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Forschung

Nicht-lineares Lesen in Büchern

Allgemein:

Forschung im Kommunikationsdesign untersucht experimentell und vergleichend visuelle Ereignisse. Gesucht wird nach neuen Bildsprachen,
Gestaltungskonzepten, Gestaltungstheorien, Wirkungszusammenhängen, Darstellungsmöglichkeiten und medialen Plattformen. Die Forschungs- und Entwicklungsvorhaben oszillieren zwischen wirtschaftlicher Verwertbarkeit und Grundlagenforschung.

In einer Gesellschaft und Kultur, die seit Jahrtausenden vom Buch geprägt ist, kommt uns das Buch nur allzu selbstverständlich vor. Es ist – immer noch – wesentliches Medium unseres kollektiven Gedächtnisses. Die Verbreitung der sogenannten Neuen Medien führt jedoch zu einer Veränderung.
Die gegenwärtige Situation des Buches lässt sich anschaulich vergleichen mit der der Malerei nach Erfindung der Fotografie. Ebensowenig wie die Fotografie die Malerei zum Verschwinden gebracht hat, werden die Neuen Medien das Buch auslöschen. Notwendig ist aber, ähnlich wie es die Malerei in der damaligen Umbruchsituation getan hat, sich die genuin eigenen Mittel bewusst zu machen, die medialen Besonderheiten des Buches zu verdeutlichen.


Beschreibung:

Das Vorhaben besteht aus einem wissenschaftlichen und einem
künstlerisch-gestalterischen Anteil. Es trägt zur Profilbildung in der Lehre bei. Es untersucht Wirkungszusammenhänge und mediale Plattformen und ist eher dem Bereich Grundlagenforschung zuzuordnen.


Im allgemeinen werden Bücher mit Linearität assoziiert, elektronische Medien dagegen scheinen für Nicht-Linearität zu stehen.
Meine These ist, dass sowohl Linearität wie Nicht-Linearität unterschiedliche Formen des Denkens darstellen, die beeinflusst sein können von den verschiedenen Medien. Die Betrachtung des Phänomens der Nicht-Linearität darf nicht allein auf die Neuen Medien beschränkt bleiben.
Untersucht werden sollen Beispiele für nicht-lineares Lesen in Büchern in verschiedenen Kontexten. Dabei geht es sowohl um den historischen Hintergrund wie um die darauf aufbauenden Bücher aus kommerziellen Verlagen. Künstlerbücher können als experimentelle Forschungsarbeiten über das Buch als Medium und seine Funktionsweise betrachtet werden, die auf diese Art die Grenzen des Buches ausloten; und Beispiele von studentischen Arbeiten stehen dafür, wie die nächste Generation, die schon mit dem Internet groß geworden ist, diese Erfahrungen in das gedruckte Buch transformiert.
Beabsichtigt ist der Aufbau von internationalen Kooperationen, diese dienen dazu, die Recherche breit anlegen zu können und kämen darüber hinaus auch der Lehre zugute.


Die Anlage des Forschungsvorhabens in beiden Richtungen: Wissenschaft und Kunst, ergibt sich daraus, dass ich selbst seit 20 Jahren als Buchkünstlerin arbeite und dadurch, dass das Fach Kommunikations-Design an der HBK Braunschweig als wissenschaftliches Fach eingestuft ist. Innerhalb des Kommunikations-Design kommt dem Bereich Typografie/Buchgestaltung sicher eine eigene Bedeutung zu, da hier schon immer sowohl gestalterisch als auch wissenschaftlich gearbeitet wurde (vgl. z. B. die Arbeiten und Forschungen von Tschichold, Willberg, Andree, u. a.). Auch einige meiner eigenen künstlerischen Projekte waren zum Teil stark von wissenschaftlicher Forschung begleitet (z. B. das Sibyllen-Projekt, das Projekt Volumes (of Vulnerability); Anagramme).

Ulrike Stoltz: Nicht-Lineares Lesen in Büchern

Das Seminar
Im Sommersemester 05 beschäftigte ich mich im Rahmen eines Forschungssemesters mit dem Themenkomplex Nicht-Lineares Lesen in Büchern. Im anschließenden Wintersemester 05/06 brachte ich das Thema im Rahmen eines Fachseminars Typografie für Fortgeschrittene in den Unterricht ein. Das Seminar wurde von Studierenden der Fachrichtungen , Industrial Design und belegt.

