Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2010/11:
Anfassen - Haptische Medien
M3, Di. 15 h, 53/25
Sich nahe sein, verbunden sein, Eindrücke sammeln, Abdrücke hinterlassen, etwas begreifen und an den Grenzen durchlässig werden: Eigentlich sind unsere taktilen Sinne zu vielen medialen Anschlüssen und Übersetzungen geeignet. Dass die Haptik gegenüber Optik und der Akustik in der Philosophie- und Ästhetikgeschichte des Abendlands stets eine untergeordnete Rolle spielte, steht im Gegensatz zur Aufwertung der taktilen Sinne vor allem im Zusammenhang mit den elektronischen Medien. Das Seminar verfolgt die ästhetischen Theorien in ihren Sinneshierarchien über Figuren des Eintauchens, der Taste, des "körperlichen Sehens" bis hin zu Lügendetektoren und neuen haptischen Interfaces.
Das Neue und die Kunst des Forschens. Wissenschaft, Kunst, Medien
Master, Mo. 16.45 h, 53/25
Ab wann war das Telefon neu? Wie lange brauchte das Internet, um neu zu sein? Ist nicht jedes Medium der Inhalt eines anderen (McLuhan)? Der Begriff des Neuen scheint durch Werbung inflationär ausgehöhlt, durch Sampling, Intermedialität oder Remediation irrelevant oder kulturindustriell zur ewigen Wiederholung verdammt. Und dennoch gibt es sogar in einer Zeit der rasenden Innovationen den Eindruck von Neuem, so wie sich in wissenschaftlichen Laboren unerwartete Erkenntnisse einstellen, in künstlerischen Praktiken Unplanbares entsteht, Technologien sich unkalkulierbar entwickeln. Wir verfolgen die Idee, etwas sei neu, in diesen drei Bereichen: Über Wissenschaftsgeschichte und "Bricolage", den Geniebegriff und das Improvisieren bis hin zu 'neuen Medien' - und was sie dazu macht.
Globale Bildpolitiken: Zur Sichtbarkeit des Anderen
zusammen mit Kathrin Peters
M3, Blockseminar, erste Sitzung: N.N., Fr/Sa., 21./22.1.2011, und Fr./Sa., 4./5.2.2011, 53/25
Europa hat auf den Globus aus einer Perspektive geblickt, die auch die postkoloniale Zeit noch bestimmt. Im Seminar wird nach den verschiedenen westlichen Bildern der Globalität und ihrer Anderen gefragt: von den Kolonialmuseen und Archiven des späten 19. Jahrhunderts über die Bildpolitik zur Migration bis zu künstlerischen Projekten, die sich mit der Kolonialgeschichte beschäftigen. Historisch und medial verschiedene Visualisierungsstrategien des Eigenen und des Fremden lassen sich mit Judith Butlers und Tom Holerts Texten zu Sichtbarkeit/Nicht-Sichtbarkeit des Krieges verfolgen: Welche Rolle spielt Visualität im "Denken des Anderen"? Wie strukturieren räumliche Figuren von "Gegenüber", Übertragung, Begrenztsein, flächiger Vernetzung usw. sowohl Medientheorie als auch die Konzeption des globalen Anderen? Wie kann man sich das vorstellen: Aliens R Us?
Sommersemester 2010
Die Farbe Weiß. Postkoloniale Theorie und Medienwissenschaft
Sem., MA, do. 13.15 h, Raum 53/05
Ist Weiß eine Farbe, oder ist weiß die Abwesenheit von Farbe, ihr Nullpunkt, ein unsichtbarer Maßstab, von dem aus die Matrix der Farben erst definiert wird? Kulturhistorisch assoziiert mit Weisheit, Reinheit und einer 'Nähe zum Licht', ist weiß ebenso eine politische Farbe. Richard Dyer rekonstruierte die technischen und inszenatorischen Bedingung für die Darstellungen möglichst weißer Menschen im Film, und die Critical Whiteness Studies arbeiten daran, die Konstruiertheit der weißen Norm sichtbar zu machen. Im Seminar wird es sowohl um die "Privilegierung von Unsichtbarkeit" als Pendant und Bedingung zur Diskriminierung Schwarzer Menschen gehen gehen als auch um Konzepte aus den Postcolonial Studies, um den Black Atlantic oder um Hybridität.
