Bildung als KI-Rohstoff: Das Versprechen digitaler Souveränität in Deutschland

Am 2. Juni 2026 findet von 13:15 bis 14:45 Uhr ein Vortrag von Anna Kraher in Gebäude 01 Raum 312 statt.
Veranstaltungstext: "Unter dem Schlagwort „digitale Souveränität“ wird derzeit massiv in digitale Infrastrukturprojekte „made in Germany“ investiert. Unter Anrufung einer nationalen (digitalen) Identität greifen Unternehmen dabei direkt in Bildung, Wissenschaft und KI-Entwicklung ein.
Amazon, Google, Meta, Palantir und Co: Wenn Kritik an Techkonzernen formuliert wird, richtet sie sich meist gegen die großen US-Plattformen. Weniger Aufmerksamkeit erhält dagegen, wie sich in Deutschland und Europa eine eigene digitale Machtstruktur formiert. Als Reaktion auf die Dominanz US-amerikanischer Plattformunternehmen werden unter dem Label „digitaler Souveränität“ Rechenzentren ausgebaut und Deregulierung vorangetrieben.
Besonders die Digitalsparte der Schwarz-Gruppe positioniert sich offensiv unter diesem Leitbild. Sie entwickelt Infrastrukturen für eine „souveräne“ Cloud, investiert in KI-Systeme, finanziert Professuren im Bereich Künstliche Intelligenz und betreibt einen eigenen Bildungscampus. Bildung wird so zunehmend als Bestandteil einer KI-Wertschöpfungskette organisiert und vertikal in Unternehmensstrukturen integriert. Was als digitale Souveränität erscheint, erzeugt dabei oft neue Abhängigkeiten von privatwirtschaftlichen Akteuren.
Wie kann eine Kritik aussehen, die untersucht, wie digitale Projekte in Deutschland politisch legitimiert, ökonomisch vermarktet und gesellschaftlich verankert werden? Und wie lassen sich lokale politische Praktiken entwickeln, die zugleich den internationalen Zusammenhang im Blick behalten?"
Anna Kraher ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Ethik der Digitalisierung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Ihre Forschung und künstlerische Praxis fokussiert sich insbesondere auf Machtverhältnisse, Imaginationen und Infrastrukturen hinter Technologien, prädiktive Analytik und Zeitlichkeiten. Sie war Mitglied der Forschungsgruppe „Ethik und kritische Theorien der künstlichen Intelligenz” an der Universität Osnabrück, des Data Ethics Outreach Lab, AlgorithmWatch und des Zentrums für Transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität. Sie hat Informatik, Gender Studies und Design & Computation in Berlin studiert.
Der Vortrag ist hochschulöffentlich und findet im Rahmen des Seminars „Ich chat’s einfach nicht – ein Seminar zu KI, Bildung und Hochschule“ von Irina Raskin am Institut für Medienwissenschaft statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Zur Teilnahme sind keine Vorkenntnisse erforderlich.