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Anthony McCall eröffnet neue Veranstaltungsreihe „Gegenwarts-Bildung: President's Choice“ an der HBK

Am Montag, den 23. April 2012 beginnt die fünfjährige Veranstaltungsreihe „Gegenwarts-Bildung: President's Choice“ an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Renommierte Gäste aus den Künsten, der Bildung, der Politik und der Ökonomie treffen sich hier, um über den Begriff „Gegenwart“ nachzudenken und zu diskutieren. „Gegenwart ist in der Zeit je anders begriffen worden, als ein Zustand oder aber als ein Übergang. Die Bildung von Gegenwart ist beseelt von Übersetzungen aus der Vergangenheit in die Zukunft und von der Frage, welche Möglichkeiten wir für die Gegenwart haben“, so Prof. Dr. Hubertus von Amelunxen, Präsident der HBK und Initiator der Veranstaltungsreihe. Großzügig unterstützt wird die Reihe von der Öffentlichen Versicherung Braunschweig.

Zum Auftakt wird der in New York lebende Künstler Anthony McCall (* 1946 in St. Paul’s Cray, England) die Hochschule besuchen. Er ist bekannt für seine einzigartigen Lichtinstallationen, die skulpturale, zeichnerische und filmische Aspekte in sich vereinen. Die spektakulären, begehbaren Inszenierungen bestehen aus dunklen Räumen, die mit einem feinen Nebel gefüllt und mit Lichtprojektionen bespielt werden. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe wird er seine Ausstellung am 23. April 2012 ab 19 Uhr in der Galerie der HBK mit einer Lecture und einer Präsentation zu seiner Arbeitsweise eröffnen. (Der Vortrag wird auf Englisch gehalten.) Die Ausstellung in der HBK findet parallel zu einer großen Werkschau McCalls statt, die vom 20. April bis 12. August 2012 im Nationalgalerie Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart in Berlin zu sehen ist. Die Website des Künstlers: www.anthonymccall.com

Ort: Galerie der HBK Braunschweig
Johannes-Selenka-Platz 1
38118 Braunschweig
Zeit: 24. April – 6. Mai 2012
Vortrag und Eröffnung: 23. April 2012, 19.00 Uhr
Öffnungszeiten: Mo–Sa: 13–18 h, Do: 13–20 h, So: 11–18 h.
Am 1. Mai von 13–18 h geöffnet.

Informationen zur Reihe Gegenwarts-Bildung: President's Choice

 

Die Veranstaltung "Gegenwarts-Bildung: President's Choice" wird in der Regel drei Termine pro Semester umfassen und jeweils in der Aula der HBK Braunschweig stattfinden. Sie soll für Braunschweig und die Region eine bedeutende Bereicherung des kulturellen Lebens und des gesellschaftlichen Austausches darstellen und weit über die Stadt hinaus wirken. Ein zusammenfassender Katalog sowie eine Online-Publikation werden jeweils zum Frühjahr eines Jahres erscheinen.

Der zweite Gast ist der chinesische Schriftsteller, Dichter und Musiker Liao Yiwu. Am 19. Juni 2012 liest er aus seinem Buch „Für ein Lied und hundert Lieder“ und gibt anschließend ein improvisiertes Konzert.

Die Namen weiterer Gäste der Reihe sind demnächst unter folgendem Link zu finden: http://hbk-bs.de/aktuell/veranstaltungen/details/16916/

 

Biografische Daten zu Anthony McCall

 

Anthony McCall wurde 1946 in St. Paul’s Cray in England geboren. Er lebt und arbeitet in New York.

1964 – 1968: Ausbildung zum Designer am Ravenbourne-Collage of Art and Design, London

1972 – heute: Filmemacher, Grafikdesigner und Installationskünstler

Auszeichnungen und Preise:
2008: John Simon Guggenheim Memorial Foundation Fellow
1975: Marie-Josi-Preis des 5. Internationalen Experimentalfilm-Wettbewerbs in Knokke für Line Describing a Cone

 

Der Kunsttheoretiker Johan Frederik Hartle über Anthony McCall

 

HINWEIS: Verwendung des folgenden Textes nur in Verbindung mit dem Namen des Autors!

Der britische Film- und Lichtkünstler Anthony McCall zählt auf dem Kunstmarkt zu den Wiederentdeckungen der letzten Jahre, obgleich seine Arbeit seit über dreißig Jahren einen großen Einfluss auf Künstlerkollegen ausübt und in ihrer zeitgenössischen Relevanz unumstritten ist.

