenschaft, Kunst, Medien
Master, Mo. 16.45 h, 53/25
Ab wann war das Telefon neu? Wie lange brauchte das Internet, um neu zu sein? Ist nicht jedes Medium der Inhalt eines anderen (McLuhan)? Der Begriff des Neuen scheint durch Werbung inflationär ausgehöhlt, durch Sampling, Intermedialität oder Remediation irrelevant oder kulturindustriell zur ewigen Wiederholung verdammt. Und dennoch gibt es sogar in einer Zeit der rasenden Innovationen den Eindruck von Neuem, so wie sich in wissenschaftlichen Laboren unerwartete Erkenntnisse einstellen, in künstlerischen Praktiken Unplanbares entsteht, Technologien sich unkalkulierbar entwickeln. Wir verfolgen die Idee, etwas sei neu, in diesen drei Bereichen: Über Wissenschaftsgeschichte und "Bricolage", den Geniebegriff und das Improvisieren bis hin zu 'neuen Medien' - und was sie dazu macht.

Globale Bildpolitiken: Zur Sichtbarkeit des Anderen
zusammen mit Kathrin Peters
M3, Blockseminar, erste Sitzung: 30.11.2010, 12 h, Fr/Sa., 21./22.1.2011, und Fr./Sa., 4./5.2.2011, 53/25
Europa hat auf den Globus aus einer Perspektive geblickt, die auch die postkoloniale Zeit noch bestimmt. Im Seminar wird nach den verschiedenen westlichen Bildern der Globalität und ihrer Anderen gefragt: von den Kolonialmuseen und Archiven des späten 19. Jahrhunderts über die Bildpolitik zur Migration bis zu künstlerischen Projekten, die sich mit der Kolonialgeschichte beschäftigen. Historisch und medial verschiedene Visualisierungsstrategien des Eigenen und des Fremden lassen sich mit Judith Butlers und Tom Holerts Texten zu Sichtbarkeit/Nicht-Sichtbarkeit des Krieges verfolgen: Welche Rolle spielt Visualität im "Denken des Anderen"? Wie strukturieren räumliche Figuren von "Gegenüber", Übertragung, Begrenztsein, flächiger Vernetzung usw. sowohl Medientheorie als auch die Konzeption des globalen Anderen? Wie kann man sich das vorstellen: Aliens R Us?


Sommersemester 2010

Die Farbe Weiß. Postkoloniale Theorie und Medienwissenschaft
Sem., MA, do. 13.15 h, Raum 53/05

Ist Weiß eine Farbe, oder ist weiß die Abwesenheit von Farbe, ihr Nullpunkt, ein unsichtbarer Maßstab, von dem aus die Matrix der Farben erst definiert wird? Kulturhistorisch assoziiert mit Weisheit, Reinheit und einer 'Nähe zum Licht', ist weiß ebenso eine politische Farbe. Richard Dyer rekonstruierte die technischen und inszenatorischen Bedingung für die Darstellungen möglichst weißer Menschen im Film, und die Critical Whiteness Studies arbeiten daran, die Konstruiertheit der weißen Norm sichtbar zu machen. Im Seminar wird es sowohl um die "Privilegierung von Unsichtbarkeit" als Pendant und Bedingung zur Diskriminierung Schwarzer Menschen gehen gehen als auch um Konzepte aus den Postcolonial Studies, um den Black Atlantic oder um Hybridität.
Bestandteil des Seminars ist ein Workshop am Donnerstag, den 10.6.2010, HBK (Raum 1/304):

 

Workshop am Donnerstag, den 10.6.2010, HBK, Johannes-Selenka-Platz 1, Raum 01/304

