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Schwerpunkt Fotografie

Die fotografische Lehre im Bereich Gestaltung an der HBK konzentriert sich auf freie Dokumentarfotografie. Im Zentrum der Ausbildung steht die künstlerische Auseinandersetzung mit Realität. Freie Dokumentarfotografie grenzt sich deutlich von allen Bereichen angewandter Fotografie und vom Fotojournalismus ab.

Der Begriff der Dokumentarfotografie bezieht sich hier zunächst ganz allgemein auf die fotografische Beschäftigung mit Wirklichkeit, auf die sich die Kamera richtet. Er eröffnet einen Raum für die breit gefächerte und individuelle fotografische Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir leben. Ein Schwerpunkt des Interesses liegt beispielsweise in der Entwicklung fotografischer Positionen zu kulturellen, gesellschaftlichen, politischen, historischen, aber auch visuellen oder persönlichen Gegebenheiten. Konzeptionelle Herangehensweisen und darstellerische Fähigkeiten werden in Diskussionen über die individuellen Interessen und deren bildliche Umsetzbarkeit gefördert. Die Entwicklung einer Haltung zum Thema und die visuelle Bearbeitung komplexer Sachverhalte berühren zudem Aspekte von Serialität und Kontextualisierung des einzelnen fotografischen Bildes. Wie etwas ins Bild gesetzt wird, was fotografische Bilder den BetrachterInnen vermitteln wollen, welche intellektuellen oder emotionalen Reaktionen hervorgerufen werden und wie sich dies mit inhaltlichen Ansprüchen innerhalb einer fotografischen Serie verknüpfen lässt, sind Diskussionsthemen, die auch die analytischen Fähigkeiten schulen. Nicht nur das Fotografieren selbst wird zum Thema, sondern auch der Umgang mit fotografischen Bildern mittels Bildauswahl und Weiterverarbeitung. Ob das fotografische Projekt schließlich in einem Heft zusammengefasst, für eine Ausstellung aufbereitet oder in einem Blog publiziert wird, steht in engem Zusammenhang mit der visuellen Erscheinungsform der Fotografien, den inhaltlichen Interessen der Autorin/des Autors und dem anzusprechenden Publikum.

In den Modulen des Bachelor-Studiums werden die Studierenden angeleitet, eigenständig Projekte im Rahmen von Semesterthemen (z.B. Menschenbild, Stadtraum, fotografische Erzählung) zu entwickeln. In den wöchentlich stattfindenden Seminaren wird das Feld des jeweiligen Themas breit angelegt beleuchtet und diskutiert; FotografInnen werden in Kurzreferaten und mit umfangreichem Bildmaterial vorgestellt, es werden Texte gelesen und diskutiert. Die Studierenden präsentieren ihre fotografischen Projekte in den verschiedenen Stadien der Produktion. Bildnerische Details werden im Plenum ebenso diskutiert wie technische oder inhaltliche Parameter.

Im Master-Studium (Visuelle Argumentation mit dem Schwerpunkt Fotografie) entwickeln die Studierenden ihre Projekte selbstständig und stellen sie im Plenum zur Diskussion. Seminarangebote zur Analyse und Betrachtung von Fotografie bilden eine Schnittstelle zur vertieften theoretischen Auseinandersetzung. Hier wird der Blick für spezifische Gegebenheiten fotografischer Projekte weitergehend sensibilisiert; daraus gewonnene Erkenntnisse werden an die individuelle Projektarbeit angekoppelt.

Begleitend zur Projektarbeit stehen im Schwerpunkt Fotografie an der HBK zahlreiche Werkstätten zur Verfügung. Die WerkstattleiterInnen bieten nicht nur regelmäßig Einführungskurse zum Erlernen handwerklicher Fähigkeiten an, sondern begleiten die Studierenden auch in der Entwicklung und Produktion ihrer individuellen Projekte mit umfassendem Wissen.

Im analogen Fotolabor können Schwarzweiß-Filme entwickelt sowie Schwarzweiß- und Farbnegative vergrößert werden. Das Fotostudio bietet mit moderner Blitz- und Kameratechnik breit gefächerte Möglichkeiten von der Porträt- bis zur Sachfotografie. Studierende können hier auch verschiedene Kamerasysteme ausleihen: analoge und digitale Kleinbild-Spiegelreflexkameras, unterschiedliche Systeme des Mittelformats sowie Großformatkameras, alles mit umfangreichem Zubehör. Für die digitale Bildbearbeitung stehen ebenfalls gut ausgestattete Computerlabore zur Verfügung, die von der Bearbeitung digitaler Bilddateien bis zur großformatigen Ausgabe am Drucker ein professionelles Arbeiten ermöglichen. Die Druck- und Papierwerkstätten der HBK eröffnen zudem vielfältige Möglichkeiten der Ausarbeitung fotografischer Projekte: analoger Textsatz kann hier ebenso ergänzend angewandt werden wie beispielsweise Siebdruck. In der Buchbinderei lassen sich schließlich Hefte oder Fotobücher mit vielfältigen Bindungen realisieren.

Neben den praktischen Seminaren und der Werkstattarbeit werden Theorieseminare zu spezifisch fotografischen Themen direkt im Schwerpunkt abgehalten. Zudem kann das Angebot der theoretischen Studiengänge Kunst- und Medienwissenschaften besucht werden. Kooperationen sowohl innerhalb des Kommunikationsdesigns als auch mit anderen Bereichen der HBK ermöglichen die Überwindung medialer Grenzen und die Vertiefung bildnerischer, analytischer und handwerklicher Fähigkeiten. Exkursionen zu Ausstellungen, in Archive oder zu Symposien runden das Studienprogramm ab.

Prof. Gosbert Adler
Prof. Dr. Bettina Lockemann
 

Veranstaltungskalender Kommunikationsdesign