Zwei prägende Persönlichkeiten der Kunstwissenschaft verabschieden sich

Mit dem Ende des Sommersemesters 2026 verabschiedet die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig zwei langjährige Professor*innen des Instituts für Kunstwissenschaft in den Ruhestand. Prof. Dr. Michael Mönninger und Prof. Dr. Victoria von Flemming haben die kunstwissenschaftliche Lehre und Forschung an der HBK über viele Jahre hinweg maßgeblich geprägt. Mit ihrer wissenschaftlichen Expertise, ihrem Engagement in der Lehre und ihren unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten begleiteten sie Generationen von Studierenden und setzten weit über die Hochschule hinaus wichtige Impulse für den kunst- und architekturwissenschaftlichen Diskurs.

Prof. Dr. Victoria von Flemming

Mit der Tagung „Neue Blicke auf alte Bilder“, die im Herzog Anton Ulrich Museum stattfand, einem Künstlergespräch und einem Vortrag in der Ringvorlesung des Instituts für Kunstwissenschaft verabschiedete sich Prof. Dr. Victoria von Flemming in den Ruhestand. Seit 2005 hatte sie die Professur Kunstwissenschaft mit dem Schwerpunkt Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der HBK Braunschweig inne. Ambitioniert führte sie Studierende an die Kunst der Frühen Neuzeit heran, eröffnete ihnen aktuelle Forschungsperspektiven wie die Interpikturalität und etablierte dekoloniale Ansätze sowie Untersuchungen zur Konstruktion von Geschlecht in Forschung und Lehre. In der Nachfolge von Prof. Dr. Katharina Sykora war sie eine der beiden Sprecherinnen des DFG-Graduiertenkollegs 1843 „Das fotografische Dispositiv“, das von 2012 bis 2019 an der HBK angesiedelt war. In diesem Zusammenhang verantwortete sie die Teilprojekte „Stillstellen/Stillleben“ und „Archivieren“ und gab wegweisende Publikationen heraus, die Fotografie aus kunst-, medien- und kulturwissenschaftlicher Sicht beleuchten. Anschließend leitete sie gemeinsam mit der Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Claudia Benthien von der Universität Hamburg das von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte interdisziplinäre Forschungsprojekt „Vanitas in den Künsten der Gegenwart“ (2019-2022), aus dem u.a. ein Tagungsband, eine Promotion und eine umfangreiche Abschlusspublikation hervorgingen. Gemeinsam mit Dr. Matthias Schulz von der Justus-Liebig-Universität in Gießen legte sie 2024 die Anthologie „Vom Fließen der Dinge“ vor, die auf eine Kooperation mit der Universität Ca’ Foscari Venedig und dem Deutschen Studienzentrum in Venedig zurückging.

Die HBK dankt Prof. Dr. Victoria von Flemming für die erfolgreichen Forschungskooperationen sowie für ihr Engagement in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und wünscht ihr für ihre künftigen Projekte alles Gute.

Prof. Dr. Michael Mönninger

Mit einem fulminanten Vortrag in der Aula, den die Zuhörer*innen mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations feierten, verabschiedete sich Prof. Dr. Michael Mönninger, der zum Ende des Sommersemesters 2026 aus dem aktiven Hochschuldienst ausscheidet, von Kolleg*innen und Studierenden an der HBK Braunschweig. Prof. Dr. Michael Mönninger, der zuvor als Architekturkritiker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, beim Spiegel und bei der ZEIT tätig war, lehrte seit 2007 Kunstwissenschaft mit dem Schwerpunkt Geschichte und Theorie der Bau- und Raumkunst am Institut für Kunstwissenschaft. Mehrere Generationen von Studierenden machte er mit Architekturtheorie und Baugeschichte vertraut. Er leitete kenntnisreich Exkursionen nach Paris und Venedig und initiierte Kooperationen mit Forschungseinrichtungen wie dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris, der HafenCity Universität Hamburg und der Kunstakademie Düsseldorf. Gemeinsam mit Kolleg*innen der TU Braunschweig führte er Seminare durch und reflektierte im Rahmen des Symposiums „Zwischen Traum und Trauma – die Stadt nach 1945“ kritisch die verdrängte Kriegsgeschichte und den Wiederaufbau der Stadt Braunschweig. In Kooperation mit der TU Wien gab er – gefördert durch den österreichischen Wissenschaftsfonds FWF – die sechsbändige Gesamtausgabe der Schriften des Städtebautheoretikers Camillo Sitte mitheraus. Mit seinen kontinuierlich erscheinenden Rezensionen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sensibilisierte er die Studierenden der HBK zudem für begriffsscharfe Argumentationen und führte ihnen vor Augen, wie wichtig es ist, eine Öffentlichkeit für Fragen der Baugeschichte, des Städtebaus und der Architekturtheorie herzustellen. In den letzten Jahren erweiterte er seinen Forschungsschwerpunkt der Raumtheorien um Perspektiven der Somnologie und wandte sich den unerforschten Sphären des schlafwandlerischen Bewusstseins zu. 

Die HBK Braunschweig dankt Prof. Dr. Michael Mönninger für sein langjähriges Engagement als geschätzter Hochschullehrer und wünscht ihm für den vor ihm liegenden Lebensabschnitt alles Gute.

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