Alles auf Anfang – Paula Modersohn-Becker zum 150. Geburtstag

Anlässlich des 150. Geburtstags von Paula Modersohn-Becker fand am 29. Januar 2026 in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin die Veranstaltung „Alles auf Anfang“ statt. Der Abend widmete sich einer Künstlerin, die mit ihrem Werk und ihrem Lebensweg Maßstäbe setzte – und schlug zugleich eine Brücke zu heutigen künstlerischen Positionen, die neue Wege beschreiten und weiterhin um Sichtbarkeit ringen.
Nach der Begrüßung durch Staatssekretärin Veronika Dicke, Bevollmächtigte des Landes Niedersachsen beim Bund, richteten Stefan Schwenke, Bürgermeister von Worpswede, sowie Beate C. Arnold, Leiterin der Worpsweder Museen, den Blick auf den historischen und kulturellen Kontext der Künstlerkolonie Worpswede, die für Paula Modersohn-Becker prägend war.
Einen inhaltlichen Impuls setzte Marion Ackermann, Präsidentin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sie beleuchtete die radikale Modernität von Modersohn-Beckers Werk, ihre konsequenten künstlerischen Anfänge und ihre Bedeutung als Wegbereiterin für nachfolgende Generationen von Künstlerinnen.

Im Zentrum des Abends stand der „Dialog mit Paula“, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verband. Neben Marion Ackermann diskutierten Ana Alenso, Dorothea Erxleben-Stipendiatin 2025/27 der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, sowie Wiebke Mertens, Preisträgerin des Paula-Modersohn-Becker-Kunstpreises 2024. Ausgehend von Modersohn-Beckers existenziellen Themen wurden aktuelle künstlerische Neuanfänge, Fragen nach künstlerischer Selbstbehauptung und strukturellen Hürden für Künstlerinnen thematisiert.

Ana Alenso formulierte dabei eine eindrückliche Verbindung zwischen Modersohn-Beckers Werk und der eigenen künstlerischen Praxis. Sie beschrieb ihre Arbeit als eine Auseinandersetzung mit den „Wunden der Erde“, die sie mit Materialien sichtbar mache, „die sprechen können – Rohre, Motoren, Reste erschöpfter Systeme“. In den Körperdarstellungen Paula Modersohn-Beckers erkenne sie „dieselbe radikale Geste, Verletzlichkeit als Wahrheit sichtbar zu machen“. Die Verbindung zwischen beiden Positionen liege dort, „wo Materie nicht mehr dekorativ ist, sondern existenziell“. Damit machte Alenso deutlich, wie sehr Modersohn-Beckers künstlerische Haltung bis heute nachwirkt und zeitgenössische künstlerische Fragestellungen berührt.
Der Abend klang bei einem Get-together unter dem Motto „Zwischen Paris und Worpswede“ aus und bot Raum für Gespräche und Austausch zwischen Gästen aus Kunst, Kultur und Politik.
Die Veranstaltung zeigte eindrücklich, dass Paula Modersohn-Becker nicht nur als historische Figur zu betrachten ist, sondern als Inspirationsquelle für Künstlerinnen der Gegenwart, die den Mut zum Anfang immer wieder neu behaupten.