Wir beschäftigten uns dort mit verschiedenen Aspekten, untersuchten Beispiele bereits existierender Bücher auf ihre Linearität bzw. Nicht-Linearität. Um entsprechendes, also nicht-lineares Ausgangsmaterial zu haben, begannen wir, gemeinsam eine nicht-lineare Geschichte zu schreiben.

Die TeilnehmerInnen: Manuela Büchting, Cesalie von Dungern, Anemone Färber, Florian Hardwig, Tobias Maring, Maren Meßmer, Franziska Nast, Yannick Rudolph, Nina Schütte, Ulrike Stoltz, Giselind von Wurmb.

Gemeinsam eine Geschichte schreiben
Maren Meßmer gab als gemeinsamen Ausgangspunkt den Anfang eines Grimmschen Märchens vor. Es gab weiter keine mündlichen Absprachen oder inhaltlichen Vorgaben.

Wir nutzten zunächst die Form des Weblogs, um den Überblick zu behalten, um das gemeinsame Weiterschreiben für uns möglichst einfach und übersichtlich zu gestalten und damit jeder von uns zu jeder Zeit daran weiterschreiben konnte. (http://typoseminar.twoday.net/)

Grundsätzlich gingen wir so vor, dass jede/r die Möglichkeit hatte, von jedem Punkt der Geschichte aus weiterzuschreiben. Ohne weitere Diskussion ergab es sich, dass die kompletten Einträge als geschlossene Punkte gesehen und nicht in sich noch weiter zerstückelt wurden (was theoretisch jedoch auch möglich gewesen wäre).

Man konnte durchaus zu einem weiter fortgeschrittenen Zeitpunkt bereits länger zurückliegende Absätze aufgreifen und weiterentwickeln. So entstanden im Laufe der Zeit verschiedene Erzählstränge, die sich unterschiedlich verzweigten.

Die Orientierung beim Schreiben
Wie macht man deutlich, welchen Absatz man fortsetzen will? Zur internen Orientierung verwendete Florian Hardwig, der den Weblog verwaltete, zunächst Ziffern. Dabei war die 1 der Ausgangspunkt; 1.1 bzw. 1.2 oder 1.3 und 1.4 standen für die ersten vier Verzweigungen. Dementsprechend knüpfte 1.1.1 an den ersten Strang an, 1.2.1 an den zweiten, usw. Jede weitere Ziffer stand für die nächste «Runde» bzw. «Generation» von Abschnitt.

Wir bemerkten bald selbst, dass diese Darstellung zwar eindeutig und übersichtlich war, die Länge der Ziffernfolgen jedoch ab einer bestimmten Länge durchaus unübersichtlich wurde.

Interne, undeklarierte «Verlinkung»
Unabhängig von der Verknüpfung durch die Ziffern war bald klar, dass man auch durch die Inhalte selbst die verschiedenen Erzählstränge miteinander verknüpfen konnte: so taucht etwas Grünes oder etwas Rotes in verschiedenen der Geschichten auf und manifestiert sich dort in unterschiedlichster Weise. Die Schreibenden inspirieren sich gegenseitig.

«Schikanen» einbauen
Erschwerend kam hinzu, dass irgendwann jemand von uns anfing, verschiedene Stränge, die so aussahen, als wären sie schon recht weit auseinander gelaufen, durch eine entsprechend phantasievoll geschriebene Fortsetzung doch wieder miteinander zu verknüpfen. Das drohte die Orientierung anhand der Ziffern zu sprengen; es wurden nun Buchstaben eingeführt, was zwar logisch war, aber die Sache nicht unbedingt handhabbarer machte.

Die Darstellung
Der große Enthusiasmus, mit dem wir alle an das Schreiben der Geschichte herangegangen waren, schien sich im nicht-linearen Dickicht zu verlieren und verlagerte sich folgerichtig auf die Frage: wie könnten wir die Struktur noch anders als durch Ziffern darstellen?

