LED-Wettbewerb 2026: Kreative Perspektiven über den Dächern Braunschweigs
Seit Mitte Juli 2026 prägen abermals zehn neue Video-Arbeiten von Studierenden und Absolvent*innen der Hochschule für Bildende Künste (HBK) Braunschweig das Stadtbild. Im Rahmen des diesjährigen LED-Wettbewerbs werden die ausgewählten Werke auf der Medienfassade an der Spitze des markanten Bürohauses „Toblerone“ im BraWoPark präsentiert. Die diesjährige Jury zeichnete Arbeiten von Carlotta Oppermann, Clara Mannott, Domingos de Barros Octaviano, Jana Marie Walaszek, Jusuf Brkic, Paula Knust Rosales, Shauny Streckenbach, Sonia Neuer, Takashi Kunimoto und Tete Tietze aus. Die zehn Preisträger*innen erhalten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro.
Die neuen Video-Arbeiten sind jeweils dienstags und donnerstags tagsüber auf der Medienfassade an der Spitze des BraWoParks zu sehen. An den übrigen Wochentagen werden weiterhin die Beiträge der vorherigen Wettbewerbsrunde gezeigt. Wer den Blick nach oben richtet, entdeckt eindrucksvolle Beispiele zeitgenössischer Medienkunst, die durch kreative Ideen und eine hohe technische Qualität überzeugen.
Seit 2012 kooperiert die Volksbank BRAWO mit der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, um jungen Künstlerinnen eine weithin sichtbare Plattform für ihre digitalen Arbeiten zu bieten. Ziel der Zusammenarbeit ist es, zeitgenössische Medienkunst in den öffentlichen Raum zu bringen und künstlerische Positionen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Auswahl der Arbeiten erfolgt jährlich durch eine Jury aus Vertreterinnen der Volksbank BRAWO, der HBK Braunschweig und der Stadt Braunschweig.
Carlotta Oppermann: Orange Blaze

Orange Blaze verweist auf eine Warnfarbe, deren Funktion darin besteht, gesehen zu werden. Diese Eigenschaft wird in der Arbeit in ein Wechselspiel von Sichtbarkeit und Fragmentierung überführt. Im Verlauf erscheinen mehrere Figuren in einen orangenen Arbeitsoverall. Hände und Arme treten aus dem Stoff hervor, während Kopf und Gesicht verborgen bleiben. Die Figuren treten in einen Dialog miteinander. Dabei entsteht eine körperliche, teils absurde Form der Kommunikation. Der verwendete Overall trägt Spuren von Arbeit und Gebrauch und verweist auf Uniformität ebenso wie auf individuelle Einschreibungen.
Clara Mannott: Till-Eulenspiegel-Brunnen

Die Arbeit collagiert Fotografien des Braunschweiger Till-Eulenspiegel-Brunnens. Das verwendete Bildmaterial wurde von unterschiedlichen Fotograf*innen in unterschiedlichen Jahrzehnten aufgenommen.
Gestiftet vom jüdischen Bankier Bernhard Meyersfeld, schuf der Künstler Arnold Kramer den Brunnen 1906, im Gedenken an den Stadtnarren Till Eulenspiegel, welcher der Legende nach Eulen und Meerkatzen anstatt von Brot gebacken haben soll.
1933 meißelten die Nationalsozialisten Meyersfelds Namen aus der Inschrift. Im Zweiten Weltkrieg wurde beinahe das ganze Viertel rund um den Standort im Bäckerklint zerstört. Nur der Brunnen überlebte mysteriöserweise gänzlich unbeschadet.
Domingos de Barros Octaviano: Reise Zeichnung Sammlung!!!

Zeichnungs-Waggons werden von Zügen gezogen. Zu sehen sind Motive, die ich zwischen Deutschland und Brasilien gezeichnet habe.
Über die Jahre habe ich Bücher mit Zeichnungen gesammelt, die ich während meiner Reisen gemacht habe, viele davon im Zug. Die Zeichnungen entstanden teils in Brasilien, teils in Deutschland, den beiden Ländern, zwischen denen ich mich bewege. Das Spiel zwischen den Zeichnungs-Waggons verbindet Formen, die mich beeindruckt haben.
Was sammelst du während deiner Reisen?
Marie Walaszek: Heinrich der Kater – oder Katze?

Heinrich der Kater – oder Katze? Vom Machtsymbol Löwe zum Zeichen der Nähe.
Alte Rollenbilder brechen auf. Einst verkörperte der Löwe Stärke und Dominanz – heute prägen weichere Symbole unser Zusammenleben. Heinrich der Löwe, das Wahrzeichen Braunschweigs, steht für Macht, Geschichte und Identität. Während der Löwe früher über Schlösser wachte und Autorität ausstrahlte, sind es heute Hauskatzen, die diese Räume durchstreifen. Vom adligen Hof auf den radligen Hinterhof. Anstelle von Distanz soll Nähe entstehen. Besonders am Hauptbahnhof als zentralem Ankunftsort soll das Symbol nicht einschüchternd, sondern einladen. „Heinrich der Kater“ steht für diesen Wandel: von Macht zu Nähe, von Abschreckung zu Begegnung. Der Löwe bleibt Teil der Identität, doch er verändert seine Haltung.
Jusuf Brkić: Evolving Backwards

