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Jahrgang 2020/21

Die folgenden Stipendiatinnen und Stipendiaten erhielten für den Förderungszeitraum 2020-2021 ein Stipendium des Braunschweig Projects-Programms, der künstlerischen Nachwuchsförderung des Landes Niedersachsen und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

 

Stipendiatinnen und Stipendiaten

Im Bereich Bildende Kunst:

Mahsa Aleph (Ahsani Kheirabad), geb. 1990 (IR), lebt und arbeitet in Teheran (IR).
In ihren oft raumgreifenden Installationen arbeitet Mahsa Aleph mit verschiedenen Medien und Materialien – Malerei, Textilien und Text. Dabei interessiert sie sich sowohl für deren Beschaffenheit als auch für deren Geschichte(n) und Erinnerungen, die sie wie Speicher in sich tragen. Durch präzise, teils theatrale Inszenierungen der von ihr präsentierten Objekte, setzt sie der jeweils damit assoziierten Funktion etwas vielmehr Atmosphärisches entgegen, um unsere Wahrnehmung zu verschieben.
(Jule Hillgärtner)

Sasha (Alexandra Catherine) Bergstrom-Katz, geb. 1986 (USA), lebt und arbeitet in London (GB).
Sasha Bergstrom-Katz promoviert zur Zeit an der Birkbeck University of London, UK. In ihrer Arbeit, setzt sie sich in Form von ortsspezifischen Skulpturen, Performances sowie Film und Videoarbeiten mit psycho-analytischen Konzepten auseinander. Unter Verwendung traditioneller Werkzeuge des Theaters hinterfragt sie in ihren Performances bewusst das Konzept von Probe und Requisite. Aufbauend auf dieser Auseinandersetzung möchte sie während ihres Braunschweig Projects-Stipendiums das Design und die Verfahren von Intelligenztests durch die Entwicklung einer Live- Performance untersuchen.
(Natalie Häusler)

Mohammad Shawky Hassan, geb. 1981 (ET), lebt und arbeitet in Berlin (D).
Die filmischen Arbeiten des ägyptischen Künstlers Mohammed Shawky Hassan befassen sich mit der Geschichte seines Heimatlandes, den individuellen Erzählungen seiner Bürger*innen und Fragen der sexuellen Orientierung und der nationalen Zugehörigkeit. Die tradierten sozialen Verhältnisse innerhalb der ägyptischen Gesellschaft werden beispielsweise in seinem Film "It was related to me" (2011) aufgenommen und anhand des Verhältnisses zweier Brüder und ihrem Eintritt in das Erwachsenenalter auf sensible Weise festgehalten und mit einem feinen Gespür für kulturelle Besonderheiten wiedergegeben. Das (fiktive) Porträt verknüpft Fotografie und Bewegt-Bild mit einer visuell überzeugenden Bildsprache, die sich der Ästhetik alter VHS/Camcorder-Aufnahmen bedient und mit abrupten Sprüngen und Wiederholungen einen eigenwilligen filmischen Rhythmus entwickelt. Als weitere Bedeutungsebene setzt Shawky Hassan traditionelle ägyptische Märchenerzählungen ein, die auf subtile Art und Weise das Gezeigte kommentieren und dem Film eine metaphorische Qualität verleihen. In seinen weiteren Arbeiten befasst sich der unter anderem mit Themen wie Queerness in der ägyptischen Gesellschaft. Die Jury hat insbesondere die klare künstlerische Handschrift Mohammed Shawky Hassans überzeugt, die von inhaltlicher und formaler Stringenz geprägt ist. Seine aufmerksame Beobachtungsgabe von zwischenmenschlichen Beziehungen und deren Inszenierung innerhalb des filmischen Mediums zeugt von einer sensiblen Wahrnehmung, die mittels des asynchronen Einsatzes von Bild, Text und Musik eine ganz eigene, poetische Kraft entwickelt.
(Sergey Harutoonian)

Ani Schulze, geb. 1982 (D), lebt und arbeitet in Porto (PT) und Köln (D).
Oft werden Ani Schulzes Werke als Konstellationen oder Ökosysteme bezeichnet. Die unterschiedlichen Elemente, die eine Rolle spielen in ihren Arbeiten – Skulpturen, Zeichnungen, Videos, Klang usw. – verbinden sich zu heterogenen, polyphonen Strukturen. Es geht dabei sowohl um die Verschmelzungen, die daraus resultierenden Assoziationen und Transformationen, als auch um das individuelle, eigenständige (physische) Dasein. Die durch Vernetzung –paradoxerweise– verursachte Fragmentierung und die unterschiedlichen Systeme, die auf und in uns, lebende Körper, eine Rolle spielen, sind ein Kernelement ihrer Arbeit. Gerade die Art und Weise, wie Schulze Komplexität, Veränderung, Dystopie und Offenheit in ihrer Arbeit zusammenbringt, macht sie zu einer interessanten Kandidatin, für das Stipendium des Braunschweig Projects-Programms. Ani Schulze studierte an den Kunstakademien in Karlsruhe und Düsseldorf, in Glasgow und an der Städelschule in Frankfurt.
(Noor Mertens)