Natürlich stand dahinter auch die Frage: lässt sich diese Geschichte in eine Buchform bringen und wie könnte das aussehen?

Ebenso wichtig war die Visualisierung als solche, und es entstanden unterschiedliche Varianten von Diagrammen und verschiedenste Idee für dreidimensionale Objekte. Dabei war es faszinierend zu beobachten, wie häufig eine Idee die nächste geradezu hervorrief und inspirierte: auch dies eine Variante des Themas Nicht-Linearität.

Den Überblick behalten
In der Darstellungsphase kam die Frage nach der Distanz ins Blickfeld:
Je weiter ich entfernt bin, desto klarer ist der Überblick, desto weniger weiss ich, was sich hinter den einzelnen «Knoten» verbirgt.
Je näher ich dran bin, je mehr ich mich auf die Geschichte selbst einlasse, um so weniger Überblick habe ich, um so stärker verliere ich mich im Gestrüpp.

Einige Fragen
Soll die Darstellung der Struktur unbedingt der Chronologie des Schreibens folgen?
Ist die Reihenfolge des Aufschreibens notwendigerweise auch die Reihenfolge der Ereignisse in der Geschichte?
Wieviel Stringenz braucht eine Geschichte?
Wieviel muss davon ausgesprochen werden?
Wieviel kann angedeutet sein?
Wieviel kann man auch weglassen im Vertrauen darauf, dass die LeserInnen ja mitdenken?
Sind die Bezugspunkte und Verzweigungen in einer Geschichte nur die, die wir bewusst setzen?
Oder entwickelt nicht jede Geschichte beim Schreiben ihre eigene Dynamik?
Wie lassen sich interne «Links», die sozusagen zusätzlich zu den von uns absichtlich gesetzten Abzweigungen dazu kommen, in die Visualisierung der Struktur integrieren? Müssen alle Ebenen von Nicht-Linearität, die in der Geschichte enthalten sind, in der Visualisierung ihrer Struktur mit abgebildet werden?
Oder ist es zugunsten des Überblicks und der Klarheit nicht eher sinnvoll, sich auf einen oder wenige Aspekte zu beschränken?

Das Ergebnis
Das Semester erwies sich als viel zu kurz, um in unserer nicht-linearen Vorgehensweise zu einem in gewisser Weise abgerundeten Ende zu kommen. Es entstanden Bücher,Grafiken, Karten und Skulpturen. Neben den ausgearbeiteten Endprodukten sind die Skizzen mindestens ebenso interessant, geben sie doch einen Einblick in die jeweiligen Denkprozess.
(Abb. Nr. 1 bis 9)
Ich freue mich sehr, dass wirklich alle TeilnehmerInnen unabhängig von regelmäßigen Treffen an ihrer je eigenen Visualisierungs-Idee weitergearbeitet haben, so dass wir nun zum Ende des Sommersemesters 2006 die Resultate unserer Arbeit in einer kleinen Ausstellung im Rahmen des Rundgangs präsentieren konnten. (Abb. 10, 11, 12, 13)

Danke
Ich danke allen Seminar-TeilnehmerInnen für ihre Begeisterung, mit der sie sich auf das Thema einließen, und für ihre Gedanken, Überlegungen und konkret umgesetzten Beiträge. Sie haben das Seminar für mich zu einer der spannendsten Erfahrungen meiner bisherigen Unterrichtstätigkeit werden lassen.

 


Die Arbeiten im einzelnen


Manuela Büchting: Kartenspiel (Abb. 14)
Beschreibung
Als Möglichkeit unsere non-lineare Geschichte zu lesen, erschien mir ein Kartenspiel am besten. Jeder Geschichts-Teil ist auf einer einzelnen Karte. Derjenige, der die Geschichte nun lesen möchte, hat nun die Möglichkeit, die Geschichte ganz frei zusammenzulegen mit eigener Reihenfolge oder auch nur die einzelnen Teile zu lesen ohne eine vorgeschriebene Zusammensetzung. Wer nun doch neugierig ist und sehen möchte, wie wir Autoren die Geschichte erdacht haben, d.h. in welcher Reihenfolge und Abspaltung, der kann die Karten nach den Farben auf der Rückseite zusammenlegen... viel Spaß!