Farbige Bilderpolitik.
Workshop zur post/kolonialen Bildproduktion

"Farbig" ist bunt, vielfältig, aber auch ein ambivalentes Wort: Farbig sei, wer nicht weiß und nicht schwarz ist, ordnete die koloniale Rassenlogik an. Vermischungen wären dann unsauber oder bestenfalls in eine neue Kategorie zu packen, damit die Kategorien erhalten bleiben. Diesen kolonialen Mustern will sich der Workshop in verschiedenen Medien widmen:
Beim "Cake walk", einem Modetanz um 1900, tanzten die Weißen die Bewegungen nach, die Schwarze als Parodie der Bewegungen ihrer weißen Herren entwickelt hatten - oder wie verläuft die Geschichte von Aneignung und Zitat (Astrid Kusser)? Im ersten Tonfilm "The Jazz Singer" von 1927, berühmt für seine Gesangsnummern, verdanken sich diese nicht nur der neuen Tontechnik, sondern auch der Geschichte des Blackface (Lisa Gotto). Eine weitere auch mediale Wanderung zeichnet schließlich die Geschichte der sogenannten "Hottentotten-Venus" nach, deren Zuschaustellung durch europäische Jahrmärkte, Medizinalstuben und Museen ab 1810 bis ins Jahr 2002 reicht (Kerstin Brandes).
In wessen Hand die jeweiligen Bilder produziert wurden, wie sie hegemoniale oder subalterne Blicke zeigen, wird an Beispielen des frühen 20. und des frühen 21. Jahrhunderts diskutiert. Im Rahmen des Seminars "Die Farbe Weiß. Postkoloniale Theorie und Medienwissenschaft" versammelt dieser Workshop verschiedene Perspektiven auf den Umgang mit postkolonaler Bildergeschichte bzw. Gegenwärtigkeit. Einleitend geht es um das Braunschweiger Kolonialdenkmal und damit auch um Spuren einer oft vergessenen Kolonialgeschichte zu Hause (Nina Arndt).

15.15 h Prof. Dr. Ulrike Bergermann: Begrüßung
15.30 h Nina Arndt (HBK): Das Braunschweiger Kolonialdenkmal
Moderation: Dr. Kathrin Peters (HBK)

16.00 h Astrid Kusser (Universität zu Köln): Der Cake Walk - koloniales Tanzen zwischen Herrschaft und Aneignung
Moderation Prof. Dr. Rolf F. Nohr (HBK)

17.00 h Gastprofessorin Dr. Lisa Gotto (Internationale Filmschule Köln): Grenzwertig: "The Jazz Singer". Schwarz und weiß im ersten Tonfilm 1927
Moderation Dr. Ilka Becker, IKW

18.00 h Dr. Kerstin Brandes (Universität Oldenburg): Die "Hottentotten-Venus" - Aneignungsstrategien und migrierende Bilder
Moderation Dr. Alma-Elisa Kittner, IKW

Die Veranstaltung wird unterstützt von der Forschungskommission der HBK und dem Braunschweiger Zentrum für Gender Studies

 

 

--

Klima und Katastrophe
zusammen mit Ilka Becker (IKW)
Seminar, M4, di 16.45 h, Raum 1/304

Klima und Katastrophe bilden eine Alliteration, die in den letzten Jahren häufig geworden ist: das eine gehört zum anderen. Künstlerische Ansätze und mediale Umsetzungen reflektieren und kommentieren das Tableau von Bedrohungsszenarien, Wissenschaftskritik und politischen Globalversuchen bis zu Migrationsbewegungen und individuellen Überlebensstrategien. Welche Visualisierungsmodi, Rhetoriken und Bildpolitiken bilden sich in diesem Prozess heraus? Wie adressieren die als minoritär erachteten Diskurse die hegemonialen Positionen von Big science bis Big government?

Zwei öffentliche Gastvorträge sind Teil des Seminars:
Tobias Conradi (Universität Paderborn), "Treibstoff der Wirbelstürme" – Katastrophen-Diskurse am Beispiel des "Hurrikans Katrina" (1.6.2010) und
Florian Wüst (Kurator, Berlin): Fürchten und Hoffen. Filmische Inszenierungen des Klimawandels (15.6.2010)

--

Adopt-a-car: Die Autostadt Wolfsburg. Event - Objekt - Location
mit Kathrin Wildner (Stadtethnologie, Viadrina-Universität Frankfurt/Oder)
Übung, M2, Blockseminar/Exkursion

