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Niedersachsen und HBK Braunschweig vergeben sieben Braunschweig Projects-Stipendien in Bildender Kunst und Klangkunst an aufstrebende internationale Künstler*innen

Im Rahmen des Braunschweig Projects Programms hat die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zum zehnten Mal im Auftrag des Landes Niedersachsen Stipendien an aufstrebende junge Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt vergeben. Die fünf Stipendiat*innen im Bereich Bildende Kunst sind Mahsa Aleph (IR), Sasha Bergstrom-Katz (USA), Mohammad Shawky Hassan (EG), Ani Schulze (D) und Sikarnt Skoolisariyaporn (THAI). Die beiden Stipendien im Bereich Klangkunst erhalten Caterina Gobbi (IT) und Katharina Hauke (D). Alle Stipendiatinnen und Stipendiaten wurden von Fachjurys ausgewählt.

„Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Durchführung dieses international angelegten Programms in diesem Jahr eine große Herausforderung. Jetzt sind wir froh, allen Künstler*innen unter Einhaltung sämtlicher Bestimmungen die Einreise und damit den Antritt ihres Stipendiums ermöglicht zu haben. Wir dürfen nun gespannt sein auf die Abschlusspräsentation, die voraussichtlich im Oktober in der Hochschule stattfinden wird“, so Vizepräsident Internationales und regionale Vernetzung Prof. Thomas Rentmeister.

Das Stipendium umfasst jeweils für alle sieben Künstler*innen eine monatliche finanzielle Hilfe in Höhe von 1.250 Euro für zwölf Monate. Zusätzlich gibt es einen projektabhängigen Zuschuss für Sach- und Reisekosten. Für die Zeit der Förderung wird den Künstler*innen ein Wohnatelier in Braunschweig zur Verfügung gestellt. Die Stipendiat*innen sind darüber hinaus in den Lehrbetrieb der HBK Braunschweig eingebunden und nehmen an einem Mentor*innenprogramm teil.

Finanziert wird das Stipendienprogramm durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie über Eigenmittel der HBK Braunschweig.

Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler freut sich über die Vergabe der Stipendien im Rahmen von Braunschweig Projects. „Auch im Bereich der Künste legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Vernetzung Niedersachsens mit der internationalen Kunstszene. Niedersachsen goes international. Dafür stehen die Braunschweiger Stipendien genauso wie unser neues Europa-Stipendium. Allen Künstlerinnen und Künstlern wünsche ich einen fruchtbaren Aufenthalt bei uns im Norden.“

Stipendiatinnen und Stipendiaten im Bereich Bildende Kunst:

Mahsa Aleph, geb. 1990 im Iran, lebt und arbeitet in Teheran.
In ihren oft raumgreifenden Installationen arbeitet Mahsa Aleph mit verschiedenen Medien und Materialien – Malerei, Textilien und Text. Dabei interessiert sie sich sowohl für deren Beschaffenheit als auch für deren Geschichte(n) und Erinnerungen, die sie wie Speicher in sich tragen. Durch präzise, teils theatrale Inszenierungen der von ihr präsentierten Objekte, setzt sie der jeweils damit assoziierten Funktion etwas Atmosphärisches entgegen, um unsere Wahrnehmung zu verschieben.

Sasha (Alexandra Catherine) Bergstrom-Katz, geb. 1986 in den USA, lebt und arbeitet in London.
Sasha Bergstrom-Katz promoviert zurzeit an der Birkbeck University of London, UK. In ihrer Arbeit, setzt sie sich in Form von ortsspezifischen Skulpturen, Performances sowie Film und Videoarbeiten mit psycho-analytischen Konzepten auseinander. Unter Verwendung traditioneller Werkzeuge des Theaters hinterfragt sie in ihren Performances bewusst das Konzept von Probe und Requisite. Aufbauend auf dieser Auseinandersetzung möchte sie während ihres Braunschweig Projects-Stipendiums das Design und die Verfahren von Intelligenztests durch die Entwicklung einer Live- Performance untersuchen.

Mohammad Shawky Hassan, geb. 1981 in Ägypten, lebt und arbeitet in Berlin.
Die filmischen Arbeiten von Mohammed Shawky Hassan befassen sich mit der Geschichte seines Heimatlandes, den individuellen Erzählungen seiner Bürger*innen und Fragen der sexuellen Orientierung und der nationalen Zugehörigkeit. Die tradierten sozialen Verhältnisse innerhalb der ägyptischen Gesellschaft werden beispielsweise in seinem Film »It was related to me« (2011) aufgenommen und anhand des Verhältnisses zweier Brüder und ihrem Eintritt in das Erwachsenenalter auf sensible Weise festgehalten und mit einem feinen Gespür für kulturelle Besonderheiten wiedergegeben.

