Zeichnung ist das älteste und archetypisch in uns veranlagte Ausdrucks- und Mitteilungsmittel. Zeichnen ist die unmittelbarste Form, sich auszudrücken und visuell zu kommunizieren, ist Sprechen auf bildlicher Vermittlungsebene. Zeichnung ist Ausdruck von inneren und äußeren Gedanken und Fakten, Emotionen, Analysen und Erkenntnissen und wird daher in allen Bereichen und auf allen denkbaren Ebenen des Lebens als gültige Mitteilungsform genutzt. Sie will nicht zwangsläufig Bild sein.
Sie kann unterschiedliche Absichten verfolgen: Als Skizze, der Darstellung einer bloßen Idee, der technischen Zeichnung, als Vermittler zwischen Objekt und Verstand und als formalisierte, normierte Anleitung oder als Layout, der planerische Entwurfszeichnung. Zeichnung kann grundsätzlich mit künstlerischem Ausdruck Form finden oder als Illustration bildhafte Form geben. Sie ist Informations- und Kommunikationsmedium.
Zeichnung trägt zur analytischen Erkenntnisfindung bei und kann als methodisches Forschungs- und Untersuchungsinstrument genutzt werden. Die Klärung der Untersuchung, des Form-Findens, liegt in der zeichnerischen Wiedergabe des Objektes/Subjektes, der Formulierung oder, im bildschaffenden Sinne, des Form-Gebens des Betrachtungsgegenstandes.
In diesen Zusammenhängen bleibt Zeichnung zuweilen ein verräterischer Beweis für Verständnisfähigkeit, und Auseinandersetzungsvermögen, denn zunächst einmal kann nur wiedergeben und umgesetzt werden, was erkannt und verstanden worden ist. Daraus folgert zwangsläufig, dass Zeichnung als maßgebliche handwerkliche und methodische Grundlage der visuellen Kommunikation anzusehen ist und in seiner Umsetzung als Illustration bildhaft Information formuliert.
Denn illustrieren ist absichtliches Bild finden. Illustrationen sind Bilder, die Geschichten erzählen, man kann sie auch Bilderfindungen nennen. Meistens stehen Illustrationen in Abhängigkeit einer Zweckbestimmung. Die kann vom Illustrator selbst oder von außen vorgegeben sein. Illustration muss alle Anforderungen an ein gutes (qualitätvolles) Bild erfüllen. Sie muss emotionale Resonanz provozieren können, sie muss sinnlich und intuitiv erfahrbar sein und sie muss ikonisch richtig und eindeutig sprechen. Die evokatorische Absicht ist der Illustration immanent. Die Bildwirkung wird mit allen darstellerischen und gestalterischen Mitteln aber vor allem mittels eines sinnstiftenden, inhaltlich eigenständigen Aussageschwerpunktes unterstützt.
Das bedeutet: Illustration muss konzeptionell erarbeitet werden. Komplexe und abstrakte Inhalte müssen analysiert und auf einen Aussagekern subsummiert und eindeutig als bildhafte Aussage formuliert werden. Illustration ist bildnerische Umsetzung von Erkenntnis in bildschaffender Form. Die Richtigkeit der visuellen Umsetzung in eine Aussage oder Information steht stets in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Illustrator. Immer ist seine Arbeit bestimmt durch seine Sichtweise und Empfindungsfähigkeit. Illustration ist Interpretation. Ebenso bestimmen die Gestaltungs-, Darstellungsmittel die Bildaussage. Sie wirken aussage-unterstützend und beeinflussen in erheblichem Maße die sensitive Erlebnisebene der illustrativen Information. Die Interpretationsfreiräume und die vom Illustrator eingesetzten darstellerischen und gestalterischen Mittel befähigen Illustration über ihre implizierte Zweckbestimmtheit hinaus zu wirken und einen individuell sprechenden und emotional erfahrbaren Beitrag zu leisten.
Illustration geht in die Öffentlichkeit und ist Teil des alltäglichen Lebens, sie orientiert sich an unterschiedlichsten kontextuellen Parametern. Wir unterscheiden zwischen Sachillustration, technischer Illustration, Buch- und vor allem Kinderbuchillustration, Illustrationen für Plakate, Editorial und andere Veröffentlichungen, Trickfilmillustration und zwischen Cartoon, Karikatur und Comic. Das Finden und Formulieren von Bildzeichen, von Zeichen mit bildhaft formulierter Aussage soll den Illustrationsbegriff erweitern.
Die konzeptionelle, analytische Fähigkeit, die sich in Illustration spiegelt behält an permanenter Bedeutung, denn unsere heutige Gesellschaft ertrinkt in Informationen, das Rezeptionsverhalten entwickeln sich zu global einheitlichen Mustern, Qualitätsmaßstäbe verkommen zu geschmäcklerisch argumentierten Definitionen, Geschmack vereinheitlicht global zusehens. Aussagestarke und entschieden formulierte bildhafte Statements sind folgerichtig als relevante Beiträge zu bewerten und helfen, eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Informationsinhalten zu führen.
