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Jennifer Bork/Vera Bourgeois

Kommentar zum Video-Interview mit Vera Bourgeois

Da man normalerweise bei Interviews nur die Möglichkeit hat, den Veröffentlichungskontext kennen zu lernen, aber selten etwas über die Produktionssituation erfährt, möchte ich im Rahmen dieses Projekts die Möglichkeit wahrnehmen, auch einmal die Hintergründe zu schildern. Der Kommentar ist eine Art Erfahrungsbericht.

Fragen an Prof. Vera Bourgeois

von Jennifer Bork

Das Treffen mit Vera Bourgeois fand eigentlich unter eher ungünstigen Vorraussetzungen statt. Beide Gesprächspartner waren etwas geschafft von der Seminarssitzung, die wir zuvor hatten. Innerhalb dieser Sitzung wurde schon viel über Frau Bourgeois’ Interview-Projekt und ihre Arbeiten gesprochen.
Als das Gespräch dann im Atelier stattfand, ergab sich somit keine typische „Startsituation“. Teilweise setzte man Gedanken der vorausgegangenen Sitzung noch um, teilweise kamen neue Themengebiete dazu. Am Ende gab es dann sehr viel Material, aber wenig Systematik.
Erst einige Zeit danach konnten wir beide uns die von mir für den Film ausgewählten Szenen ansehen. Dabei ergab sich eine ziemlich unterschiedliche Wahrnehmung der Situation. Die Kameraperspektive spiegelt nämlich hauptsächlich meine Sichtweise wieder.
Für mich war die Situation in jeder Hinsicht neu, und da ich Vera Bourgeois bis dahin nicht persönlich kannte, ergab sich für mich eine Gesprächsituation in der die Rollenverteilung Studentin-Professorin dominierte.
So erklärt sich die recht stark wirkende Untersicht-Perspektive, die mir bei der Materialsichtung gar nicht weiter auffiel, da die Kamera ja stellvertretend meine „gefühlte“ Position einnahm. Frau Bourgeois hat die Situation ganz anders wahrgenommen und empfand die aufschauende Perspektive als ganz „fremde“ Sicht von und auch auf sich.
Wir haben angedacht, eventuell noch mal zu filmen, mit einer neutraleren Position und einer neuen Situation. Es wäre sicherlich interessant zu sehen, wie sich das in der Gegenüberstellung verhalten und auch verändern würde. Leider war das nicht mehr realisierbar.
Daher bleibt das Interview nun, was es ist, ein interessantes Experiment mit Weiterentwicklungspotenzial.