Cesalie von Dungern: Buch (Abb. 15)
es war einmal ... eine nonlineare Geschichte von....
Beschreibung
Ziel meiner Umsetzung ist eine Übersetzung des Projektes: von der Darstellung im Internet in Buchform. Durch die Unterschiedlichkeit der Medien ergeben sich Grenzen in der Darstellungsform. Versucht wird, eine möglichst große Wiedererkennung zu gewährleisten und beim Lesen des Buches eine ähnliche Lese- Erfahrung zu schaffen, wie auf der Internet-Seite. Deswegen wurde die chronologische Reihenfolge erhalten, in der Textabschnitte entstanden und die maßgeblichen Inhalte im Buch integriert. Durch den Erhalt der Kommentare wird zusätzlich die Freude an dem Projekt widergespiegelt.


Anemone Färber: Grafik (Abb. 16)
Beschreibung
Bei der Visualisierung der Geschichte war mir wichtig, die Grafik so systematisch wie möglich zu machen. Beim Lesen und Schreiben hatte ich mehrfach den Faden verloren und wollte einen klaren und schnell nachvollziehbaren Plan erstellen.
Im Ergebnis verästeln sich die Erzählstränge wie auf einem Spinnennetz/Verkehrsplan. Wie das Wasser Kreise zieht, wenn ein Stein hineingeworfen wird, breiten sich die Kreise aus. Diese Metapher passt insofern gut, als dass mit der «Initialzündung» des ersten Beitrags ein explosionsartiges Wachstum begann.
Aufgrund der logischen Anordnung diente der Plan als Vorlage für die Textilarbeiten von Franzi Nast und Ulrike Stoltz.
Auf die teilweise aberwitzig langen Nummern sowie auf die wollte ich nicht verzichten und habe darüber hinaus jeder schreibenden Person ein Symbol zugeteilt. Anhand dieser Parameter kann man den Verlauf der Geschichte(n) verfolgen.

Florian Hardwig: Buch (Abb. 18)
Die nonlinearen Abenteuer des Renatus Schlehmichel
oder wie Ulrich den Schlüssel verlor und Bubo den Tod fand
Beschreibung
Das Buch stellt den – zugegebenermaßen eher experimentellen – Versuch dar, die Struktur der nonlinearen Geschichte und die zum Lesen nötige Navigation allein durch die typografische Form des Textes selbst darzustellen.
»Märchen beginnen für gewöhnlich mit ›Es war einmal …‹
Diese Geschichte beginnt mit linksbündigem Flattersatz aus der Adobe Jenson regular, 10 p Schriftgrad mit 2,5 p Durchschuß.
Wie sie weitergeht, entscheidet der Leser. Die 78 Beiträge sind in chronologischer Reihenfolge aufgeführt – so, wie sie im Weblog verfasst wurden. Die Hyperlinks fehlen, auch auf eine Nummerierung wurde hier verzichtet. Orientierung bietet lediglich die unterschiedliche Formatierung der einzelnen Beiträge.
Am Ende eines Beitrags zeigen Piktogramme, welche typografische Form die Fortsetzung hat – welches Parameter sich, bezogen auf die aktuelle Form, ändert. Es muß nun der Beitrag gefunden werden, der als nächster formal derart verändert ist, sonst aber keine weiteren typografischen Abweichungen aufweist.
Mehrere Piktogramme bedeuten, daß die Geschichte sich hier verzweigt – es gibt dann mehrere mögliche Fortsetzungen. Geschichten, denen kein Piktogramm folgt, wurden nicht fortgesetzt.
Um einen der von den Autoren vorgesehenen Stränge zu verfolgen, ist also ein scharfes Typo-Auge vonnöten […].«