Die "Autostadt" ist ein doppelter Name: Eigentlich ist Wolfsburg eine Autostadt, insofern sie eigens für die Produktion der "Volkswagen" aufgebaut wurde; gleichzeitig bezeichnet "Autostadt" ein Gelände, auf dem man Eintritt dafür bezahlt, Markeninszenierungen zu betrachten. Hier überlagern sich Konsum und Unterhaltung auf ungewohnte Weise. In einem Pavillon kann man seinen Neuwagen persönlich abholen, eine Dauerausstellung zeigt die Geschichte des Autos, Wechselausstellungen z.B. zur ökologischen Nachhaltigkeit ("Level Green") oder eine Fahrschule für Kinder ("MobiVersum") schaffen Akzeptanz für eine autozentriere Verkehrspolitik, und die Markenpavillons versprechen Erlebniswelten, in denen die "Philosophie" der einzelnen Automarken aufwendig in Szene gesetzt wird. Im zehnten Jubiläumsjahr ist jetzt weniger von der Geschichte der Autostadt Wolfsburg die Rede, die von ihrer Gründung 1938 bis 1945 "Stadt des Kraft-durch-Freude-Wagens" hieß (der KdF-Wagen war der Käfer). Heute steht der Name "Autostadt" vielmehr für eine "Kommunikationsplattform" des VW-Konzerns. Diese will das Seminar in drei Schritten erkunden.
Nach einer verpflichtenden organisatorischen Vorbesprechung und thematischen Einführung geht es in einer zweiten Sitzung um die Themen Branding, Erlebniswelten und die Selbstdarstellung der Autostadt. Kathrin Wildner von der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder wird uns in die Methoden der Stadtethnologie und der Raumerkundung einführen. Der erste Besuch der Autostadt dient dieser Erkundung von Gelände und Pavillions und ihrer Auswahl: Beim zweiten Besuch referieren Sie über eine Markeninszenierung, ein Geländemerkmal, das crowd management oder das Design eines Pavillons: Adopt-a-car!

Termine: Einführung: do., 15.4.2010, 16.00-17.00, Raum 53/05
Branding und Raumerkundung: do., 29.4.2010, 15.30- 18.30 h, Raum t.b.a.
Erste Exkursion: fr., 28.5.2010, ganztägig
Zweite Exkursion: fr., 18.6.2010, ganztägig

--

Seminare im WS 2009/2010

Seminar (M3)
Kulturgeschichte der Verwandtschaft

Mit jemandem verwandt zu sein, erscheint uns als das Natürlichste von der Welt. Doch das heutige Modell der kleinfamilialen Reproduktion, das mit "Verwandtschaft" assoziiert wird, unterliegt großen historischen Wandlungen. In verschiedenen Zeiten, Religionen, naturwissenschaftlichem Wissenformen und Machtstukturen gab es verschiedene Formen des Zusammenlebens und des sich zugehörig Fühlens. Bilder von der Abstammung, Bilder der Ähnlichkeit oder auch nur - der Wortbedeutung von "verwandt" bis ins 17. Jahrhundert folgend - des sich nahe Fühlens, einer konstatierten Ähnlichkeitsbeziehung im Gemüt, demonstrieren die kulturelle Konstruktion und Langlebigkeit des Begriffs. Das Seminar verfolgt diese von der Ikone der Heiligen Familie und ihren Folgen, der Erfindung der Kindheit, Öffentlichkeit und Privatheit, anthropologischen und Evolutionstheorien über Konzepte von "Generationen", "Rassen", "Biomacht" und Reproduktionstechnologien bis zum neuen "belonging".

Seminar (M1)
Bilder des Computers 1940-1980

Thema des Seminars sind die Imaginationen der Gebrauchsmöglichkeiten "des Computers". Was ein Computer ist, addiert sich nicht nur in der Technikgeschichte aus einer Vielzahl von Geräten, sondern entsteht auch im kulturellen, kollektiven Bild dessen, was eine große Rechenmaschine tun und bewirken kann. Obwohl man schon in der Antike von Rechenmaschinen sprechen kann und das Wort "computer" aus dem lateinischen computare (berechnen) für mittelalterliche Astronomen überliefert ist, beginnt "der Computer" als englische Bezeichnung für große nichtmenschliche Rechner erst in den 1940er Jahren eine spezielle Geschichte - von Räumen voller Bauteilen bis zu den Desktops der 1980er Jahre: Teile einer Archäologie der Bilder von künstlicher Intelligenz. Führen diese Geräte ein Eigenleben? Kann man menschliche Existenz nachbauen und dann sich selbst überlassen? Spiegelt sich darin eine menschliche Mechanizität, die vorher nicht in den Blick kam? Können die Intelligenzen verschmelzen oder treten sie in Konkurrenz? Wir starten mit Texten von Wiener, Turing und von Neumann um 1940 und verfolgen dann angloamerikanische Bilder von Wahrnehmungserweiterungen, Kontrollphantasien, kybernetischen Organismen und neuen Handlungsoptionen bis hin zu den Immersionsbildern des beginnenden Miniaturisierungs- und Internetzeitalters.

