Festival Theaterformen: Studierende ‚üben‘ (Macht-)Kritik

Als Großereignis findet in diesem Jahr wieder das Festival Theaterformen von 18. bis 28. Juni in Braunschweig statt. International ausgerichtet, zeigt es sich dabei fest in der Region verankert. Neben den Spielstätten des Staatstheater Braunschweig wird die ehemalige JVA Rennelberg dieses Jahr durch das Festival bespielt. Damit öffnet das Festival Theaterformen erstmals die Tore der JVA Rennelberg für die Öffentlichkeit und gibt dem Ort neue Bedeutung. Theater, Konzert, Kino, Diskussion und das Festivalzentrum werden sich auf dem Gefängnisgelände abspielen.
Ein besonderes Angebot im Rahmen des Festivals ist der Festivalcampus Niedersachsen. Von der HBK Braunschweig wird Joy Kristin Kalu, Professur „Performance- und Theatertheorie““ am Institut für Performative Praxis, Kunst und Bildung, mit Studierenden das Programm vor Ort (selbst)kritisch begleiten. Dabei bietet sich die Chance, das Festival intensiv kennenzulernen. Methodisch soll hier die Aufführungsanalyse erprobt werden und „in machtkritischer Manier die eigene Situiertheit im Rezeptionsgeschehen zum Ausgangspunkt“ genommen werden, so Professorin Kalu. Dabei soll zudem „bedacht und diskutiert werden, an wen sich die künstlerischen Arbeiten und die Festivalkuration richten, wer eingeladen ist und wem Zugänge zu den Aufführungen ermöglicht werden.“
Insgesamt fünfzig Studierende der Kultur- und Theaterwissenschaften, der Performativen Künste, der Szenographie sowie der Theaterpädagogik aus fünf niedersächsischen Hochschulen kommen hier zusammen. Sie erleben das gesamte Festivalprogramm, diskutieren Aufführungen in Seminaren und Workshops und führen Gespräche mit beteiligten Künstler*innen und Veranstalter*innen vor Ort. Dank der Förderung der Stiftung Niedersachsen wird das Angebot des Festivalcampus für die teilnehmenden Studierenden kostenfrei verfügbar sein.
Ein Highlight bereits vorab für den Monat Mai: Anna Mülter, Künstlerische Leitung des Festivals, wird am 20. Mai von 15-16 Uhr an die HBK Braunschweig kommen und die bevorstehende Festivalausgabe vorstellen. Dies findet im Rahmen des Plenums im Darstellenden Spiel im Schwarzen Raum (14/214) statt und steht weiteren Interessierten der HBK offen.
Das diesjährige Theaterformen bildet den Abschluss einer wichtigen Ära in seiner Festivalgeschichte. Es wird die letzte Ausgabe unter der Leitung von Anna Mülter sein, die ihren Fokus auf internationale experimentelle Performance-, Theater- und Tanzproduktionen und die Arbeiten der Freien Szene gelegt hat. Außerdem steht ihre Kuration insbesondere für den Abbau von Barrieren für Künstler*innen und Publikum mit Behinderung.