Tobias Maring: 2 Grafiken und eine Skulptur (Abb. 19, 20, 21—23)
Beschreibung
Die (erste) Grafik (Abb. 19) soll die Struktur des Web-Blogs veranschaulichen mit Schwerpunkt auf der zeitlichen Entwicklung. Der Ausgangspunkt unserer Geschichte befindet sich in der Mitte. Die konzentrischen Kreise sind «Tagesringe», die Punkte stellen die einzelnen Posts dar. Alle Punkte (Posts), die auf einem Kreis liegen sind am selben Tag entstanden.
Die zweite Grafik (Abb. 20) soll in erster Linie die quantitative Entwicklung innerhalb der Erzählstränge veranschaulichen.
Die 3 Hauptstränge haben die Farben rot, blau und grün, sowie deren entsprechende Abstufungen. Je später ein Post entstanden ist, desto kräftiger fällt der jeweilige Farbton aus. Der Durchmesser der Punkte wächst um 1 mm pro Generationenfolge, ausgehend vom 2 mm großen Start in der Mitte. Fließen in einem Punkt mehrere Stränge zusammen, so wächst dieser Punkt um 1 mm + zusätzlich n mm für n Zuflüsse.
Die Skulptur aus Wollkugeln orientiert sich an der zweiten Grafik. (Abb. 21, 22, 23)


Maren Meßmer: Grafik (Abb. 24)
Kleinstadt
Beschreibung
Vor ein paar hundert Jahren, als die Leute noch lange nicht so klug und verschmitzt waren, als sie heutzutage sind, hat sich in einer kleinen Stadt eine seltsame Geschichte zugetragen.
So begann unser nicht-lineares Märchen. Wenn man alle Posts hintereinander liest, erhält man den Eindruck, als ob sich mehrere Geschichten zeitgleich in dieser kleinen Stadt ereignen. Nach und nach wächst im Kopf eine räumliche Karte des Ortes, was durch vereinzelte Posts, die versuchen, die einzelnen Stränge wieder zu verbinden, noch verstärkt wird.
Durch viele Schlüsselbegriffe ensteht eine typografische Karte, die zum einen meine persönliche Vorstellung der Stadt zeigt und zum anderen jedem Betrachter ermöglicht sich wiederum neue Geschichten auszudenken.


Maren Meßmer: Kartenspiel (Abb. 25)
im Dickicht
Beschreibung
Einzelne Karten erschienen mir spontan als die beste Möglichkeit, unsere digitale Version in ein gedrucktes Objekt umzuwandeln. So bleibt jeder Post als einzelner Teil erhalten und wird durch das Anlegen der verknüpften Karten zu einem Strang verbunden.
Die Grundform ergibt sich aus den maximalen Verknüpfungen einer Karte. Das ist in diesem Fall «La Donna arrabbiata» mit insgesamt sechs Verknüpfungen.
Es war mir wichtig, möglichst alle Informationen zu übernehmen – abgesehen von den Kommentaren, die ich für externe Leser als zu persönlich empfinde. Die Vorderseite erzählt die Geschichte, mit Überschrift, Text und Autor, sowie der Entstehungszeit. Die Rückseite dient als Leitsystem. Hier erkennt man welche Karte zuvor und welche anschließend gelegt werden muss.
Die grafische Gestaltung der Rückseiten soll das Gefühl verdeutlichen, was in mir während des Schreibens aufkam. Es war ein bißchen wie das Spielen im Dickicht – aufregend, verwirrend und schön.

Franziska Nast: Kleidmodell (Abb. 26)
Der Stoff aus dem Geschichten sind
Beschreibung
Mit Hilfe von Anemone Färbers Kreisgrafik konzipierte ich zunächst einen Reifrock, der sich im Verlauf der Umsetzung bis hin zu dem vorliegenden Kleidmodell entwickelte. Ein Erzählkleid. In den Vordergrund tritt der symbolische Charakter des Fortlaufens und Aneinanderknüpfen der Geschichten. Ausgehend von dem theoretischen Ausgangspunkt 1.0 setzen alle Stränge (Nähte) am oberen Bund des Kleides an, verlieren sich dann jedoch teils überkreuzenderweise beim Hinunterschlängeln in alle Himmelsrichtungen.
Weder die exakte Erzählzeit noch die genaue Nummerierung spielen noch eine Rolle, sondern ausschließlich das wirre und sich immer wieder verzweigende Erzählspiel, welches wir während der «Schreibphase» im Kurs praktizierten.
Die unterschiedlich dicken Knäule am Ende der Bahnen veranschaulichen das Potential einer Geschichte, fortgeführt zu werden. So wie einige Episoden nach einem kurzem Lauf zum Scheitern verurteilt sind, lassen andere Stränge vermuten, auf unabsehbare Zeit weitererzählt werden zu können.