Bestandteil des Seminars ist ein Workshop am Donnerstag, den 10.6.2010, HBK (Raum 1/304):
Workshop am Donnerstag, den 10.6.2010, HBK, Johannes-Selenka-Platz 1, Raum 01/304
Farbige Bilderpolitik.
Workshop zur post/kolonialen Bildproduktion
"Farbig" ist bunt, vielfältig, aber auch ein ambivalentes Wort: Farbig sei, wer nicht weiß und nicht schwarz ist, ordnete die koloniale Rassenlogik an. Vermischungen wären dann unsauber oder bestenfalls in eine neue Kategorie zu packen, damit die Kategorien erhalten bleiben. Diesen kolonialen Mustern will sich der Workshop in verschiedenen Medien widmen:
Beim "Cake walk", einem Modetanz um 1900, tanzten die Weißen die Bewegungen nach, die Schwarze als Parodie der Bewegungen ihrer weißen Herren entwickelt hatten - oder wie verläuft die Geschichte von Aneignung und Zitat (Astrid Kusser)? Im ersten Tonfilm "The Jazz Singer" von 1927, berühmt für seine Gesangsnummern, verdanken sich diese nicht nur der neuen Tontechnik, sondern auch der Geschichte des Blackface (Lisa Gotto). Eine weitere auch mediale Wanderung zeichnet schließlich die Geschichte der sogenannten "Hottentotten-Venus" nach, deren Zuschaustellung durch europäische Jahrmärkte, Medizinalstuben und Museen ab 1810 bis ins Jahr 2002 reicht (Kerstin Brandes).
In wessen Hand die jeweiligen Bilder produziert wurden, wie sie hegemoniale oder subalterne Blicke zeigen, wird an Beispielen des frühen 20. und des frühen 21. Jahrhunderts diskutiert. Im Rahmen des Seminars "Die Farbe Weiß. Postkoloniale Theorie und Medienwissenschaft" versammelt dieser Workshop verschiedene Perspektiven auf den Umgang mit postkolonaler Bildergeschichte bzw. Gegenwärtigkeit. Einleitend geht es um das Braunschweiger Kolonialdenkmal und damit auch um Spuren einer oft vergessenen Kolonialgeschichte zu Hause (Nina Arndt).
15.15 h Prof. Dr. Ulrike Bergermann: Begrüßung
15.30 h Nina Arndt (HBK): Das Braunschweiger Kolonialdenkmal
Moderation: Dr. Kathrin Peters (HBK)
16.00 h Astrid Kusser (Universität zu Köln): Der Cake Walk - koloniales Tanzen zwischen Herrschaft und Aneignung
Moderation Prof. Dr. Rolf F. Nohr (HBK)
17.00 h Gastprofessorin Dr. Lisa Gotto (Internationale Filmschule Köln): Grenzwertig: "The Jazz Singer". Schwarz und weiß im ersten Tonfilm 1927
Moderation Dr. Ilka Becker, IKW
18.00 h Dr. Kerstin Brandes (Universität Oldenburg): Die "Hottentotten-Venus" - Aneignungsstrategien und migrierende Bilder
Moderation Dr. Alma-Elisa Kittner, IKW
Die Veranstaltung wird unterstützt von der Forschungskommission der HBK und dem Braunschweiger Zentrum für Gender Studies
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Klima und Katastrophe
zusammen mit Ilka Becker (IKW)
Seminar, M4, di 16.45 h, Raum 1/304
Klima und Katastrophe bilden eine Alliteration, die in den letzten Jahren häufig geworden ist: das eine gehört zum anderen. Künstlerische Ansätze und mediale Umsetzungen reflektieren und kommentieren das Tableau von Bedrohungsszenarien, Wissenschaftskritik und politischen Globalversuchen bis zu Migrationsbewegungen und individuellen Überlebensstrategien. Welche Visualisierungsmodi, Rhetoriken und Bildpolitiken bilden sich in diesem Prozess heraus? Wie adressieren die als minoritär erachteten Diskurse die hegemonialen Positionen von Big science bis Big government?