Übung (M1)
Adopt-a-book 2: Medienphilosophie

Sind unsere Begriffe von der Welt nur wie Schatten der Dinge? Ist virtuell das Gegenteil von real? Gibt es ein richtiges Leben im falschen? In dieser Übung geht es darum, die wichtigsten Positionen aus dem Bereich der Medienphilosophie kennenzulernen: Durch Ihre Vermittlung! Es gilt also: Adopt-a-philosopher.

Ihre Aufgabe ist es, anhand von Überblickstexten und gezielten Ausschnitten aus Primärtexten Ihres gewählten Autoren in die grundlegenden Thesen und Fragen der einzelnen Autoren einzuführen: Erstens durch einen 3-4seitigen Input, der Ihre Lektüre und die Erkenntnisse daraus nachvollziehbar macht, und zweitens durch die Auswahl geeigneter Passagen und Thesen für eine gemeinsame, von Ihnen vorbereitete Lektüre und Diskussion.
Alle Texte werden auf Stud-IP zum Download angeboten - sowohl die Hintergrundtexte für die ReferentInnen (und alle Interessierte) als auch diejenigen Passagen, die einer gemeinsamen Lektüre unterzogen werden.
Zur Entspannung sehen wir zwischendurch Filmportraits einzelner Autoren.


Masterseminar, zusammen mit Heike Klippel
Zeit

Im Seminar werden Basis-Texte zum Begriff der Zeit gelesen, und das sind ebenso theoretische Texte wie solche, die die Zeitlichkeit einzelner Medien untersuchen - und damit die Verschränkung von Medien und Theorie. Denn die Zeit ist ein grundlegendes Prinzip, dem die materielle Welt unterworfen ist. Zeit kann gefühlt und gemessen werden, d.h. sie ist eine subjektive Wahrnehmung und eine objektive Gegebenheit. Zeit kann strukturiert und rhythmisiert werden, sie ist begrenzt, aber wer zuviel Zeit hat, langweilt sich. Zeitlichkeit ist wichtig für Vergänglichkeit, Wiederholung und für das Neue, Zukünftige - und all das denken wir durch Medien... Voraussetzung für die Seminarteilnahme ist die Bereitschaft, Bezüge zwischen Theorie und Praxis, zwischen Texten und Medienbeispielen zu entwickeln.

Master, Übung
Zeit

Die Übung zur ZEIT wird besonders die Visualisierungsstrategien im Bewegtbild analysieren: Welche Strategien sollen zu bestimmten Zeiterfahrungen führen, welche Codes signalisieren "Echtzeit", Zeit als Bedingung für Wahrnehmung, Geschichte oder Ereignis - oder auch: für Zeitschleifen? Gibt es einen performativen Umgang mit zeitbasierter Narration, mit Zeit als dem Grundraster von Produktions- und Rezeptionsbedingungen, der Matrix von Handlungsabläufen oder ihrem Gegenteil, der technologischen Sektion von Prozessen, der Visualisierung von Unsichtbarem, "Optisch-Unbewusstem", dem historischen Charakter des scheinbar Überhistorischen, der erkenntniskritischen Funktionen von Zeitschleifen, dem Sinn der Ästhetik von Langeweile, dem Gewinn von Tempo und Hektik, dem Zweifel an der Chronologie...?

--

SoSe 2009

Datenkrake? Archivtheorien und Google
Basismodul Analyse, Di 11.30 h

Das ganze Internet herunterladen, das Wissen der Welt speichern: Das waren frühe Ziele von Google. Die Suchmaschine Google ist für viele, in Deutschland für über 80% der Benutzer, zur ersten Anlaufstation für Webseiten geworden. Damit wäre Google der Gatekeeper des Internet: Nur die Webseiten, die indiziert, gerankt und 'gespeichert' wurden, erscheinen als Ergebnisse der Google-Suche, und nur diejenigen, die unter den ersten 10-30 Treffern landen, werden auch wirklich aufgerufen. Der Zugang zum "Wissen der Welt", insofern es online zu finden ist, wird von Googles Algorithmen verwaltet. Das hat Konsequenzen für unsere kulturhistorische Tradition der Verwaltung von Wissen. Verkörpert sich hier Foucaults Definition vom Archiv als dem "Spiel der Regeln, die in einer Kultur das Auftreten und das Verschwinden von Aussagen, ihr kurzes Überdauern und ihre Auslöschung, ihre paradoxe Existenz als Ereignisse und als Dinge bestimmen"?
Im Seminar beschäftigen uns mit den entsprechenden Theorien und Mediengeschichten: Theorien von Gedächtnis und Archiv, Logiken von Bibliotheken und Enzyklopädien, oder mit dem Projekt der "Universalbibliothek", aber auch mit der Frage nach Überwachung und Kontrolle. Die zahlreichen Google-Dienste neben der Suchfunktion sammlen riesige Datenmengen, deren mögliche Verknüpfung die Frage nach der Geschichte des Sammelns und Speicherns radikal umkrempeln können.
--

