HBK Zeitspuren: vom Atelier in die Öffentlichkeit
Mit Nothing is ever really lost präsentieren im Herbst 2026 insgesamt 17 Meisterschüler*innen der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig ihre Arbeiten im Kunstverein Braunschweig. Die Ausstellung bildet den Abschluss eines zweisemestrigen Meisterschüler*innen-Studiums, in dem besonders qualifizierte Absolvent*innen der Freien Kunst eigene künstlerische Vorhaben entwickeln und verwirklichen können.

Die Präsentation im Kunstverein markiert einen wichtigen Schritt vom Atelier in die Öffentlichkeit. Dabei geht es nicht allein darum, die entstandenen Werke einem breiteren Publikum vorzustellen. Führungen und begleitende Künstler*innen-Gespräche eröffnen auch Einblicke in die künstlerischen Arbeitsprozesse. Im Austausch mit Kurator*innen, Kritiker*innen und Besucher*innen werden unterschiedliche Positionen sichtbar und zur Diskussion gestellt.
Die aktuelle Ausstellung bietet zugleich Anlass für einen Blick zurück: Wie haben sich die Möglichkeiten der öffentlichen Präsentation im Laufe der Jahre entwickelt? Welche Ausstellungsorte und Begegnungen haben die Meisterschüler*innen begleitet? Und welche Rolle spielten dabei Kunstinstitutionen und Förderpartnerschaften? Ausgewählte Stationen zeigen, auf welch unterschiedlichen Wegen künstlerische Arbeiten ihren Weg aus der Hochschule in die Öffentlichkeit gefunden haben.
Der Schritt in die Öffentlichkeit
Die Geschichte der Meisterschüler*innen-Ausstellungen an der HBK Braunschweig ist von unterschiedlichen künstlerischen Positionen und Präsentationsformen geprägt. Ausgewählte Ausstellungen der vergangenen Jahre zeigen, wie vielfältig sich die Wege in die Öffentlichkeit gestaltet haben.
Bereits 2004 verband die von Michael Glasmeier, Professor für Kunstwissenschaft mit dem Schwerpunkt Kunst der Gegenwart an der HBK, organisierte Ausstellung Der Raum. Die Wand. Das Buch die künstlerische Präsentation mit einer begleitenden Publikation. Unter dem Titel Das Schreiben der Bilder erschienen Texte der Meisterschüler*innen, die einen weiteren Zugang zu ihren Arbeiten eröffneten.
2015 erweiterte die Ausstellung By Buy Bey im raumLABOR eine Ausstellungspräsentation mit einem Festival während des HBK-Rundgangs. Zum Programm gehörten Lesungen, Performances, Konzerte und Workshops.

Zwei Jahre später präsentierten acht Meisterschüler*innen ihre Arbeiten unter dem Titel Upcoming Empires in der Städtischen Galerie Wolfsburg im Schloss Wolfsburg.
Ein besonderer Meilenstein folgte 2018: Erstmals fand die Meisterschülerausstellung im Städtischen Museum Braunschweig statt. Unter dem Titel Bitte (nicht) stören präsentierten sechs Künstler*innen ihre Arbeiten sowohl in Sonderausstellungsräumen als auch innerhalb der Dauerausstellung. Parallel dazu zeigten zwölf weitere Meisterschüler*innen des Jahrgangs ihre Arbeiten unter dem Titel Ich habe dich beim Gehen gehört in der Braunschweiger Burgpassage.

Ein weiteres Ausstellungsformat entstand 2019 in der Städtischen Galerie Nordhorn. Für Ticket to Ride verbrachten sieben Meisterschüler*innen zunächst zwei Wochen vor Ort. Während dieser Arbeitsphase setzten sie sich mit der Stadt und ihrem Umfeld auseinander und entwickelten gemeinsam mit der Galerie ihre Präsentation.

Auch öffentliche Gespräche und Performances gehören zur Ausstellungspraxis.

So boten die Ausstellungen I’m Not Always Where My Body Is (2020),Soft Capsules (2021) und Strange Itineraries (2022) im Kunstverein Braunschweig Gelegenheit zum Austausch zwischen Künstler*innen, Lehrenden und Publikum.