Zwei öffentliche Gastvorträge sind Teil des Seminars:
Tobias Conradi (Universität Paderborn), "Treibstoff der Wirbelstürme" – Katastrophen-Diskurse am Beispiel des "Hurrikans Katrina" (1.6.2010) und
Florian Wüst (Kurator, Berlin): Fürchten und Hoffen. Filmische Inszenierungen des Klimawandels (15.6.2010)
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Adopt-a-car: Die Autostadt Wolfsburg. Event - Objekt - Location
mit Kathrin Wildner (Stadtethnologie, Viadrina-Universität Frankfurt/Oder)
Übung, M2, Blockseminar/Exkursion
Die "Autostadt" ist ein doppelter Name: Eigentlich ist Wolfsburg eine Autostadt, insofern sie eigens für die Produktion der "Volkswagen" aufgebaut wurde; gleichzeitig bezeichnet "Autostadt" ein Gelände, auf dem man Eintritt dafür bezahlt, Markeninszenierungen zu betrachten. Hier überlagern sich Konsum und Unterhaltung auf ungewohnte Weise. In einem Pavillon kann man seinen Neuwagen persönlich abholen, eine Dauerausstellung zeigt die Geschichte des Autos, Wechselausstellungen z.B. zur ökologischen Nachhaltigkeit ("Level Green") oder eine Fahrschule für Kinder ("MobiVersum") schaffen Akzeptanz für eine autozentriere Verkehrspolitik, und die Markenpavillons versprechen Erlebniswelten, in denen die "Philosophie" der einzelnen Automarken aufwendig in Szene gesetzt wird. Im zehnten Jubiläumsjahr ist jetzt weniger von der Geschichte der Autostadt Wolfsburg die Rede, die von ihrer Gründung 1938 bis 1945 "Stadt des Kraft-durch-Freude-Wagens" hieß (der KdF-Wagen war der Käfer). Heute steht der Name "Autostadt" vielmehr für eine "Kommunikationsplattform" des VW-Konzerns. Diese will das Seminar in drei Schritten erkunden.
Nach einer verpflichtenden organisatorischen Vorbesprechung und thematischen Einführung geht es in einer zweiten Sitzung um die Themen Branding, Erlebniswelten und die Selbstdarstellung der Autostadt. Kathrin Wildner von der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder wird uns in die Methoden der Stadtethnologie und der Raumerkundung einführen. Der erste Besuch der Autostadt dient dieser Erkundung von Gelände und Pavillions und ihrer Auswahl: Beim zweiten Besuch referieren Sie über eine Markeninszenierung, ein Geländemerkmal, das crowd management oder das Design eines Pavillons: Adopt-a-car!
Termine: Einführung: do., 15.4.2010, 16.00-17.00, Raum 53/05
Branding und Raumerkundung: do., 29.4.2010, 15.30- 18.30 h, Raum t.b.a.