Sikarnt Skoolisariyaporn, geb. 1988 (THAI), lebt und arbeitet in Bangkok (THAI).
Was sehen wir, wenn wir auf Objekte in einem Museum schauen? Wer blickt und wohin wird der Blick gerichtet? Und welche Implikationen hat das historisch und in einem neo-kolonialen Kontext? Sikarnt Skoolisariyaporns Arbeit hinterfragt das Museum als imperialistische und koloniale Institution und rechnet sie den üblichen ethnographischen Agenten zu. Nicht nur wer blickt, sondern wie dieser Blick durch eine Ausstellungspraxis kanonisiert wird ist eine konstante Frage in ihrem Werk. Die Jury schätzte Skoolisariyaporns Auseinandersetzung mit einer notwendigen Institutionskritik. Insbesondere in Zeiten in denen sich unsere museale Erfahrung als Besucher*in und damit auch die Ausstellungspraxis grundlegend zu verändern scheint, liefert Skoolisariyaporn Reflexionen und Ansätze um die Konstruktion dieser Institutionen zu hinterfragen und ggf. komplett neu zu imaginieren. (Elizabeth Cortinas Hildago)


Im Bereich Klangkunst:

Caterina Gobbi, geb. 1988 in Italien, lebt und arbeitet in Berlin.
Caterina Gobbi überzeugte die Jury durch ihre sehr erfrischende Herangehensweise, mit der sie performative und installative Formate in Verbindung bringt. Ihre hängenden und stehenden Objekte, die wie Erscheinungen aus dem Alltag wirken, bei denen es sich aber um dekorierte Lautsprecher handelt, sind die Klangquellen ihrer Sounds. Unterstrichen werden diese räumlichen Inszenierungen durch einen akustischen Collagemix aus Sprachkontexten, Rhythmisierungen und musikalischen Adaptionen.
(Ulrich Eller)

Katharina Hauke, geb. 1984 in Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin.
Das Spektrum der künstlerischen Verfahren von Katharina Hauke ist ein weit gespanntes Netz unterschiedlicher medialer Anwendungen. Sie erscheint als Musikperformerin solistisch und als Mitglied unterschiedlicher Konstellationen in der konzerthaften Vorführung von kinetischen Instrumentarien, die in ihren Funktionen vorgeführt und dabei unter Anwendung von Mikrokontrollern ungewöhnliche Geräusch- und Klangebenen für die Zuhörer*innen eröffnen. Auf besondere Beachtung stieß außerdem ein elektronischer Begleiter am Handgelenk für Spaziergänge, der durch ein akustisches Signal die Richtung weist und damit völlig neue und unbekannte Wege ermöglicht.
(Ulrich Eller)

Klangkunst-Stipendiaten*innen im Programm Braunschweig Projects 2019/21:
Da die drei Klangkunst-Stipendiat*innen Sabina Hyoju Ahn (KOR), Erik Ian DeLuca (USA) und Nour Sokhon (LB) aufgrund der Corona-Pandemie nicht anreisen konnten, wurde die Programmlaufzeit bis 2021 verlängert.
Ihre Abschlusspräsentation findet gemeinsam mit den Stipendiat*innen 2020/21 unter dem Titel "What I needed was Imagination ..." vom 27.10. bis 11.11.2021 auf dem Campus der HBK statt.
Zu den Stipendiat*innen
 

Jurymitglieder

Mitglieder der Jury Bildende Kunst:

Natalie Häusler (Verwalterin der Professur Grundlehre Zeichnen, HBK Braunschweig), Elizabeth Cortinas Hildago (Vertreterin der Professur Raumkonzepte, HBK Braunschweig), Veronika Olbrich (Referentin MWK Hannover), Dr. Jule Hillgärtner (Leitung Kunstverein Braunschweig), Sergey Harutoonian (Kurator Kunstverein Hannover), Dr. Justin Hoffmann (Leitung Kunstverein Wolfsburg), Noor Mertens (Leitung Kunstverein Langenhagen).

Mitglieder der Jury Klangkunst:

Prof. Ulrich Eller (Professur Freie Kunst / Klangkunst, HBK Braunschweig), Golo Föllmer (Verwalter der Professur Theorie der Klangkunst, HBK Braunschweig), Thomas Bisitz (Stellv. Bereichsleiter Forschung und Entwicklung, HörTech GmbH Oldenburg), Dr. Linnea Semmerling (Direktorin Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute, Düsseldorf), Markus Steffens (Singuhr Berlin), Dr. Salomé Voegelin (Künstlerin und Autorin, Professorin am MA Sound Arts University of the Arts London/London College of Communication).

Zuletzt bearbeitet von Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Medien am 19.10.2021

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Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
HBK Braunschweig
Kontakt

Braunschweig Projects-Koordinatorin
Ellen Fischer