HBK Braunschweig trauert um Prof. Dr. Wulf Herzogenrath

Die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig trauert um Prof. Dr. Wulf Herzogenrath, der am 18. Juni 2026 im Alter von 82 Jahren in Berlin verstorben ist. Mit ihm verliert die Kunstwelt einen herausragenden Kunsthistoriker, Kurator und Kunstvermittler, dessen Wirken die Entwicklung der modernen und zeitgenössischen Kunst in Deutschland und international über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat.

Von 2008 bis 2013 war Wulf Herzogenrath Vorsitzender des Hochschulrats der HBK Braunschweig. In dieser Funktion begleitete er die Hochschule mit großer Umsicht, fachlicher Autorität und persönlichem Engagement. Seine breite Erfahrung im Museums- und Ausstellungswesen sowie sein tiefes Verständnis für die besonderen Herausforderungen in künstlerischen Studiengängen waren für die strategische Entwicklung der Hochschule von großem Wert. Die HBK Braunschweig verdankt ihm wichtige Impulse und eine stets konstruktive, von Offenheit und Respekt geprägte Zusammenarbeit.

Wulf Herzogenrath gehörte zu den bedeutendsten Kunsthistorikern und Kuratoren seiner Generation. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde widmete er sich früh der Erforschung des Bauhauses und wurde zu einem international anerkannten Spezialisten auf diesem Gebiet. Bereits 1968 bearbeitete er den Katalog der wegweisenden Ausstellung 50 Jahre Bauhaus, die anschließend weltweit gezeigt wurde.

Mit nur 28 Jahren übernahm er 1973 die Leitung des Kölnischen Kunstvereins. Dort entwickelte er innovative Ausstellungsformate und schuf Plattformen für junge Künstler*innen. Zugleich wurde er zu einem der wichtigsten Wegbereiter der Videokunst. Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren erkannte er das künstlerische Potenzial des Mediums und setzte sich mit großer Überzeugungskraft für dessen Anerkennung ein. Die erste europäische Einzelausstellung von Nam June Paik im Jahr 1978 markierte den Beginn einer engen Zusammenarbeit und Freundschaft. Mit seinem Engagement auf der documenta 8 trug Herzogenrath entscheidend dazu bei, Videokunst als selbstverständlichen Bestandteil zeitgenössischer Kunst zu etablieren.

Als Hauptkustos der Nationalgalerie Berlin von 1989 bis 1993 erweiterte er die Sammlung gezielt um Positionen der Videokunst und entwickelte das Konzept für den Hamburger Bahnhof. Von 1994 bis zu seinem Ruhestand leitete er die Kunsthalle Bremen, deren Profil und institutionelle Entwicklung er durch zahlreiche Ausstellungen und nachhaltige Museumsarbeit entscheidend prägte.

Wulf Herzogenrath war ein neugieriger Geist und ein Grenzgänger zwischen den Medien. Sein besonderes Interesse galt stets neuen Ausdrucksformen und unterschiedlichen Formaten. Charakteristisch für seine Offenheit und seine Nähe zu Künstler*innen waren die Skizzenbücher, die er über Jahrzehnte mit sich führte. Künstlerische Weggefährt*innen lud er ein, jeweils eine Seite zu gestalten. So entstand ein einzigartiges, vielbändiges Kompendium aus Originalarbeiten unterschiedlichster Positionen – ein beeindruckendes Zeugnis seines weitgespannten Netzwerks, seiner Neugier und seines Vertrauens in die Kraft der Kunst.

Die HBK Braunschweig wird Wulf Herzogenrath als klugen Berater, engagierten Hochschulratsvorsitzenden und inspirierenden Gesprächspartner in Erinnerung behalten. Sein Wirken hat die Kunstlandschaft nachhaltig verändert und wird weit über seinen Tod hinaus nachwirken.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freundinnen und Freunden sowie allen Wegbegleiter*innen.

Die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig wird Wulf Herzogenrath ein ehrendes Andenken bewahren.

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