Once upon a time 2006
© Corinna Schnitt
Am 26. Oktober 2010 um 19 Uhr wird die Einzelausstellung der Videokünstlerin und HBK-Professorin Corinna Schnitt eröffnet. Die Begrüßungsansprache hält der neue Präsident der HBK Braunschweig, Prof. Dr. Hubertus von Amelunxen in der Aula der Hochschule. Eine Einführung in die Ausstellung gibt Dr. Ilka Becker.
An die Ausstellung Corinna Schnitts schließt sich vom 10. November bis zum 16. Dezember 2010 das Projekt „Schnittraum“ mit drei thematischen Ausstellungen und Werkgesprächen mit internationalen Künstlern an. Organisiert und kuratiert wird das Projekt von Studierenden aus der Freien Kunst (Klasse Prof. Corinna Schnitt) und der Kunstwissenschaft (Seminar Dr. Ilka Becker). Die Arbeiten sind ebenfalls in der Galerie der Hochschule zu sehen.
| Ort: | Galerie der HBK |
| Zeit: | Mittwoch, 27.10.2010 – Donnerstag, 04.11.2010 |
| Eröffnung: | 26.10.2010, 19 Uhr, Aula der HBK |
| Öffnungszeiten: | Do: 13–20 Uhr, Fr–Mi: 13–18 Uhr |
Einblicke
Corinna Schnitts sorgfältig komponierten und inszenierten Arbeiten sind Beobachtungen bürgerlichen Alltagslebens voll feiner Ironie, die sich immer auf der Grenze von Dokumentation und Fiktion bewegen. In leisen und ruhigen Bildern erzählen sie von scheinbar alltäglichen Geschichten und Tätigkeiten: Eine Frau schüttelt ein Kleidungsstück aus oder putzt ein Fenster, jemand singt ein Kinderlied oder wir erhalten Einblicke in den Alltag einer kleinbürgerlichen Reihenhaussiedlung. In den scheinbar alltäglichen, mitunter idyllisch anmutenden Welten ereignen sich Geschichten, die absurd oder sogar hochneurotisch sind.
Sehr sensibel kommt das fiktive Familienportrait „Zwischen vier und sechs“, 16 mm, 6’ (1998) daher. Eine junge Frau berichtet aus dem Off von den gemeinsamen sonntäglichen Putzunternehmungen mit ihren Eltern, die der Film dokumentiert: „Es ist so schön, wenn es was gibt, was eine Familie auch verbindet, eine gemeinsame Unternehmung und ich bin einfach froh, dass sich das bei uns so von ganz alleine ergeben hat“. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass die drei jeden Sonntag öffentliche Verkehrsschilder putzen. Der Film geht dabei liebevoll mit seinen Figuren um, gibt sie keinesfalls der Lächerlichkeit preis. Das irritierende, im Grunde völlig verrückte Familienritual kommt mit einer Selbstverständlichkeit daher, die fast unheimlich ist und eine große Eindringlichkeit erzeugt.
Auch Schnitts jüngster Film „Hänschen klein“ (2009) ist im bürgerlichen Milieu angesiedelt. Ausgangspunkt ist eine Genreszene auf einer Meissner Porzellanschale aus dem frühen 18. Jahrhundert in Großaufnahme. Von hier aus geht es in einem kontinuierlichen Zoom-Out, der die Schale als Teil eines sorgfältig arrangierten, barock anmutenden Stilllebens zeigt, bis zur Totalen, die in einem Blick auf die umgebende eintönige Neubaussiedlung endet. Verschiedene historische und kunstgeschichtliche Horizonte werden geschickt miteinander verschränkt. Das bildungsbürgerliche Idyll offenbart sich als Teil einer kleinbürgerlich banalen Welt – ein Spaziergänger dreht sich schließlich um und singt dem Betrachter das Lied „Hänschen klein“ vor, ein Kinderlied, das von der kindlichen Sehnsucht nach der großen weiten Welt erzählt, die an der Mutterliebe scheitert. Mit feiner, leiser Ironie werden gesellschaftliche Normvorstellungen, Konventionen und Sehnsüchte überspitzt und ins Groteske überführt.
Curriculum Vitae
Corinna Schnitt wurde 1964 in Duisburg geboren. Sie studierte an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und an der Kunstakademie in Düsseldorf, erhielt zahlreiche Stipendien u.a. den HAP-Grieshaber-Preis des Kunstfonds, ein DG-Bank-Stipendium und den Preis der deutschen Filmkritik für experimentellen Film. Mehrere Artist-in-Residence-Aufenthalte: Akademie Schloss Solitude in Stuttgart, Villa Aurora in Los Angeles, Chinati-Foundation, Marfa, Texas und Olevano, Italy. Ihre Videoarbeiten werden im In-und Ausland gezeigt. Seit 2009 ist Corinna Schnitt Professorin für Film- und Videokunst an der HBK.
Zuletzt bearbeitet von Jesco Heyl

