Neue Professorin für Cultural Animal Studies an der HBK Braunschweig

Wie prägen Vorstellungen von Tieren unsere Kultur? Welche Rolle spielen Tiere in Kunst, Film, Theater und anderen ästhetischen Praktiken? Und wie verändern Klimakrise, Artensterben und die Kritik an einer ausschließlich auf den Menschen ausgerichteten Perspektive unser Verständnis von Kunst und Gesellschaft? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Jessica Ullrich, die seit dem 1. Oktober 2026 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig lehrt und forscht.

Mit der Professur für Kunstwissenschaft mit Schwerpunkt Cultural Animal Studies erweitert die HBK Braunschweig ihr wissenschaftliches Profil um ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das in Deutschland insbesondere an einer Kunsthochschule bislang kaum institutionell verankert ist. Im Zentrum stehen die kulturelle und ökologische Bedeutung von Mensch-Tier-Verhältnissen sowie deren Darstellung und Reflexion in den Künsten.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit Tieren gehört zu den ältesten Themen der Kunstgeschichte. Zugleich haben ökologische Krisen, das fortschreitende Artensterben und Fragen nach dem Verhältnis von Menschen zu anderen Lebewesen dem Forschungsfeld in den vergangenen Jahren neue gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz verliehen. Die Cultural Animal Studies verbinden dabei kunst-, kultur-, film- und theaterwissenschaftliche Perspektiven mit ethischen und ökologischen Fragestellungen.

„Mit Jessica Ullrich gewinnt die HBK Braunschweig eine international profilierte Wissenschaftlerin, die das Forschungs- und Lehrprofil der Hochschule im Bereich Cultural Animal Studies maßgeblich entwickeln wird,“ sagt die Präsidentin Prof. Dr. Ana Dimke.

Jessica Ullrich studierte Kunstgeschichte, Kunstpädagogik und Germanistik in Frankfurt am Main sowie Kultur- und Medienmanagement in Berlin. Vor ihrer Berufung an die HBK war sie unter anderem wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstwissenschaft und Ästhetik der Universität der Künste Berlin, Kuratorin für Bildung und Vermittlung am Kunstpalais Erlangen sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Human-Animal Studies an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Darüber hinaus lehrte sie als Gast- und Vertretungsprofessorin für Ästhetik und Kunstwissenschaft an der Kunstakademie Münster und als Gastprofessorin an der Universität São Paulo. Weitere Lehraufträge und Gastdozenturen führten sie unter anderem an die Europa-Universität Flensburg, die Universität Graz, die Universität der Künste Berlin und die Goethe-Universität Frankfurt. Zugleich hat sie eine Honorarprofessur für Ästhetik und Kunstwissenschaft an der Kunstakademie Münster inne.

Ullrich hat zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland kuratiert, internationale Konferenzen organisiert und publiziert regelmäßig zu zeitgenössischer Kunst, Ästhetik und Mensch-Tier-Beziehungen. Sie ist Herausgeberin von Tierstudien, dem ersten akademischen Journal für Animal Studies in Deutschland, und war von 2012 bis 2021 Repräsentantin von Minding Animals Germany.

Neuer interdisziplinärer Master geplant

Aufbauend auf der neuen Professur soll an der HBK Braunschweig ein fächerübergreifender Masterstudiengang im Bereich Cultural Animal beziehungsweise Cultural Multispecies Studies entwickelt werden. Das Studienangebot richtet sich perspektivisch sowohl an Absolvent*innen der HBK als auch an Studierende anderer Hochschulen, die sich intensiv mit ökologischen, ästhetischen und ethischen Fragestellungen beschäftigen möchten.

Im Mittelpunkt sollen Themen wie Klimakrise, Nachhaltigkeit, Artensterben, Anthropozentrismuskritik sowie neue Perspektiven auf das Zusammenleben unterschiedlicher Spezies stehen. Dabei werden wissenschaftliche und künstlerische Zugänge miteinander verbunden. Der geplante Studiengang ist damit sowohl an kunst- und medienwissenschaftliche als auch an künstlerische, kunstpädagogische und gestalterische Bereiche der HBK anschlussfähig – einschließlich des Transformation Designs.

Die HBK greift damit einen Diskurs auf, der im angloamerikanischen Raum bereits seit längerem institutionell etabliert ist und zunehmend auch den deutschsprachigen Kunst- und Wissenschaftskontext prägt. Die Einrichtung eines solchen Studienangebots an einer Kunsthochschule stellt in Deutschland derzeit ein besonderes Profilmerkmal dar.

Die interdisziplinäre Ausrichtung eröffnet Absolvent*innen ein breites Spektrum möglicher Tätigkeitsfelder. Perspektiven bestehen unter anderem in Forschungseinrichtungen, Museen und Kulturinstitutionen, Medien, Nichtregierungsorganisationen sowie in den Bereichen Nachhaltigkeit, Natur- und Artenschutz, kulturelle Bildung, Beratung und Anwendungsentwicklung.

Mit der Professur und der Entwicklung des neuen Studiengangs stärkt Niedersachsens Kunsthochschule ihr Profil an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und gesellschaftlicher Transformation. Zugleich schafft sie einen Ort, an dem zentrale ökologische Fragen der Gegenwart aus künstlerischen, kulturwissenschaftlichen und ethischen Perspektiven neu verhandelt werden können.

Zur Person

Prof. Dr. Jessica Ullrich ist seit dem 1. Oktober 2026 Professorin für Kunstwissenschaft mit Schwerpunkt Cultural Animal Studies an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Zugleich ist sie Honorarprofessorin für Ästhetik und Kunstwissenschaft an der Kunstakademie Münster. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere auf Tier-Mensch-Beziehungen in den Künsten und der Ästhetik, zeitgenössischer Kunst sowie den Human-Animal Studies.

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