Erste Exkursion: fr., 28.5.2010, ganztägig
Zweite Exkursion: fr., 18.6.2010, ganztägig
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Seminare im WS 2009/2010
Seminar (M3)
Kulturgeschichte der Verwandtschaft
Mit jemandem verwandt zu sein, erscheint uns als das Natürlichste von der Welt. Doch das heutige Modell der kleinfamilialen Reproduktion, das mit "Verwandtschaft" assoziiert wird, unterliegt großen historischen Wandlungen. In verschiedenen Zeiten, Religionen, naturwissenschaftlichem Wissenformen und Machtstukturen gab es verschiedene Formen des Zusammenlebens und des sich zugehörig Fühlens. Bilder von der Abstammung, Bilder der Ähnlichkeit oder auch nur - der Wortbedeutung von "verwandt" bis ins 17. Jahrhundert folgend - des sich nahe Fühlens, einer konstatierten Ähnlichkeitsbeziehung im Gemüt, demonstrieren die kulturelle Konstruktion und Langlebigkeit des Begriffs. Das Seminar verfolgt diese von der Ikone der Heiligen Familie und ihren Folgen, der Erfindung der Kindheit, Öffentlichkeit und Privatheit, anthropologischen und Evolutionstheorien über Konzepte von "Generationen", "Rassen", "Biomacht" und Reproduktionstechnologien bis zum neuen "belonging".
Seminar (M1)
Bilder des Computers 1940-1980
Thema des Seminars sind die Imaginationen der Gebrauchsmöglichkeiten "des Computers". Was ein Computer ist, addiert sich nicht nur in der Technikgeschichte aus einer Vielzahl von Geräten, sondern entsteht auch im kulturellen, kollektiven Bild dessen, was eine große Rechenmaschine tun und bewirken kann. Obwohl man schon in der Antike von Rechenmaschinen sprechen kann und das Wort "computer" aus dem lateinischen computare (berechnen) für mittelalterliche Astronomen überliefert ist, beginnt "der Computer" als englische Bezeichnung für große nichtmenschliche Rechner erst in den 1940er Jahren eine spezielle Geschichte - von Räumen voller Bauteilen bis zu den Desktops der 1980er Jahre: Teile einer Archäologie der Bilder von künstlicher Intelligenz. Führen diese Geräte ein Eigenleben? Kann man menschliche Existenz nachbauen und dann sich selbst überlassen? Spiegelt sich darin eine menschliche Mechanizität, die vorher nicht in den Blick kam? Können die Intelligenzen verschmelzen oder treten sie in Konkurrenz? Wir starten mit Texten von Wiener, Turing und von Neumann um 1940 und verfolgen dann angloamerikanische Bilder von Wahrnehmungserweiterungen, Kontrollphantasien, kybernetischen Organismen und neuen Handlungsoptionen bis hin zu den Immersionsbildern des beginnenden Miniaturisierungs- und Internetzeitalters.
Übung (M1)
Adopt-a-book 2: Medienphilosophie
Sind unsere Begriffe von der Welt nur wie Schatten der Dinge? Ist virtuell das Gegenteil von real? Gibt es ein richtiges Leben im falschen? In dieser Übung geht es darum, die wichtigsten Positionen aus dem Bereich der Medienphilosophie kennenzulernen: Durch Ihre Vermittlung! Es gilt also: Adopt-a-philosopher.
Ihre Aufgabe ist es, anhand von Überblickstexten und gezielten Ausschnitten aus Primärtexten Ihres gewählten Autoren in die grundlegenden Thesen und Fragen der einzelnen Autoren einzuführen: Erstens durch einen 3-4seitigen Input, der Ihre Lektüre und die Erkenntnisse daraus nachvollziehbar macht, und zweitens durch die Auswahl geeigneter Passagen und Thesen für eine gemeinsame, von Ihnen vorbereitete Lektüre und Diskussion.
Alle Texte werden auf Stud-IP zum Download angeboten - sowohl die Hintergrundtexte für die ReferentInnen (und alle Interessierte) als auch diejenigen Passagen, die einer gemeinsamen Lektüre unterzogen werden.
Zur Entspannung sehen wir zwischendurch Filmportraits einzelner Autoren.
