Prof. Dr. Holger van den Boom:
Was erforscht und was leistet Designwissenschaft?
Nach dem Nobelpreisträger H. Simon ist die Designwissenschaft die Wissenschaft vom Entwerfen. Wir entwerfen Formen. Alles ist Form. So beschrieben die antiken Pythagoräer ihre Weltsicht. Das essenziell Formlose gibt es nicht. Man muss nur genau hinschauen, dann sieht man stets die Form im scheinbar Formlosen. Wir unterscheiden Form und Inhalt, bei der Küchenschüssel ebenso wie beim Gedicht. Die Form ist etwas, das bleibt, auch wenn der Inhalt wechselt. Die Form ist eine Invariante. Entwerfen besteht darin, die invariante Form auf der Darstellungsebene zu generieren. Die Darstellung ist von der Vorstellung zu unterscheiden. Die Darstellung befindet sich in der Welt, wie Tische, Stühle und Bierseidel (z.B. ist Rembrandts „Nachtwache“ in Amsterdam). Entwerfen kann sich nicht allein im Kopf abspielen. Das hat Konsequenzen. Die Designwissenschaft beschreibt den Designprozess als einen Darstellungsprozess, sie entwickelt die innere Logik der Darstellung. Die Logik der Darstellung konsequent entfaltet führt zum Computer. Die Designwissenschaft erforscht im Kern die Beziehung von Design und künstlicher Intelligenz. Sie zeigt, dass Formen nicht in erster Linie im Raum sind, sondern in der Zeit. Formen sind zuletzt Handlungsformen, nicht mehr Information, sondern Performation.