Diese ausgewählten Stationen verdeutlichen die Vielfalt der Ausstellungsorte und Präsentationsformen – von Publikationen und gemeinsamen Arbeitsphasen bis zu Festivals und persönlichen Begegnungen.
Kooperationen und Förderung
Neben den öffentlichen Ausstellungen tragen Kooperationen und Förderpartnerschaften dazu bei, die künstlerische Entwicklung der Meisterschüler*innen zu unterstützen. Ausgewählte Beispiele zeigen, wie unterschiedlich diese Zusammenarbeit gestaltet sein kann.
Seit 2014 besteht eine Ausstellungskooperation zwischen der HBK und der Hannover Rück, die von Wolfgang Ellenrieder, Professor für Malerei, initiiert wurde. Im Rahmen dieser Ausstellungsreihe erhalten ausgewählte Meisterschüler*innen und Absolventinnen die Gelegenheit, ihre künstlerischen Arbeiten in der Unternehmenszentrale zu präsentieren. Begleitende Einzelkataloge, Führungen durch die Künstler*innen und eine Artothek ergänzen das Ausstellungsformat.
Eine besondere Bedeutung kommt der seit Jahren bestehenden engen Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Braunschweig zu. Der Kunstverein hat sich als wichtiger Partner für die abschließende öffentliche Präsentation der Meisterschüler*innen etabliert. Die Ausstellungen bieten den Künstler*innen die Möglichkeit, ihre Arbeiten in einem professionellen institutionellen Umfeld einem breiteren Publikum vorzustellen.
Dabei stellt der Kunstverein nicht nur Ausstellungsräume zur Verfügung. Die Meisterschüler*innen können ihre Arbeiten in den unterschiedlichen Räumen der historischen Villa sowie teilweise im Außenbereich präsentieren und sich mit den räumlichen Gegebenheiten auseinandersetzen. Begleitende Veranstaltungen, darunter Künstler*innengespräche und Performances, eröffnen zusätzliche Möglichkeiten des Austauschs.
Mit der Ausstellung Nothing is ever really lost im Oktober und November 2026 setzt sich diese Zusammenarbeit fort.
Neben diesen Kooperationen spielen Förderinstitutionen eine wichtige Rolle. So unterstützten 2018 die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und die Öffentliche Versicherung die Meisterschülerausstellung im Städtischen Museum Braunschweig. Drei der beteiligten Künstler*innen erhielten zudem Arbeitsstipendien der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.
Ein neuer Jahrgang, neue Perspektiven
Die Geschichte der Meisterschüler*innen-Ausstellungen an der HBK Braunschweig zeigt, wie unterschiedlich sich die Wege in die Öffentlichkeit gestalten können. Ausstellungsorte, Kooperationen und Präsentationsformen haben sich im Laufe der Jahre verändert. Geblieben ist die Möglichkeit, künstlerische Positionen außerhalb der Hochschule sichtbar zu machen und neue Begegnungen zu ermöglichen.
Mit Nothing is ever really lost schreibt der Jahrgang 2026 diese Geschichte auf eigene Weise fort. Die Ausstellung im Kunstverein Braunschweig ist dabei nicht nur Abschluss einer intensiven Arbeitsphase, sondern zugleich ein Ausgangspunkt für neue künstlerische Entwicklungen. Welche Wege die Beteiligten künftig einschlagen werden, bleibt offen – und gerade darin liegt die Perspektive, die jede neue Generation mitbringt.
Quellen und weiterführende Informationen
1. Hochschule für Bildende Künste Braunschweig: Nothing is ever really lost – Meisterschüler*innen der HBK Braunschweig 2026. Ausstellungsankündigung und Rahmenprogramm, 2026.
2. Michael Glasmeier: Chronologie 2004–1993. Dokumentation der Ausstellung Der Raum. Die Wand. Das Buch und der Publikation Das Schreiben der Bilder, 2004.
3. Hochschule für Bildende Künste Braunschweig: Jahresberichte und Ausstellungsdokumentationen zu den Meisterschüler*innen-Ausstellungen 2015–2022. www.hbk-bs.de
4. Hochschule für Bildende Künste Braunschweig: Vier Meisterschülerinnen bei der Hannover Rück, 8. Mai 2026.
5. Kunstverein Braunschweig: Ausstellungsarchiv und Informationen zur Zusammenarbeit mit der HBK Braunschweig. www.kunstvereinbraunschweig.de
Brigitte Kosch, Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der HBK Braunschweig