Yannick Rudolph: Buch mit Karte (Abb. 27)

 

Nina Schütte: Buch-Dummie (Abb. 28)
http://typoseminar.twoday.net
Beschreibung
Eine chronologische Darstellung unseres nonlinearen Märchens in seiner Textform und seiner Zahlenstruktur mit Vorgängern.


Ulrike Stoltz: 2 gehäkelte Netze (Abb. 29 + 30)
Beschreibung
Die Grafik von Anemone Färber erinnerte mich spontan an das Ballnetz, das ich in der 4. Klasse (Grundschule!) im Handarbeitsunterricht häkelte und heute noch besitze. Damit war für mich der Bezug hergestellt zwischen dem Erzählen von Geschichten und den Handarbeiten, also spinnen, weben, stricken, knüpfen oder eben auch häkeln. Interessanterweise ist dabei häkeln der einzige Begriff, der nicht ganz so stark metaphorisch und mit Bezug auf Geschichten erzählen benutzt wird wie die anderen.
In einer ersten Version (Abb. 29) häkelte ich zunächst entsprechend der Vorlage ein Netz aus weißem Garn, auf das ich dann die verschiedenen Erzählstränge farbig aufhäkelte. Dabei fiel mir auf, dass diese Version nicht stimmt: auf diese Art wird suggeriert, als hätte es die Struktur unserer Geschichte schon gegeben, und wir hätten mit unseren Erzählungen nur einzelne Pfade im Netz verfolgt, also markiert und dadurch sichtbar/lesbar gemacht. Das war aber nicht der Fall, die Struktur entstand beim Schreiben.
Dementsprechend wurde eine zweite Version (Abb. 30) notwendig. Hier werden die farbigen Erzählstränge jeder Grundrichtung zunächst zusammen verhäkelt, um sich dann nach und nach in einzelne Stränge zu trennen. Die Struktur entsteht beim Häkeln.
Die Querverbindungen, die aus der Grafik-Vorlage stammen und dort die Ringe gleicher Zeit darstellen, fallen jetzt weg.


Ulrike Stoltz: 40 Hefte (Abb. 31 + 32)
contrafumo. Ein nicht-lineares Märchen_Version 1 bis 37 nebst 3 Anhängen.
Beschreibung
Ähnlich wie bei meiner Handarbeit versuchte ich auch hier, jeden einzelnen Erzählstrang sichtbar zu machen. Ausgehend vom Start ergeben sich 37 Geschichten. Um zu verdeutlichen, dass jede Version der Contrafumo-Geschichte ihre Eigenständigkeit hat, erscheinen sie nicht als Kapitel eines Buches, sondern als einzelne, in sich abgeschlossene Hefte. Aus dem verzweigten Netz werden also einzelne Fäden herauspräpariert – eine Art von Re-Linearisierung findet statt.
Zusätzlich entstanden 3 weitere Hefte: eines enthält das Inhaltsverzeichnis mit AutorInnen, Nummern, Entstehungsdaten und Verweisen; ein weiteres listet die Orte, Personen und Gegenstände der Handlung auf; und das letzte schließlich gibt den Blick hinter die Kulissen auf die Kommentare und weiterführenden Links frei. Es entstand eine Auflage von 2 Exemplaren pro Heft: die erste ist eine Art Probedruck und liegt hier zum Blättern und Lesen aus, die zweite ist die endgültige Fassung, bei der sich die Umschläge der 37 Geschichten und der 3 Appendices auch farblich unterscheiden.


Ergebnisse aus dem «Typografie 1» Kurs (Abb. 33)
Während des Sommersemester wurde die Geschichte von den Studierenden des zweiten Semesters im Grundkurs gesetzt. Überschriften, Verlinkungen u.ä. wurden dabei bewusst weggelassen, so dass die ursprünglich vernetzten Posts als eine lineare Geschichte erscheinen. Alle Hefte haben das gleiche Format, sind aber hinsichtlich der gewählten Schriften sowie der Bindung und in den Einbänden unterschiedlich.

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