Die Arbeiten des in New York lebenden Künstlers sind Hybridformen aus Performance und Experimentalfilm, die das Verhältnis von Zuschauer und Werk untersuchen und erweitern. Die Film-Installationen von Anthony McCall sind graphisch motiviert, werden filmisch verwirklicht und entfalten einen plastischen Effekt. Auf den einzelnen Bildern (Frames) einer Filmrolle entwickelt sich kontinuierlich eine Form, die durch den Filmprojektor in einen Nebel verhangenen Raum geworfen wird. Indem sich das Licht im Nebel fängt, entsteht eine durch Licht geschaffene Rauminstallation, die sich mit der Entwicklung der Linie im Film langsam verschiebt.

Mit seiner einflussreichen Arbeit „Line Describing a Cone“ (1973) hat McCall die Bedeutung von Licht und Luft paradigmatisch zum Thema gemacht. Über einen Zeitraum von 30 Minuten entsteht ein Ring, der als projiziertes Licht den Lichtkegel des Projektors wie als Tunnel räumlich nachvollzieht. „Doubling Back“ (2003) und „You and I, Horizontal“ (2005) sind Weiterentwicklungen dieses ursprünglichen filmischen Projekts. In ihnen entstehen Lichträume metaphorisch als sich verschränkende Wellen. Die Entfaltung der Linien und ihr Widerspiel lassen komplexe Zeiträume entstehen. Anstelle einer bloßen Linearität der Zeit sind in McCalls filmisch bewegten Linien deren Interferenzen und Falten konnotiert. Auf diese Weise spiegeln seine Timelines gerade die Ereignisdimensionen zeitlichen Geschehens.

Die historische Spannweite aus Gegenwart und Tradition wird ergänzt durch die mediale Vielfalt, die Anthony McCall immer wieder in einem einzigen Akt vereinigt. Seine Filminstallationen entfalten, als Ensembles von diversen Medien und Genres. McCalls Arbeiten sind zugleich Graphik, Film, Installation und mobile Skulptur. Sie verfahren kontrastreich im Umgang mit Licht und Dunkelheit, formal reduziert und sind dennoch von komplexer Dramaturgie. Auf diese Weise steht McCall im Kontext der Konzeptkunst und Minimal Art im Umfeld von Carl Andre, Sol Lewitt und Donald Judd, inspirierte seinerseits Anarchitekturen Gordon Matta-Clarks. Sein Werk kann als ein Schlüsselmoment des Experimentalfilms gelten und korrespondiert als Lichtkunst ebenfalls mit Arbeiten von Dan Flavin oder James Turrell.

Die Lichtinstallationen Anthony McCalls, die seit den frühen 1970er Jahren mit der plastischen Wirkung von Licht und Nebel experimentieren, sind insbesondere in den letzten Jahren zu einem Highlight des internationalen Kunstgeschehens geworden. Neuere Arbeiten McCalls gewinnen mit der komplexen Kommunikation und Metamorphose graphischer Formen eine narrative Dimension hinzu, die nicht selten – in trocken allegorischer Form – durch die Titel suggeriert werden. In der Horizontalprojektion „You and I, Horizontal“ näherten sich Linie und Kurve einander an, bis es zu einer verschwindend kurzen Vereinigung kam.

Der Geniestreich McCalls besteht darin, dieses umfassend intermediale und narrative Programm mit den reduzierten Mitteln aus Nebel und Licht zu realisieren und dabei jeden Kommentator seiner Arbeiten durch die sinnliche Präsenz seiner Arbeit schlichtweg in den Schatten zu stellen. Das Raumerleben der Lichträume McCalls ist in letzter Instanz unbeschreiblich, weil es sich auf der Ebene synästhetischer Raumwahrnehmung im Nebel und Dunkel der Atmosphäre vollzieht. Das ambitionierte Programm des ästhetischen Modernismus wurde selten so prägnant gefasst wie in Mies van der Rohes Formel: Less is more. McCall macht aus dem Wenigen von Licht und Nebel unendlich viel. Er ist ein Virtuose geometrisch exakter Gedankenführung, der mit Licht und Geometrie Geschichten schreibt.

 

Freigegebene Pressebilder zur Verwendung

 
Anthony McCall: "You and I, Horizontal", 2005, digitale Projektion und Kunstnebelgerät, 50-Minuten-Zyklus in sechs Teilen.

vergrößern Anthony McCall: "You and I, Horizontal", 2005, digitale Projektion und Kunstnebelgerät, 50-Minuten-Zyklus in sechs Teilen.


Anthony McCall: "You and I, Horizontal", 2005, digitale Projektion und Kunstnebelgerät, 50-Minuten-Zyklus in sechs Teilen.

vergrößern Anthony McCall: "You and I, Horizontal", 2005, digitale Projektion und Kunstnebelgerät, 50-Minuten-Zyklus in sechs Teilen.


Zuletzt bearbeitet von Referat Presse und Kommunikation am 13.06.2012

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