Boseo Park erhält den DAAD-Preis für internationale Studierende

Die feierliche Gratulation und Übergabe des DAAD-Preises an Boseo Park fand zur Eröffnung des Kunstmarktes der HBK Braunschweig am 27. November 2025 in der Montagehalle statt. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr von der HBK Braunschweig an die aus der Republik Korea stammende Künstlerin und Meisterschülerin von Prof. Antje Majewski verliehen.

Mit der Preisträgerin haben wir gesprochen. In einem Interview gibt sie Einblicke in ihre künstlerische Arbeit und beschreibt, was sie als nächstes plant.

„Drei Fragen“

Welche Bedeutung hat die Auszeichnung des DAAD-Preises für Sie und Ihre künstlerische Entwicklung? 

Die Mobilität von Bildern, die Auflösung von Ortsgebundenheit und ein diasporischer (altgriechisch für „Zerstreuung“) Blick bilden den Ausgangspunkt meiner Arbeit – eine Perspektive, die sich stets am Rand, im Zwischenraum, verortet. 
Die Auszeichnung ist für mich ein wesentliches Zeichen dafür, dass dieser Blick nicht nur persönlich, sondern auch gesellschaftlich und kunsttheoretisch Resonanz findet. Zugleich markiert sie eine Schwelle, die meine Praxis in einen erweiterten Diskurs überführt. Dass ich diese Auszeichnung zu einem Zeitpunkt erhalte, an dem ich nach dem Diplom mein künstlerisches Profil im Rahmen des Meisterschülerstudiums weiter präzisiere, hat besondere Bedeutung. 
Die damit verbundene Unterstützung und das Vertrauen eröffnen mir die Möglichkeit, die Prozesse der Erosion, Überlagerung und Transformation von Bild und Erinnerung noch konzentrierter zu untersuchen. In diesem Sinne stellt der DAAD-Preis einen wesentlichen Wendepunkt in meiner künstlerischen Entwicklung dar.

Welche Themen, Fragestellungen oder ästhetischen Herangehensweisen prägen Ihre aktuelle künstlerische Praxis? 

Meine Arbeit konzentriert sich auf Prozesse, in denen sich Bilder gegenseitig erodieren, überlagern und neue Schichten hervorbringen. In den wiederholten Transformationen von Fotografie zu digitalen Dateien, von digitalen Dateien zu physischem Druck und wiederum zum Objekt, bleibt das Bild nie eine „abgeschlossene Form“. Es erscheint vielmehr als Rest, als Spur der Erosion, als Zustand fortwährender Unvollständigkeit – als etwas, das sich im Prozess des Werdens befindet. 

In meinem Diplomprojekt „Weniger Kontrast“ habe ich mich besonders mit dem Begriff des digital weathering (Verfall digitaler Medien) auseinandergesetzt. Gemeint ist das Phänomen der späten 1990er und frühen 2000er Jahre, in dem Fotografien und Videos durch das Speichern und erneutes Hochladen über verschiedene Plattformen hinweg an Qualität verlieren und schließlich nicht mehr zum ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden können. Diese Schichten der digitalen Abnutzung bilden eine zeitgenössische Form der Sedimentation (Ablagerung von Stoffen) und zeigen, wie sich Bilder nicht im Moment der Übertragung, sondern im Prozess ihrer Dauerhaftigkeit verändern. 

Daraus ergeben sich für mich zentrale Fragen: Wie erzeugt ein Bild neue Wirklichkeiten, wenn das „Original“ verschwindet und der Begriff von Authentizität selbst instabil wird? Und warum hält der Mensch weiterhin an einem Bedürfnis nach Authentizität fest, obwohl ihre Grundlagen zunehmend erodieren?
Diese Fragen reichen über rein technische Phänomene hinaus und berühren die Homogenisierung digitaler Umgebungen, die Verschiebung der Grenze zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit sowie die Einsicht, dass Identität keine feste Entität
(Dasein im Unterschied zum Wesen eines Dinges), sondern ein Prozess permanenter Transformation ist. In den Zuständen von Erosion und Rest beobachte ich jene Momente, in denen bestehende Bedeutungen sich ablösen und neue Formen von Realität entstehen – und genau in diesem Zwischenraum verortet sich meine Praxis. 

Ihre Perspektive ist durch internationale Erfahrungen geprägt. Welche Stationen oder Einflüsse haben Ihren künstlerischen Weg besonders beeinflusst – und wie spiegeln sie sich in Ihrer Arbeit wider? 

Die Landschaften, denen ich auf meinen Wegen durch verschiedene Länder und Städte begegnet bin, trugen jeweils unterschiedliche kulturelle Texturen, doch die darin sichtbaren menschlichen Bestrebungen ähnelten sich auf erstaunliche Weise. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass nicht die Existenz von Differenz entscheidend ist, sondern die Art und Weise, wie wir Differenz wahrnehmen und annehmen. Die meisten Ausgangsbilder meiner Arbeiten entstehen zufällig im Stadtraum. 

Insbesondere Fassaden, Glasflächen und Fenster – urbane Details, in denen sich die Sensibilität, der architektonische Rhythmus und die visuelle Textur eines Ortes verdichten – markieren jene Momente, in denen mein Blick mit einer vertrauten oder ersehnten Welt in Resonanz tritt. Zwar unterscheiden sich diese Oberflächen je nach Stadt, doch die emotionalen Rhythmen der Menschen, die auf ihnen leben, kehren in ähnlicher Form wieder. 

Diese Einsicht durchzieht meine gesamte Praxis und bildet das zentrale Fundament der Serie [Then it turns into Malerei]. Die fotografischen Bilder durchlaufen digitale Transformationen wie Verzerrung, Überlagerung, Kompression und Inversion und verwandeln sich dadurch in abstrakte, verfremdete Landschaften. Dieser Übergang ähnelt der inneren Bewegung eines Individuums, das verschiedene Kulturen, Sprachen und Städte durchquert. Sichtbar wird dabei nicht eine Steigerung der Differenz, sondern ein universeller Rhythmus des „Sich-Behauptens im Leben“, der auch unter unterschiedlichen Bedingungen fortbesteht.

Meine internationalen Erfahrungen, die ich in den Ländern Neuseeland, Korea, Deutschland, London, Paris, Brüssel, New York und Tokyo gemacht habe, entfernen mich von der Idee, eine bestimmte „Heimat“ präzise zu rekonstruieren. Stattdessen konzentriere ich mich auf jene wiederkehrenden Gefühle, die Orte überschreiten wie das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, die Angst, und der Impuls, sich ein neues Zuhause aufzubauen. So wie man ein Gericht aus der Heimat nicht mit denselben Zutaten nachkochen kann und dennoch versucht, durch neue Kombinationen einen vertrauten Geschmack herzustellen, erscheinen auch die Landschaften in meiner Arbeit nicht als Rekonstruktionen realer Territorien. Sie manifestieren sich vielmehr als entstehende Räume, in denen sich solche universellen menschlichen Strömungen verdichten.

Das Interview führte Brigitte Kosch, Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der HBK Braunschweig

News-Kategorien

Alle HBK allgemein Personalia Stipendien & Preise Alumni & Ehemalige Kunst Pädagogik Design Wissenschaft Presseinformation

Studiengänge

Alle Freie Kunst Kunstpädagogik Kunst in der Sonderpädagogik Darstellendes Spiel Visuelle Kommunikation Design in der digitalen Gesellschaft Transformation Design Kunstwissenschaft Medienwissenschaften

Zeitraum

Immer 2025 2024 2023 2022 2021