„Evolving Backwards“ lädt dazu ein, über Technologie und Fortschritt in unserer Zeit nachzudenken und deren Motivation zu hinterfragen.
Der Found-Footage-Film besteht aus rückwärts laufenden Aufnahmen des Artemis-II Raketenstarts vom 1. April 2026, dem ersten bemannten Mondflug seit Apollo 17 im Jahr 1972. Die rückwärts aufsteigende Rakete zeigt eine Landung, die eigentlich ein Start ist. Die Schönheit der Bilder wird von einem Gefühl der Fremdartigkeit begleitet, das durch die rückwärts laufende Zeit erzeugt wird. Evolution und Rückschritt, Aufbruch und Rückkehr,
beides ist gleichzeitig im Bild. Somit wird ein zeitgeschichtliches Ereignis von globaler medialer Reichweite zum Material eines stillen Kommentars zur Fortschrittsorientiertheit unserer heutigen Gesellschaft.
Quelle: NASA, Artemis II Mission (Public Domain).
Paula Knust Rosales: "WATCH YOUR STEP"

Temporäre Wegweiser und Fragmente – zwischen einem öffentlichen und einem inneren Dialog eröffnen wechselnde Begriffe neue Wege.
Wiederkehrende Worte setzen sich in zu immer neuen Bedeutungen zusammen. „WATCH YOUR STEP“ bedient sich Begriffen des öffentlichen Raums, die an Orientierungssysteme und Beschilderungen erinnern. Dabei werden Passanten zu direkten Adressaten. Der Ton wechselt von ermahnend, über schützend und erinnernd, zu einladend. Wohin führen die Wege, die wir gehen? Zwischen Orientierungshilfe und Handlungsanweisung bleibt offen,
wer spricht. Der öffentliche Raum bildet eine Analogie zum Inneren.
Shauny Streckenbach: Alien meets Löwenstadt

UFO landet in Braunschweig. Ein außerirdischer Besucher wurde in der Löwenstadt gesichtet. Verhalten: neugierig, orientierungslos, beobachtend.
,,Alien meets Löwenstadt“ geht der Frage nach, wie sich unsere Wahrnehmung des Vertrauten verändert, wenn wir es aus einer ungewohnten Perspektive betrachten. Was geschieht, wenn ein Nicht-Erdling auf eine Stadt trifft, die für ihre Bewohner längst selbstverständlich geworden ist? Durch die Augen eines Außerirdischen wird Braunschweig zu einem Ort voller Entdeckungen: alltägliche Situationen, Orte und Gewohnheiten erscheinen plötzlich fremd, faszinierend und neu.
Sonia Lena Joy Neuer: [speaking]

[speaking] von Sonia Lena Joy Neuer zeigt zwei befreundete Personen im Gespräch. Sichtbar werden Nähe, Vertrauen und Verbundenheit.
[speaking] ist eine Videoarbeit von Sonia Lena Joy Neuer. Zwei Personen befinden sich vor einem sichtbaren Greenscreen, der nicht ersetzt wird und als konstruierter Raum bestehen bleibt. Obwohl sie die ganze Zeit miteinander sprechen, bleibt der Ton aus; einzig der Untertitel [speaking] erscheint durchgehend. So wird Kommunikation nicht als Information erfahrbar, sondern als Geste, Nähe und gegenseitige Aufmerksamkeit. Die Protagonist*innen bewegen sich zwischen spontaner Interaktion und choreografierter Handlung, hören einander zu, erzählen und teilen Zeit miteinander. Die Arbeit untersucht Intimität und Verbundenheit im Spannungsfeld von Öffentlichkeit, Inszenierung und sozialem Raum.
Takashi Kunimoto: Licht ab, Mond frei

Mein Kurzfilm entführt die Zuschauer auf eine magische Reise: von den vertrauten Wahrzeichen Braunschweigs bis hinauf zum Mond. Mit der Technik der Lichtmalerei – also dem Zeichnen mit Taschenlampen in der Langzeitbelichtung – erwecke ich die Nacht zum Leben. An ikonischen Orten wie dem Schloss, dem Altstadtmarkt und der Magnikirche entstehen leuchtende Kunstwerke vor historischer Kulisse. Aus sorgfältig aufgenommenen Lichtmalerei-Fotos wird ein charmanter Stop-Motion-Film, der die Bilder zu einer traumhaften Geschichte verbindet. Die Inspiration liefert 2026 selbst: Die NASA startete eine Rakete zum Mond – auch ich in Braunschweig finde meinen Weg dorthin, mit Fantasie, Kreativität und Licht in der Dunkelheit.
Das Ergebnis ist ein zweiminütiger Film, der Kunst, Stadtidentität und Weltraum-Begeisterung vereint – eine Liebeserklärung an Braunschweig und den Traum, die Sterne zu erreichen.
Tete Tietze: NUR SICHER IST COOL!

„Nur sicher ist cool!“ ist eine animierte Arbeit für den öffentlichen Raum, die sich mit urbaner Mobilität, Sichtbarkeit und Schutz beschäftigt.
Die Animation „Nur sicher ist cool!“ von Tete Tietze zeigt fahrradfahrende Tiere, die sich während der Bewegung kontinuierlich ineinander verwandeln. Durch fließende Morphing-Prozesse entstehen hybride Wesen, die den Straßenraum als gemeinsamen Bewegungsraum durchqueren. Trotz ihrer ständigen Transformation bleibt ein Element konstant: der Helm. Die spielerische Arbeit erinnert an diesem prominenten Ort der Stadt an die verantwortliche und sichere Teilnahme am Straßenverkehr auf dem Fahrrad.
Die ausgezeichneten Arbeiten und bisherige Preisträger*innen sind zudem online hier abrufbar.