Von Wachstum zu Wandel – Kunst trifft Degrowth

Noch bis zum 8. März lädt das Mönchehaus Museum Goslar zur Ausstellung „Die Fichte spricht bevor sie bricht" ein – eine Schau, die Spuren hinterlässt. 36 Studierende der Klassen Freie Kunst von Prof. Natalie Czech und Prof. Antje Majewski haben sich gemeinsam mit der Kunstwissenschaft – dem Seminar von Prof. Dr. Ursula Ströbele – einem der drängendsten Themen unserer Zeit gestellt: Degrowth, eine gesellschaftliche Wachstumskritik, die seit über 15 Jahren Gegenstand internationaler Debatten in Politik, Wirtschaft, Soziologie, Kulturtheorie, Ökologie und Feminismus ist.
Was dabei entstanden ist, überrascht in seiner Bandbreite und Tiefe: Skulpturen und Textilkunst, Fotografie, Malerei, graphische Werke. Arbeiten, die, so Prof. Czech und Prof. Majewski, „sich kritisch mit Wegwerfprodukten, Werbung, Kapitalismus auseinandersetzten, aber auch mit Sorgearbeit, Gemeinschaftlichkeit, Wiederverwendung von Materialien und Achtsamkeit für nichtmenschliche Lebewesen."


Das Thema wurde von der ehemaligen Direktorin des Mönchehaus Museums, Bettina Ruhrberg, vorgeschlagen und von ihrer Nachfolgerin Miriam Bettin weiter betreut. Die Studierenden hätten sich, so die Professorinnen, „auf das komplexe Thema Degrowth eingelassen" – und das auf beeindruckende Weise.
Die Ausstellung ist das Ergebnis intensiver Auseinandersetzung, die weit über den Seminarraum hinausging. Auf einer dreitägigen Exkursion begegneten die Studierenden Expert*innen aus Wissenschaft, Forstwirtschaft und Kulturvermittlung: Prof. Dr.-Ing. Daniel Goldmann (Professor für Rohstoffaufbereitung und Recycling, TU Clausthal) sprach in den Ausstellungsräumen über sein Forschungsfeld. Bereits im Vorfeld gab es prägende Gespräche mit Dr. Johannes Großewinkelmann (ehemaliger Direktor des Mönchehaus Museums), Martin Wetzel und seinem Team vom Weltkulturerbe Rammelsberg Museum & Besucherbergwerk, Lars Wiedemann (Projekt NeuHarz), Marcel Möller (Stadtforst Goslar), Gertrude Endejan-Gremse (Wald für Morgen e.V.) sowie Roland Pietsch vom Nationalpark Harz. Aus diesen Begegnungen – mitten in Fragen von Ressourcenabbau, Recycling und Waldsterben – entstanden neue Sichtweisen, die nun in den Ausstellungsräumen spürbar werden.

Doch die Ausstellung ist erst der Anfang. Im Sommersemester wird eine Publikation folgen – erarbeitet gemeinsam mit Claudia Doms und Studierenden der Visuellen Kommunikation in einem interdisziplinären Seminar. „Die Publikation dient der Dokumentation, Lehre und Vernetzung. Sie soll sowohl im Mönchehaus Museum und in der HBK verfügbar sein", heißt es von den beteiligten Professorinnen. Für viele der Studierenden, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, ist sie mehr als ein Katalog: ein Dokument künstlerischer Haltung – verwendbar für Stipendienbewerbungen, für Kurator*innen, für die eigene Zukunft.
Noch läuft das Begleitprogramm: Etwa mit Blitzführungen von HBK Studierenden am 8. März 2026. Wer die Chance hat, sollte sie nutzen – und sich von der Ausstellung „Die Fichte spricht bevor sie bricht" in einem Mal berühren und herausfordern lassen.