Interview mit Malte Taffner zum WKI-Projekt „LuminousNetworks“ im Wissenschaftsschaufenster Braunschweig

Im Wissenschaftsschaufenster Braunschweig treffen künstlerische und naturwissenschaftliche Forschung aufeinander. Der HBK-Absolvent Malte Taffner arbeitet im Projekt „LuminousNetworks“ gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI mit lebendem Pilzmyzel – einem Material, das wächst und sich stetig verändert.
Das Myzel des Pilzes der Familie der Lackporlinge (Ganoderma spp.) hat weiterhin die Besonderheit unter UV-Licht in verschiedenen Farben zu fluoreszieren. In seinen Arbeiten verbindet Taffner künstlerische Fragestellungen mit wissenschaftlichen Perspektiven und beschäftigt sich mit Themen wie Kooperation, Verantwortung und dem Verhältnis zwischen Mensch und anderen Lebensformen.

Im Wissenschaftsschaufenster arbeiteten Sie mit lebendem Pilzmyzel. Was reizt Sie an diesem Material – künstlerisch wie inhaltlich?
Bereits während meines Studiums an der HBK Braunschweig begann ich mich für die Welt der Pilze zu interessieren. Während der Recherchen zu meiner Diplomarbeit Xenotop (2020), in welcher ich mich mit Fragen einer nachhaltigen Stadt der Zukunft auseinandersetzte, stieß ich erstmals auf Myzel als nachhaltigen Baustoff. War ich anfangs nur von der Möglichkeit eines neuen biologischen Materials fasziniert, tat sich schnell ein ganzer Kosmos auf. Zu ersten Arbeitsansätzen kam es dabei jedoch erst ein paar Jahre später (2023), als ich den Chemiker Henrik Christ kennenlernte.
Die Welt der Pilze ist überaus facettenreich und so sind auch meine künstlerischen wie inhaltlichen Interessen an ihr sehr vielfältig. Daher möchte ich mich hier auf einen für mich aktuell am wesentlichsten erscheinenden Aspekt konzentrieren.
Das in der Regel für uns Menschen nur im Verborgenen wachsende und agierende Pilzmyzel birgt die Möglichkeit - auf Holzresten oder Ähnlichem kultiviert - es in jeder beliebigen Form wachsen zu lassen und diese Form, wenn man es lässt, durch seinen Wachstumsprozess weiter zu verändern. Das macht es über ein nachhaltig wachsendes Material hinaus interessant. Das Myzel wird eigenständiger Akteur und gestaltet die künstlerische Arbeit aktiv mit - ein Sinnbild dafür, dass Pilze eigenständige Lebewesen, sind, die unser Welt wesentlich mitgestalten.
Das verschiebt den Fokus eines anthropozentrischen Denkens hin zu einem posthumanistischen und wirft Fragen von gesellschaftlicher Ko-Kreation, Ko-Existenz, Verantwortung und Fürsorge auf.

Ihre Arbeiten verbinden Kunst, Technologie und gesellschaftliche Fragestellungen. Wie verändert die Zusammenarbeit mit einem Forschungsinstitut wie dem Fraunhofer WKI Ihre künstlerische Praxis?
Die Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen wie dem Fraunhofer WKI ist auf vielen Ebenen bereichernd und ermöglicht es mir Arbeiten umzusetzen, welche ich ohne diese Kooperation nicht realisieren könnte. Im Vordergrund steht dabei der direkte Zugang zu wissenschaftlichem und technischem Know-how sowie speziellen Geräten - von fachspezifischem Wissen über die Anzucht, den Aufbau und Verhalten von Pilzen bis hin zur Nutzung riesiger, fast schlafzimmergroßer Klimakammern. Zentral ist dabei auch der dialogische Wissenstransfer. Es treffen mehrere unterschiedliche Welten aufeinander und grundlegende Denk-, Forschungs- und Arbeitsweisen der verschiedenen Disziplinen werden hinterfragt, diskutiert und miteinander geteilt. Dadurch wächst das gegenseitige Verständnis. Gleichzeitig entstehen neue Denkanstöße und Möglichkeitsräume, die meinen künstlerischen Prozess unmittelbar beeinflussen.
Sie haben an der HBK Braunschweig studiert. Welche Impulse aus Ihrem Studium wirken in dieses Projekt hinein – und welche Rolle spielt interdisziplinäres Arbeiten heute für Sie?
Das Arbeiten in transdisziplinären Projekten ist wesentlicher Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit. In meiner künstlerischen Forschung, mit lebenden und wachsenden Systemen, urbanen Fragmenten sowie technologischen Komponenten, ist der Austausch und die Zusammenarbeit mit Menschen anderer Fachgebiete sehr bereichernd und oft unumgänglich. Ich verstehe meine künstlerische Praxis als einen Prozess des Dialogs – zwischen Menschen, Disziplinen, Materialien und Lebensformen. Meine Projekte bieten mir dabei den Rahmen und einen Zugang zu diesen.
Die Zwischenergebnisse des Projekts „LuminousNetworks“ wurden vom 18. bis 20. März 2026 im Wissenschaftsschaufenster Braunschweig (Waisenhausdamm 8) präsentiert.
Weitere Informationen unter www.forschungregion.de/wissenschaftsschaufenster/
Das Interview führte Brigitte Kosch, Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.