Handicap. Zur Mediengeschichte der Behinderung
Modul: Basis Medientheorie, Di 16.45 h

Es gibt eine klassische Hierarchie der Sinne – und wem einer fehlt, der kann der Weisheit oder dem Wort Gottes nicht so nahe kommen wie die, die sehen, hören, fühlen usw. können. Es gibt eine körperliche Normalität, die einem Normalismus engstens verwandt ist. Behinderungen machen diese Grenzen, Hierarchien und Normen deutlich. Das Seminar verfolgt sie in der Geschichte ihrer Ausgrenzung, aber auch ihrer Produktivität: Die Schreibmaschine wurde als Hilfe für Blinde erfunden, die Politiken gegen die "Taubheit" brachten Sprechmaschinen hervor, Gebärdensprache soll dem ursprünglichsten Ausdruck des Menschen am nächsten sein... Inszenierungsstrategien für körperliche Behinderungen in Film und Fotografie sind ebenso Thema des Seminars wie Grundlagentexte aus Ästhetik und Mediengeschichte - sowie ein Ausblick auf aktuelle Disability Studies und neue Bilderpolitiken.
--

WeltBilder – Medien und Globalisierung
Modul: Aufbau Medientheorie , Mi 13.15 h

Kann man die Erde sehen? Ist Globalisierung unsichtbar? Und: Wie bestimmten Medien das Bild der Welt? In dieser Übung geht es darum, verschiedene Bildgenres und Visualisierungstechniken auf ihre Modi der Abbildung der Erde, der Darstellung des Planeten oder der Inszenierung von Globalisierung hin zu prüfen.
Vor dem Hintergrund von Texten über weltumspannende Medien, die Vermessung des Raums und die Geschichte verschiedener Telemedien betrachten wir exemplarische Bildfelder:
1. Eroberungsreisen (koloniale Erkundungen, Kartografie; Raumfahrtabenteuer; Begegnung mit dem anderen und der Blick zurück auf das Eigene); 2. Konstruktionen von Ganzheit (das Foto des Blauen Planeten; die Erfindung Europas; das Genre Infografik; das Genre Weltausstellung),
3. Darstellung globaler Klimakatastrophen (wissenschaftliche Bilder; Simulationstechniken; Al Gore...).
Im jeweiligen Zusammenspiel von Medientechniken und kulturellem Imaginären entsteht das Wissen von der ganzen Welt.
--

Adopt-a-book: Gender und Medien
Übung, Blockseminar

Rezensionen halten eine community am Leben und kommunizieren Entwicklungen in der Rezeption. Das Verfassen und Zirkulieren von Buchbesprechungen - von wissenschaftspolitisch motivierten Verrissen bis zur Werbung - ist nicht nur für die Weiterentwicklung von Forschungsrichtungen sehr wichtig. Vielmehr sind das poiniterte Herausarbeiten von Argumentationssträngen, das Einordnen in plausible Kontexte und das nachvollziehbare Kommentieren Fertigkeiten, die für das wissenschaftliche Arbeiten insgesamt qualifizieren.
Zunächst werden wir exemplarische Rezensionsessays gemeinsam analysieren - und dann Ihre Rezensionen! Denn "Adopt-a-book" heißt: Sie sind für ein Buch zuständig, für das Verfassen einer Rezension dieses Buchs, Sie präsentieren es dem Seminar vor dem Hintergrund vorher diskutierter Kriterien. Außerdem machen wir uns mit den Orten und Organen bekannt, an denen medienwissenschaftlich relevante Rezensionen erscheinen.
Am Beispiel von Neuerscheinungen im Bereich der Gender Studies bringen wir uns zudem auf den aktuellen Stand dieser Forschung.
Diese Übung ist die erste einer Reihe, in der es weniger um den Erwerb überblicksartiger Kenntnisse oder das Einarbeiten in ein medienwissenschaftliches Forschungsfeld geht, sondern um konzentrierte, kleinformatige Lektüren oder Textproduktionen.
1.Termin: 16.4.09, 12.30 h, Raum 05, Blockseminare voraussichtl.19./20. und 25./26.6.09.

zurück