Masterseminar, zusammen mit Heike Klippel
Zeit
Im Seminar werden Basis-Texte zum Begriff der Zeit gelesen, und das sind ebenso theoretische Texte wie solche, die die Zeitlichkeit einzelner Medien untersuchen - und damit die Verschränkung von Medien und Theorie. Denn die Zeit ist ein grundlegendes Prinzip, dem die materielle Welt unterworfen ist. Zeit kann gefühlt und gemessen werden, d.h. sie ist eine subjektive Wahrnehmung und eine objektive Gegebenheit. Zeit kann strukturiert und rhythmisiert werden, sie ist begrenzt, aber wer zuviel Zeit hat, langweilt sich. Zeitlichkeit ist wichtig für Vergänglichkeit, Wiederholung und für das Neue, Zukünftige - und all das denken wir durch Medien... Voraussetzung für die Seminarteilnahme ist die Bereitschaft, Bezüge zwischen Theorie und Praxis, zwischen Texten und Medienbeispielen zu entwickeln.
Master, Übung
Zeit
Die Übung zur ZEIT wird besonders die Visualisierungsstrategien im Bewegtbild analysieren: Welche Strategien sollen zu bestimmten Zeiterfahrungen führen, welche Codes signalisieren "Echtzeit", Zeit als Bedingung für Wahrnehmung, Geschichte oder Ereignis - oder auch: für Zeitschleifen? Gibt es einen performativen Umgang mit zeitbasierter Narration, mit Zeit als dem Grundraster von Produktions- und Rezeptionsbedingungen, der Matrix von Handlungsabläufen oder ihrem Gegenteil, der technologischen Sektion von Prozessen, der Visualisierung von Unsichtbarem, "Optisch-Unbewusstem", dem historischen Charakter des scheinbar Überhistorischen, der erkenntniskritischen Funktionen von Zeitschleifen, dem Sinn der Ästhetik von Langeweile, dem Gewinn von Tempo und Hektik, dem Zweifel an der Chronologie...?
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SoSe 2009
Datenkrake? Archivtheorien und Google
Basismodul Analyse, Di 11.30 h
Das ganze Internet herunterladen, das Wissen der Welt speichern: Das waren frühe Ziele von Google. Die Suchmaschine Google ist für viele, in Deutschland für über 80% der Benutzer, zur ersten Anlaufstation für Webseiten geworden. Damit wäre Google der Gatekeeper des Internet: Nur die Webseiten, die indiziert, gerankt und 'gespeichert' wurden, erscheinen als Ergebnisse der Google-Suche, und nur diejenigen, die unter den ersten 10-30 Treffern landen, werden auch wirklich aufgerufen. Der Zugang zum "Wissen der Welt", insofern es online zu finden ist, wird von Googles Algorithmen verwaltet. Das hat Konsequenzen für unsere kulturhistorische Tradition der Verwaltung von Wissen. Verkörpert sich hier Foucaults Definition vom Archiv als dem "Spiel der Regeln, die in einer Kultur das Auftreten und das Verschwinden von Aussagen, ihr kurzes Überdauern und ihre Auslöschung, ihre paradoxe Existenz als Ereignisse und als Dinge bestimmen"?
Im Seminar beschäftigen uns mit den entsprechenden Theorien und Mediengeschichten: Theorien von Gedächtnis und Archiv, Logiken von Bibliotheken und Enzyklopädien, oder mit dem Projekt der "Universalbibliothek", aber auch mit der Frage nach Überwachung und Kontrolle. Die zahlreichen Google-Dienste neben der Suchfunktion sammlen riesige Datenmengen, deren mögliche Verknüpfung die Frage nach der Geschichte des Sammelns und Speicherns radikal umkrempeln können.