Ani Schulze, geb. 1982 in Deutschland, lebt und arbeitet in Porto (Portugal) und Köln.
Oft werden Ani Schulzes Werke als Konstellationen oder Ökosysteme bezeichnet. Die unterschiedlichen Elemente, die eine Rolle spielen in ihren Arbeiten - Skulpturen, Zeichnungen, Videos, Klang usw. – verbinden sich zu heterogenen, polyphonen Strukturen. Es geht dabei sowohl um die Verschmelzungen, die daraus resultierenden Assoziationen und Transformationen, als auch das individuelle, eigenständige (physische) Dasein. Die durch Vernetzung –paradoxerweise– verursachte Fragmentierung und die unterschiedlichen Systeme, die auf und in uns, lebende Körper, eine Rolle spielen, sind ein Kernelement ihrer Arbeit.

Sikarnt Skoolisariyaporn, geb. 1988 in Thailand, lebt und arbeitet in Bangkok.
Sikarnt Skoolisariyaporns Arbeit hinterfragt das Museum als imperialistische und koloniale Institution und rechnet sie den üblichen ethnographischen Agenten zu. Nicht nur wer blickt, sondern wie dieser Blick durch eine Ausstellungspraxis kanonisiert wird, ist eine konstante Frage in ihrem Werk. Die Jury schätzte Skoolisariyaporns Auseinandersetzung mit einer notwendigen Institutionskritik. Insbesondere in Zeiten in denen sich unsere museale Erfahrung als Besucher*in und damit auch die Ausstellungspraxis grundlegend zu verändern scheint, liefert Skoolisariyaporn Reflexionen und Ansätze um die Konstruktion dieser Institutionen zu hinterfragen und ggf. komplett neu zu imaginieren.

 

Stipendiatinnen im Bereich Klangkunst:

Caterina Gobbi, geb. 1988 in Italien, lebt und arbeitet in Berlin.
Caterina Gobbi überzeugte die Jury durch ihre sehr erfrischende Herangehensweise, mit der sie performative und installative Formate in Verbindung bringt. Ihre hängenden und stehenden Objekte, die wie Erscheinungen aus dem Alltag wirken, bei denen es sich aber um dekorierte Lautsprecher handelt, sind die Klangquellen ihrer Sounds. Unterstrichen werden diese räumlichen Inszenierungen durch einen akustischen Collagemix aus Sprachkontexten, Rhythmisierungen und musikalischen Adaptionen.

Katharina Hauke, geb. 1984 in Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin.
Das Spektrum der künstlerischen Verfahren von Katharina Hauke ist ein weit gespanntes Netz unterschiedlicher medialer Anwendungen. Sie erscheint als Musikperformerin solistisch und als Mitglied unterschiedlicher Konstellationen in der konzerthaften Vorführung von kinetischen Instrumentarien, die in ihren Funktionen vorgeführt und dabei unter Anwendung von Mikrokontrollern ungewöhnliche Geräusch- und Klangebenen für die Zuhörer*innen eröffnen. Auf besondere Beachtung stieß ein elektronischer Begleiter am Handgelenk für Spaziergänge, der durch ein akustisches Signal die Richtung weist und damit völlig neue und unbekannte Wege ermöglicht.

 

Mitglieder der Jurys:

Jury Bildende Kunst:
Natalie Häusler (Verwalterin der Professur Grundlehre Zeichnen, HBK Braunschweig), Elizabeth Cortinas Hildago (Vertreterin der Professur Raumkonzepte, HBK Braunschweig), Veronika Olbrich (Referentin MWK Hannover), Dr. Jule Hillgärtner (Leitung Kunstverein Braunschweig), Sergey Harutoonian (Kurator Kunstverein Hannover), Dr. Justin Hoffmann (Leitung Kunstverein Wolfsburg), Noor Mertens (Leitung Kunstverein Langenhagen).
 

Jury Klangkunst:
Prof. Ulrich Eller (Professur Freie Kunst / Klangkunst, HBK Braunschweig), Golo Föllmer (Verwalter der Professur Theorie der Klangkunst, HBK Braunschweig), Thomas Bisitz (Stellv. Bereichsleiter Forschung und Entwicklung, HörTech GmbH Oldenburg), Dr. Linnea Semmerling (Direktorin Stiftung IMAI – Inter Media Art Institute, Düsseldorf), Markus Steffens (Singuhr Berlin), Dr. Salomé Voegelin (Künstlerin und Autorin, Professorin am MA Sound Arts University of the Arts London/London College of Communication). 

Zuletzt bearbeitet von Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation und Medien am 28.05.2021