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Handicap. Zur Mediengeschichte der Behinderung
Modul: Basis Medientheorie, Di 16.45 h
Es gibt eine klassische Hierarchie der Sinne – und wem einer fehlt, der kann der Weisheit oder dem Wort Gottes nicht so nahe kommen wie die, die sehen, hören, fühlen usw. können. Es gibt eine körperliche Normalität, die einem Normalismus engstens verwandt ist. Behinderungen machen diese Grenzen, Hierarchien und Normen deutlich. Das Seminar verfolgt sie in der Geschichte ihrer Ausgrenzung, aber auch ihrer Produktivität: Die Schreibmaschine wurde als Hilfe für Blinde erfunden, die Politiken gegen die "Taubheit" brachten Sprechmaschinen hervor, Gebärdensprache soll dem ursprünglichsten Ausdruck des Menschen am nächsten sein... Inszenierungsstrategien für körperliche Behinderungen in Film und Fotografie sind ebenso Thema des Seminars wie Grundlagentexte aus Ästhetik und Mediengeschichte - sowie ein Ausblick auf aktuelle Disability Studies und neue Bilderpolitiken.
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WeltBilder – Medien und Globalisierung
Modul: Aufbau Medientheorie , Mi 13.15 h
Kann man die Erde sehen? Ist Globalisierung unsichtbar? Und: Wie bestimmten Medien das Bild der Welt? In dieser Übung geht es darum, verschiedene Bildgenres und Visualisierungstechniken auf ihre Modi der Abbildung der Erde, der Darstellung des Planeten oder der Inszenierung von Globalisierung hin zu prüfen.
Vor dem Hintergrund von Texten über weltumspannende Medien, die Vermessung des Raums und die Geschichte verschiedener Telemedien betrachten wir exemplarische Bildfelder:
1. Eroberungsreisen (koloniale Erkundungen, Kartografie; Raumfahrtabenteuer; Begegnung mit dem anderen und der Blick zurück auf das Eigene); 2. Konstruktionen von Ganzheit (das Foto des Blauen Planeten; die Erfindung Europas; das Genre Infografik; das Genre Weltausstellung),
3. Darstellung globaler Klimakatastrophen (wissenschaftliche Bilder; Simulationstechniken; Al Gore...).
Im jeweiligen Zusammenspiel von Medientechniken und kulturellem Imaginären entsteht das Wissen von der ganzen Welt.
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Adopt-a-book: Gender und Medien
Übung, Blockseminar
Rezensionen halten eine community am Leben und kommunizieren Entwicklungen in der Rezeption. Das Verfassen und Zirkulieren von Buchbesprechungen - von wissenschaftspolitisch motivierten Verrissen bis zur Werbung - ist nicht nur für die Weiterentwicklung von Forschungsrichtungen sehr wichtig. Vielmehr sind das poiniterte Herausarbeiten von Argumentationssträngen, das Einordnen in plausible Kontexte und das nachvollziehbare Kommentieren Fertigkeiten, die für das wissenschaftliche Arbeiten insgesamt qualifizieren.
Zunächst werden wir exemplarische Rezensionsessays gemeinsam analysieren - und dann Ihre Rezensionen! Denn "Adopt-a-book" heißt: Sie sind für ein Buch zuständig, für das Verfassen einer Rezension dieses Buchs, Sie präsentieren es dem Seminar vor dem Hintergrund vorher diskutierter Kriterien. Außerdem machen wir uns mit den Orten und Organen bekannt, an denen medienwissenschaftlich relevante Rezensionen erscheinen.
Am Beispiel von Neuerscheinungen im Bereich der Gender Studies bringen wir uns zudem auf den aktuellen Stand dieser Forschung.
Diese Übung ist die erste einer Reihe, in der es weniger um den Erwerb überblicksartiger Kenntnisse oder das Einarbeiten in ein medienwissenschaftliches Forschungsfeld geht, sondern um konzentrierte, kleinformatige Lektüren oder Textproduktionen.
1.Termin: 16.4.09, 12.30 h, Raum 05, Blockseminare voraussichtl.19./20. und 25./26.6.09.
